Die lieben Reisekosten und die teuren Taxifahrten

Donnerstag, 12.09.19. Bielefeld.

Die Kälte frisst sich durch meinen dünnen Anzug hindurch und beißt sich wie ein wilder Hund an meinen Knochen fest. Mein Körper fühlt sich an, als würde es heftig mit den Zähnen klappern. Es ist ein schmerzhaftes und seltsames Gefühl, wenn der Körper starr vor Kälte ist und zugleich vor Kälte zittert. Am schlimmsten jedoch ist dieses Ausgeliefertsein und der kurze Kontrollverlust, weil die Kälte dich für einen Moment beherrscht.

Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Abend in München. Es war der gefühlt kälteste Tag in meinem Leben. Meine Beraterkollegen und ich standen in der Dunkelheit bei minus zehn Grad an der Haltestelle. Wir warteten auf den Bus, denn unser Projektleiter war der Meinung, dass eine Taxifahrt zum Hotel zu teuer sei, denn Berater sind teuer und daher drücken Kunden die Preise und daher sinken die Margen und daher sind Berater zu teuer.

Daher sind auch Taxifahrten die Rettung – pardon, die Vermeidung von Taxifahrten! Wer kennt sie nicht, die berühmten Kostenexplosionen in jedem Projekt, weil halt zu viel für Taxifahrten ausgegeben wurde. Sonst wäre das Projekt aus Zeit- und Budgetsicht eine Punktlandung.

An diese dunkle Episode aus meinem Beraterleben musste ich wieder denken als ich von einem Kollegen über ein Unternehmen hörte, dass Taxifahrten auf Reisen gestrichen hatte und nur in Ausnahmefällen erlauben würde. Stattdessen müssten die Mitarbeiter öffentliche Verkehrsmittel nehmen. Das Unternehmen spare Kosten.

Milchmädchenrechnung

Für mich klingt das wie eine einseitige Betrachtung und dürfte bei Projekten im Ausland nicht so einfach zu bewerkstelligen sein. Bei dieser Rechnung werden nämlich nur Fahrtkosten berücksichtigt, aber nicht die Zeitersparnis durch eine Taxifahrt.

Generell sollten Kosten – ebenso für die der Umwelt – so niedrig wie möglich gehalten werden, aber irgendwie habe ich bei Aktionen wie diesen den Eindruck, dass am falschen Ende gespart wird. Man könnte sich genauso fragen, wieso man überhaupt fliegen muss. Oder wieso so häufig. Oder wieso in dieser Mannschaftsgröße. Oder, oder…

Alle für einen – Prügel für alle

Der eigentliche Witz jedoch ist der Grund, den das Unternehmen wohl veranlasst haben soll, zu dieser Maßnahme zu greifen. Ein Mitarbeiter (ich vermute, es war ein Mann) soll wohl, so erzählte es mir der Kollege, mit dem Taxi zum Flughafen Düsseldorf gefahren sein. Eine Fahrt von zwei Stunden. Dann soll er von München aus wieder mit einem Taxi weitergefahren sein – nach Österreich, wieder eine Fahrt von mehreren Stunden.

Wieso ein Mitarbeiter so handelt, verstehe ich nicht (vielleicht hatte der Mitarbeiter einen triftigen Grund?). Jeder vernünftige Mensch würde die Bahn oder einen Mietwagen nehmen.

Was ich auch nicht verstehe: Statt seinen Mitarbeitern diese ökonomische Vernunft zuzutrauen und ggf. durch eine Mitteilung wieder ins Bewusstsein zu rufen, werden die Taxifahrten nur für Ausnahmefälle zugelassen. Man darf also nicht einmal ins Hotel und vom Hotel zum Kunden. Stattdessen muss man mit dem Bus, der U-Bahn oder S-Bahn fahren.

Das hätte man sich sparen können

Was München betrifft: Der Bus kam und ich wurde am nächsten Tag das erste Mal an einem Arbeitstag wirklich krank und konnte einen Tag nicht mehr arbeiten. Normalerweise wird der gute Berater am Wochenende oder im Urlaub krank, wenn das Adrenalin absinkt. So aber lag ich mit Fieber im Bett mit einem Kreuz zu meinen Füßen und dachte unter anderem an die Kosten, die mein Ausfall für einen Tag bedeuteten. Ohne genaue Zahlen zu kennen: Sie sind höher als ein Taxi für jeden einzelnen von uns gewesen wäre.

Aber so ist das mit dem Kostensparen, passt man nicht auf, wird es am Ende teuer (erstaunlicherweise wird es am Ende immer teurer, aber alle tun so, als würden sie es schaffen, ist wie mit dem Elefanten im Raum).

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