Das Chaos, die Verzweiflung und der annullierte Flug

Freitag, 12.07.19 Frankfurt.

Würde mir jemand diese Geschichte so erzählen, würde ich »Blödsinn!« rufen und denjenigen für einen totalen Versager halten, weil derjenige in einem deutschen Flughafen nicht zurechtkommt. Ich meine, hey, hier ist doch alles super organisiert.

Aber so ist das, wenn du etwas selbst erlebst und in deinem Leben an diesen Punkt gelangst, für den du eigentlich zu cool arrogant bist und dort gerne einfach jemanden anbrüllen möchtest, aber du völlig ausgehebelt wirst, weil du niemanden findest, der dafür zuständig ist.

Jetzt bin ich an diesem Punkt und so wütend und vielleicht auch verzweifelt. Ich will einen klaren Gedanken fassen, alles andere ergibt keinen Sinn bzw. ändert nichts an meiner aktuellen Situation. Es kostet mich jedoch Kraft, meine Gedanken auf den nächsten, sinnvollen Schritt zu konzentrieren. Sie wollen gleichzeitig in verschiedene Richtungen ausschlagen. Allesamt in eine unangenehme.

Wie fragil meine selbsterschaffene Welt doch ist und wie dünnhäutig sie sein kann. Als mein Hinflug nach Salzburg nervenaufreibend verlief, rechnete ich zumindest mit einem angenehmeren Rückflug.

Pustekuchen! Wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, dann belehrt irgendjemand – wer immer das auch ist, zeige sich! – einen eines Besseren.

Ich stehe inmitten trostloser Massen von wütenden und verzweifelten Reisenden, die sich zu hunderten vor den Informationsschaltern der Lufthansa im Frankfurter Flughafen erbrechen. Dahinter professionelle Gesichter in adretter Uniform. Dazwischen Schalter, die wirken wie unüberwindliche Barrieren und nur Zeit fressen statt zu helfen.

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Workshop

Mittwoch bis Donnerstag, 10. – 11.07.19. Salzburg (Österreich).

Es muss zwischen Kindergarten und Grundschule gewesen sein, so genau erinnere ich mich nicht, als mich ein Erwachsener fragte, wohin ich in den bevorstehenden Ferien reisen würde.

Ich sagte etwas wie »Aust, Austrrr, Austrrrahhhiii…«. Ich erinnerte mich nur vage an das, was meine Eltern gesagt hatten. Ich kannte das Land nicht.

»Australien?«

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Agile Flugbuchung nach Salzburg

Dienstag, 09.07.19. Düsseldorf Flughafen.

Gerade noch gut gegangen. Aber es war knapp. Zu knapp. So knapp, dass es mich bis hierher Nerven und vor allem Schweiß gekostet hat. Ich sitze jetzt am Düsseldorfer Flughafen Stunden früher als geplant und alleine ohne die Kollegen.

Als ich mein Smartphone wieder einschalte, trudeln mehrere WhatsApp Nachrichten ein. In einer fragt mich mein Arbeitskollege R., ob ich bereits Düsseldorf erreicht hätte. Losgeschickt hat er sie um 13:19 Uhr. Das ist jetzt knapp eine Stunde her.

Was soll ich ihm antworten? Dass ich ziemlich angepisst bin? Wie knapp das alles war? Dass ich mich nicht auf andere verlassen hätte sollen, als sie für mich die Firmenreise nach Österreich zu unserem Kunden gebucht hatten bzw. meinten, es organisiert, also delegiert, zu haben?!

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Nackt vor dem Spiegel

Montag, 20.02.2017. Bielefeld.

Eine Warnung vorweg: Es wird nicht erotisch!

Vor dem Duschen bin ich nackt. Das lässt sich nicht vermeiden. Und da ich nackt bin und einen Spiegel im Bad habe, riskiere ich auch mal einen Blick auf mich. Eigentlich kein Drama, das tue ich häufiger, aber das Volumen, das mein Bauch gerade einnimmt, beeindruckt mich gewaltig. Leider steht mir dieser Bauch nicht, und er fühlt sich auch noch wie tote Masse an, die ich vor mir hertrage. Die meisten sehen ihn nicht (hoffe ich doch!). Nur wenn ich sitze, kontrahiert er sich wahrnehmbar wie ein Bizeps zu einer kleinen festen Kugel, die bei meinen Hemden die unteren Knöpfe unter Spannung setzt.

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Bedient

Mittwoch, 19.06.19. Bielefeld.

Dicke Wolken über der Alcina-Uhr in Bielefeld
Dicke Wolken über der Alcina-Uhr in Bielefeld

Der Regen ist schuld!

Hätten sich nicht über uns spontan dunkle Wolken zu einem Donnerwetter zusammengebraut und ein paar dicke Tropfen herausgepresst, säßen wir jetzt draußen. Doch so stehen Martin, Deniz und ich im einem übervollen Bernstein auf der Suche nach einem Sitzplatz. Kurz vor dem Genervtsein und des wieder Weggehen-Wollens wird ein Tisch für zwei frei. Also quetschen wir uns dort hin.

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