Mein Wecker kennt keine Feiertage

„Früher“, werden die Maschinen eines Tages sagen, „gab es Menschen. Aber wofür wir sie gebraucht haben, wissen wir heute nicht mehr.“
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Donnerstag, 03.10.19. Bielefeld.

Die Technologie ist so weit fortgeschritten, dass ich ihr manchmal nicht folgen kann. Technisch ist bekannt alles möglich, aber anscheinend gehen die banalsten Dinge dennoch nicht.

Heute ist nämlich ein Feiertag.

Endlich ausschlafen, dachte ich gestern noch, aber vergaß etwas Wichtiges: den Wecker auf meinem nicht so smarten Phone. Der weckte mich heute Morgen pünktlich um 6 Uhr auf und ich bin sofort wach, weil ich sauer bin auf die dämliche App, die sich Wecker nennt. Wieso eigentlich kennt der Wecker keine Feiertage?!

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Was geht im Kopf eines Programmierers vor, wenn er Coding von anderen liest?

Mittwoch, 02.10.19. Gütersloh.

Junge Kollegin mit charmantem Lächeln. Um den Hals ein Schal, der mehr modisch wirkt als dem milden Herbst geschuldet zu sein.

„Als Kind“, sagt sie mir, während sich langsam ein Lächeln auf ihrem Mund abzeichnet, „hast du bestimmt einen Steckwürfel gehabt, bei dem du die Förmchen in die passenden Öffnungen gesteckt hast.“

Jetzt lächelt sie frech, als freue sie sich über ihren Einfall mit dem Babyspielzeug oder – wir Männer sind ja schlecht in Gesichter lesen – sie stellt sich Baby Hakan beim Spielen vor. Ach, wie süß!

Eigentlich arbeite ich gern mit ihr, denn normalerweise ist sie nett, aber heute zeigt sie eine neue Seite an sich. Und vielleicht freut sie sich gerade darüber. Menschen finden es ja bekanntlich toll, wenn sie andere (noch) überraschen können. Warum auch nicht.

Es herrscht eine provokant kurze Pause, bei dem die Blicke standhalten und in der sich ihr Lächeln zu dehnen versucht, aber sie subtil gegensteuert. Gleichzeitig senkt sich ihr Kopf in Zeitlupe nur wenige Millimeter in den Schal.

Ich lächle zurück.

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How to become international

Dienstag, 01.10.19. Gütersloh.

Wenn der Morgen den Tag macht, dann bin ich echt am Arsch!

Auf dem Display leuchtet heute Nacht eine drei auf, als ich wachgeworden darauf schaue. Von da an suche ich den Schlaf, aber der behandelt mich wie einen Ausgestoßenen, um mich kurz vor dem Wecker doch noch ins gelobte Land hineinzulassen.

Ich fahre wie ein Besoffener, also mit halbem Hirn, zur Arbeit. Das System da oben fährt morgens nicht richtig hoch bzw. fahren Teile meines Hirns in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ihre Aktivitäten hoch. Alle so langsam wie möglich, als wetteiferten sie miteinander um das langsamste Tempo. Mit diesem Kopf, der vorzüglich ein paar ausgekotzte Wortbrocken mit lallender Sprache zu drapieren weiß, muss ich heute auch noch englisch sprechen, denn ab heute heißt es bei uns in der Abteilung »in english, please!«

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Eine echte Überraschung in der Müller Geschenkekiste

Samstag, 13.09.19. Bielefeld.

Ich bin bei Müller in der ersten Etage hinten und stehe vor einem Regal, in dem sich fein sortierte Plastikkisten aneinanderreihen. Eine beeindruckende Ansammlung durchsichtiger Boxen, durch denen die bunten Geschenke verspielt durchscheinen und teilweise oben herausragen. Eines dieser Boxen hütet ausgewählte Überraschungen für mein Patenkind.

Über diese Boxen bin ich wirklich froh, denn ich weiß nie, was ich jemandem zum Geburtstag schenken soll. Ja, ich kann nicht einmal sagen, was ich selbst gerne geschenkt haben möchte.

Ich suche also ihre Box und finde zwei – und schon meldet sich ein sorgenvoller Gedanke in meinem Kopf: Was wäre, wenn ich die falsche Box erwische? Manchmal bin ich so ungeschickt im Kopf, dass ich mir eine Leistung dieser Art durchaus zutraue.

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Die lieben Reisekosten und die teuren Taxifahrten

Donnerstag, 12.09.19. Bielefeld.

Die Kälte frisst sich durch meinen dünnen Anzug hindurch und beißt sich wie ein wilder Hund an meinen Knochen fest. Mein Körper fühlt sich an, als würde es heftig mit den Zähnen klappern. Es ist ein schmerzhaftes und seltsames Gefühl, wenn der Körper starr vor Kälte ist und zugleich vor Kälte zittert. Am schlimmsten jedoch ist dieses Ausgeliefertsein und der kurze Kontrollverlust, weil die Kälte dich für einen Moment beherrscht.

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