Die Frau im Fahrstuhl

Auf dem Display der gesuchten Person leuchtet eine Nachricht auf und ich frage mich, warum die Beamten sie nicht per Handy Ortung versuchen, ausfindig zu machen. Es handelt sich um eine Szene aus der ansonsten gut gemachten Miniserie »Collateral« auf Netflix.

Abends nach der Arbeit auf meinen ausgedehnten Radtouren auf einem Hometrainer fallen mir Fehler dieser Art häufiger auf (dabei meine ich keinen Patzer wie bei Designated Survivor). Ich bin mir nicht sicher, ob das häufige Serien- und Filmeschauen auf Netflix mich zu einem aufmerksameren und kritischeren Zuschauer macht oder, ob es an etwas anderem liegt, wie z.B. an den Büchern, die ich lese.

Ich bin mir nicht sicher, ob das häufige Serien- und Filmeschauen auf Netflix mich zu einem aufmerksameren und kritischeren Zuschauer macht oder, ob es an etwas anderem liegt, wie z.B. an den Büchern, die ich lese.

Das Buch, das mich zu diesem Artikel und der Überschrift inspirierte, stammt von Blake Synder und hat den Titel: »Rette die Katze! Das ultimative Buch übers Drehbuchschreiben« (Amazon Werbelink).

Als ich nach dem Lesen des Buches mich wieder auf mein Trimmrad setzte, schaute ich mir dabei den Film »Die wahren Memoiren eines internationalen Killers« an. Der Trailer machte einen guten Eindruck und Kevin James fand ich schon immer sympathisch (manchmal sogar lustig).

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Den Film fand ich, wie sollte es auch anders bei dieser Art von Filmen sein, unterhaltsam. Leider blieb er unter meinen Erwartungen, die der Film selbst weckte.

Zum einen erlebt man als Zuschauer Eigenschaften von Kevin James, die zeigen, dass er tatsächlich das Potential hat, ein harter Hund mit Kämpfer-Skills zu sein. Die Moves im Zweikampf, die Kevin James dabei ausführte, überraschten und überzeugten mich. Jedoch erlebt der Zuschauer das nur in der Phantasie der Hauptfigur mit.

Ich wartete daher die gesamte Zeit, dass diese Phantasievorstellung in der Realität umgesetzt wird. Ich hätte es glaubwürdig gefunden. Das passiert allerdings sehr, sehr spät, und nicht allmählich und so unbeholfen und überhastet, dass ich es bescheuert fand.

Eine weitere Erwartung von mir wurde enttäuscht. Es handelt sich um die Frau im Fahrstuhl. Diese Frau taucht nur am Anfang mehrfach auf.

Zum ersten Mal in seinen Memoiren, wo er sie rettet. Dann begegnet er ihr real im Fahrstuhl, wo sie ihn nicht beachtet. Ein letztes Mal sehen sie sich wieder im Fahrstuhl, wo sie ihn anspricht, weil seine Memoiren veröffentlicht wurden und er sie durch seine Antwort aus dem Fahrstuhl flüchten lässt.

Daher dachte ich – trotz ihrer Flucht –, zum Ende des Films, da Kevin James ein richtiger Held wird, taucht diese Frau wieder auf und wir erleben ein romantisches Happy End.

Doch das passiert nicht. Ist diese Frau im Fahrstuhl unrettbar stecken geblieben? Oder haben sie sie die Drehbuchautoren einfach vergessen? Oder einfach wegen Zeitmangel weggeschnitten…

Was bedeutet »Die Frau im Fahrstuhl«

Solche Kleinigkeiten führen bei mir zu einem »Moment Mal!« Moment, der mich aus dem Film herausreißt.

Die Frau im Fahrstuhl steht für mich für etwas, das eingeführt wird und mehr Bedeutung erlangt, als ihr zusteht oder auch umgekehrt, weniger Bedeutung bekommt, als ihr zustehen sollte. Dabei wird also die Aufmerksamkeit des Zuschauers fehlgeleitetet oder gar verschwendet, weil falsche Erwartungen geweckt werden.

Bei »Collateral« hingegen werden am Ende alle Personen nochmals kurz gezeigt, auch die, die ich längst vergessen hatte. Ich glaube, in umgekehrter Reihenfolge. Eine Art gelungener Bogen zum Anfang der Serie. Der Zuschauer, der hineingeführt wurde, wird wieder in seine Realität zurückgeführt.

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