How to become international

Dienstag, 01.10.19. Gütersloh.

Wenn der Morgen den Tag macht, dann bin ich echt am Arsch!

Auf dem Display leuchtet heute Nacht eine drei auf, als ich wachgeworden darauf schaue. Von da an suche ich den Schlaf, aber der behandelt mich wie einen Ausgestoßenen, um mich kurz vor dem Wecker doch noch ins gelobte Land hineinzulassen.

Ich fahre wie ein Besoffener, also mit halbem Hirn, zur Arbeit. Das System da oben fährt morgens nicht richtig hoch bzw. fahren Teile meines Hirns in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ihre Aktivitäten hoch. Alle so langsam wie möglich, als wetteiferten sie miteinander um das langsamste Tempo. Mit diesem Kopf, der vorzüglich ein paar ausgekotzte Wortbrocken mit lallender Sprache zu drapieren weiß, muss ich heute auch noch englisch sprechen, denn ab heute heißt es bei uns in der Abteilung »in english, please!«

So exponiert hat es keiner gefordert (oder geschmackvoll formuliert). Bekommt man jedoch zwei neue Kollegen, die kein Deutsch können, versteht sich diese freundliche Geste von selbst. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob unser akzentstarkes Englisch nicht unsere aus Asien stammenden Kollegen peinlich berührt oder gar beleidigt.

Vielleicht mache ich mir auch zu viele Sorgen. Mich treibt nämlich die unbegründete Angst um, dass sich jemand beim Aussprechen des Tee-Ages die beiden Vorderzähne mit der Zunge herausschlägt (also das herausfordernde »THE«).

(So ein Text kommt heraus, wenn Teile des Gehirns voreinander weglaufen, aber jetzt geht es wieder.)

Come Together And Find Out

Für uns deutsch-sprechende Mitarbeiter bedeutet dies eine nicht zu unterschätzende Umstellung, wann immer ein nicht deutschsprechender Kollege mit am Tisch sitzt. In den Büroräumen, beim Mittagstisch, bei irgendwelchen geselligen und manchmal spontanen Zusammentreffen und nicht zuletzt in den gemeinsamen Terminen.

Das könnte am Anfang unbequem werden. Ein paar Mitarbeiter äußerten in kleiner Runde ihr Unbehagen. Wir sprechen zwar alle englisch, jedoch gibt es einen Unterschied, ob man fachlich oder persönlich miteinander redet. In einigen Situationen, könnte ich mir vorstellen, dürften jetzt ein paar Kollegen zurückhaltender agieren, z.B. in den Meetings könnte die Diskussionskultur zurückgehen. Generell rechne ich mit einer anfänglichen Zurückhaltung.

Natürlich kann man auch anführen, dass man sich jetzt besser auf die Termine vorbereiten muss und seine Inhalte auch auf das Wesentlich reduziert.

Vermutlich ist diese Umstellung auch nur eine Gewöhnungssache und ein gutes Training für das eigene Englisch. Die beiden Kollegen sind auf jeden Fall sehr nett und freundlich, was uns die Umgewöhnung erleichtern wird.

Natürlich ist meine Sicht sehr einseitig und komfortabel, denn die Umstellung auf der deutschsprachigen Seite fällt um einiges leichter als auf der Seite der neuen Kollegen aus.

Bewundernswert finde ich, dass sie ihre weit entfernte Heimat verlassen haben, um hier in einem neuen Job anzufangen, dessen Sprach und Kultur sie nicht kennen. Keine Ahnung, aber wie viele von uns würden überhaupt in eine andere Stadt ziehen geschweige denn ins Ausland gehen…?

So schlimm wird es auch nicht werden. Wir haben nämlich bereits Erfahrung mit anderen Kollegen, die immerhin temporär zu uns gekommen sind.

Irgendwann vergisst man die Unterschiede und beginnt trotz allem z.B. beim Mittagstisch einfach auf Deutsch loszubrabbeln. Die Witze sind doch eindeutig auf Deutsch lustiger und schneller erzählt.

Ich kenne das von zu Hause, wo wir von der türkischen Sprache immer wieder in die Deutsche rutschen. Das passiert, ohne das jemand es von uns merken würde. Nur im Urlaub schauen uns dann die Verwandten oder Freunde aus der Türkei irritiert an statt freundlich zu lächeln.

Aber jetzt mal im Ernst. Diese Internationalisierung ist nur folgerichtig. Wir arbeiten in einem internationalen Projekt, in dem wir ein Template in Deutschland programmieren und weltweit ausrollen.

I wish you a good afternoon!

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