„Das Baby kommt erst in neun Monaten.“
„Neun Monate?! Das dauert viel zu lange! Das geht nicht! Wir müssen das Baby nächsten Monat schon haben. Voll funktionsfähig!“ Denkpause. „Wie viele Personen arbeiten gerade an diesem Baby?“
„Eine Frau.“
„Das Baby kommt erst in neun Monaten.“
„Neun Monate?! Das dauert viel zu lange! Das geht nicht! Wir müssen das Baby nächsten Monat schon haben. Voll funktionsfähig!“ Denkpause. „Wie viele Personen arbeiten gerade an diesem Baby?“
„Eine Frau.“
Freitag, 17.01.20. Gütersloh.
Die meisten Menschen denken bei Reichtum oder Luxus sofort an Geld, an viel Geld, an sehr viel Geld. Ich verstehe das. Aber Geld war für mich noch nie wirklich wichtig. Ich hatte bisher das Glück, immer genug davon oder bescheidenere Ansprüche zu haben, um mir ein gutes Leben zu machen und wundere mich noch immer, warum Menschen glauben, dass sie mit Geld glücklich(er) werden können. Vor allem, wenn sie sich mit dem Mehr-Geld-Verdienen sich von dem entfernen, was sie einst glücklich machte.
Mittwoch, 15.01.20. Bielefeld.
Der Titel klingt philosophischer als mein Text ist. Aber ich mag es, wenn ein Text eine ungeplante Interpretationsebene erlaubt: Das Leben operationalisiert und auf Zahlen heruntergebrochen. Vielleicht sind es lediglich diese Daten, die uns überdauern und lange bestehen bleiben, wenn wir längst nicht mehr da sind. Je nach Laune finde ich diesen Gedanken amüsant oder tröstlich.
Was meinen unsterblichen Code betrifft: Zeilen von mir sind immer noch in der SAP CRM Standardsoftware, ich glaube, ab der Version 3.1 bis zum CRM 7.x. Doch irgendwann wird dieses CRM von der neuen Lösung C/HANA abgelöst werden und dann ist auch das weg. So viel zur Unsterblichkeit. Ok, zurück zum Profanen und dem eigentlichen Inhalt.
Ich programmiere sehr gerne und das seit meinem 13ten Lebensjahr. Seitdem habe ich gefühlt Millionen von Zeilen programmiert. Das meiste davon dürfte mit der Software und/oder dem Unternehmen verloren gegangen sein oder veraltet und damit auch absehbar verloren. Wie viel von all dem übrig bleibt weiß ich nicht. Ich weiß nicht einmal, wie viel dieses »Wie viel« aus meinem vorherigen Satz ist.
In meiner gesamten Zeit des Programmierens, angefangen mit Babyschritten auf dem C64er und dann später als externer SAP Berater, habe ich mich jedoch nie gefragt, wie viele Zeilen Code ich programmiert habe. Erst ein Blogeintrag auf »fortlaufend« von André Spiegel brachte mich auf die Idee. Darin erwähnte er, 300 Zeilen Code geschrieben zu haben, was für ihn so viel wie nie zuvor war (leider finde ich den Artikel nicht mehr).
Dreihundert?, dachte ich. Das ist doch etwas, was ich täglich locker programmiere, wann immer mir außerhalb der Meetings und meiner Teilprojektleitung noch Zeit übrigblieb. Zumindest könnte ich die Anzahl meiner Programmierzeilen für mein aktuelles und fast abgeschlossenes Teilprojekt ermitteln.
Dienstag, 01.10.19. Gütersloh.
Wenn der Morgen den Tag macht, dann bin ich echt am Arsch!
Auf dem Display leuchtet heute Nacht eine drei auf, als ich wachgeworden darauf schaue. Von da an suche ich den Schlaf, aber der behandelt mich wie einen Ausgestoßenen, um mich kurz vor dem Wecker doch noch ins gelobte Land hineinzulassen.
Ich fahre wie ein Besoffener, also mit halbem Hirn, zur Arbeit. Das System da oben fährt morgens nicht richtig hoch bzw. fahren Teile meines Hirns in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ihre Aktivitäten hoch. Alle so langsam wie möglich, als wetteiferten sie miteinander um das langsamste Tempo. Mit diesem Kopf, der vorzüglich ein paar ausgekotzte Wortbrocken mit lallender Sprache zu drapieren weiß, muss ich heute auch noch englisch sprechen, denn ab heute heißt es bei uns in der Abteilung »in english, please!«
Donnerstag, 12.09.19. Bielefeld.
Die Kälte frisst sich durch meinen dünnen Anzug hindurch und beißt sich wie ein wilder Hund an meinen Knochen fest. Mein Körper fühlt sich an, als würde es heftig mit den Zähnen klappern. Es ist ein schmerzhaftes und seltsames Gefühl, wenn der Körper starr vor Kälte ist und zugleich vor Kälte zittert. Am schlimmsten jedoch ist dieses Ausgeliefertsein und der kurze Kontrollverlust, weil die Kälte dich für einen Moment beherrscht.