Der heimliche Traum von einer Badewanne

Dienstag, 23.06.20. Bielefeld.

An die schönen Dinge, sagte ich einmal einer Ex, gewöhnt man sich schnell und fühlte mich wie ein unentdeckter Poet. Das war als Kompliment gedacht und zugleich eine Warnung. Denn hat man sich an etwas gewöhnt, dann taucht es allmählich aber sicher in die Welt des Selbstverständlichen hinab und man schätzt es nicht mehr, was zum Ausgleich ungewollte Konflikte zutage fördert.

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Total Recall für Muskeln

Montag, 11.05.20. Bielefeld.

Muskeln haben ein Gedächtnis und beweisen somit mehr Intelligenz als einige ihrer Träger. Das nennt sich Memory Effekt. Dieses Muskelgedächtnis verhilft dem regelmäßig Trainierenden nach einer längeren Pause wieder schnell zu seiner alten Muskelform.

Die jüngere Version von mir erinnert sich daran. Und jetzt hat dieses Muskelgedächtnis leider Gedächtnisschwund in allen Muskelpartien (und liegt damit auf einer Welle mit dem, was sich mein Kopf alles nicht mehr merken kann). Das Timing hätte nicht besser sein können, jetzt, wo das Fitness-Studio endlich wieder geöffnet hat!

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Leben ohne Dusche

»Wenn sie keine Dusche haben,
dann sollen sie doch baden gehen!«
Marie A.

Mittwoch, 06.05.20. Bielefeld.

Da, wo sich gestern noch mein Bad befand, schwebt verloren wie der Thron eines gefallenen Königs die Kloschlüssel über aufgerissenem Boden. Heute wurde mein Bad wegen des Wasserschadens demontiert und mit ihr ging meine Dusche. Ab heute kann ich mich mindestens für vier Wochen nicht mehr zu Hause waschen. Ohne die funktionierende Kloschlüssel wäre meine Wohnung nicht mehr bewohnbar. Immerhin etwas.

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Abrechnungstag oder Was am Ende des Monats übrigblieb

Montag, 04.05.20. Bielefeld.

Wie jede:r Kollege:in fragte ich mich, wie viel ich am Ende mit Kurzarbeit verdienen werde. Die Antwort habe ich jetzt einen Monat später bekommen und es ist… überraschend.

***

Irgendwann, sagte ich mir, werde ich kürzertreten. Was keine Anspielung auf meine Beinlänge ist, die für meinen Geschmack zu kurz und zu dünn sind, sondern es betrifft die Arbeit. Also weniger arbeiten. Das Pendel schlug allzu oft zugunsten der Arbeit aus. Schwang aber kaum zurück. Also die Work-Life-Balance in Richtung Life kippen, weg von der Arbeit, hin zu mehr Leben – wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich zu wenig Leben hatte (habe?) wegen der Arbeit oder mehr Arbeit, weil es in meinem Leben zu wenig Leben gab und ich es mit Arbeit ausfüllte (oder noch ausfülle…?).

Natürlich habe ich keine Antworten auf meine weltbewegenden Fragen, aber ich konnte im letzten Monat herausfinden, wie es sich anfühlt, weniger zu arbeiten: 6 Tage frei für den Abbau von Überstunden, 5 Tage Kurzarbeit und 2 Feiertage. Für einem Monat mit 20 Arbeitstagen bedeutet dies, arbeiten an nur 9 Tagen im Home Office.

Die Rechnung dafür traf heute in meinem Briefkasten in Form meiner Gehaltsabrechnung für April ein. Kurzarbeit bedeutet ja in meinem Fall, 80% vom Gehalt für die Tage mit Kurzarbeit. Daher bin ich gespannt, wie stark sich die Gehaltsreduktion auf mein monatliches Einkommen auswirkt.

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Auf meinen Charakter reduziert

Donnerstag, 30.04.20. Bielefeld.

Elf Tage ist es her, da nahm ich mir vor, diesen Monat meine 200km zu laufen. Und heute, am letzten Tag dieses Monats, habe ich es tatsächlich geschafft (ich drück mich)!

Um genau zu sein, es sind 202.5 km an insgesamt 24 Tagen mit durchschnittlichem Tempo von 06:29 min/km. Das ist fast 30 Sekunden langsamer als meine Durchschnittszeit im letzten Monat. Das ist halt der Preis.

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