Nackt vor dem Spiegel

Montag, 20.02.2017. Bielefeld.

Eine Warnung vorweg: Es wird nicht erotisch!

Vor dem Duschen bin ich nackt. Das lässt sich nicht vermeiden. Und da ich nackt bin und einen Spiegel im Bad habe, riskiere ich auch mal einen Blick auf mich. Eigentlich kein Drama, das tue ich häufiger, aber das Volumen, das mein Bauch gerade einnimmt, beeindruckt mich gewaltig. Leider steht mir dieser Bauch nicht, und er fühlt sich auch noch wie tote Masse an, die ich vor mir hertrage. Die meisten sehen ihn nicht (hoffe ich doch!). Nur wenn ich sitze, kontrahiert er sich wahrnehmbar wie ein Bizeps zu einer kleinen festen Kugel, die bei meinen Hemden die unteren Knöpfe unter Spannung setzt.

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Bedient

Mittwoch, 19.06.19. Bielefeld.

Dicke Wolken über der Alcina-Uhr in Bielefeld
Dicke Wolken über der Alcina-Uhr in Bielefeld

Der Regen ist schuld!

Hätten sich nicht über uns spontan dunkle Wolken zu einem Donnerwetter zusammengebraut und ein paar dicke Tropfen herausgepresst, säßen wir jetzt draußen. Doch so stehen Martin, Deniz und ich im einem übervollen Bernstein auf der Suche nach einem Sitzplatz. Kurz vor dem Genervtsein und des wieder Weggehen-Wollens wird ein Tisch für zwei frei. Also quetschen wir uns dort hin.

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Das Leben frisst große Stücke

»Und wenn der Mann neben ihr kein Mann war, den sie sich früher ausgesucht hätte, was machte das schon?
Er hätte sie sich ja bestimmt auch nicht ausgesucht. Aber hier waren sie nun, und Olive musste an zwei zusammengeklappte Scheiben Schweizerkäse denken, solche Löcher brachten sie beide zu dieser Vereinigung mit – solche Stücke fraß das Leben aus einem heraus.«

Aus Elizabeth Strout: »Mit Blick aufs Meer« (Amazon Werbelink)

Ein Text ohne Sinn

»Ich ging in einen Buchladen, um ein Buch zu kaufen und kam mit sechs Büchern heraus.
Jetzt weiß ich, wie Frauen sich in Schuhläden fühlen…«
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Sonntag, 16.06.19. Bielefeld. Gedämpfte Hitze. Die Sonne versucht, hinter den Wolken durchzubrechen und scheitert am Morgen an der zu dicken Wolkendecke. Es ist stickig und ich ein wenig stinkig.

Ohne Scheiß, ich sitze jeden Abend vor dem aufgeklappten Display meines Notebooks, der nach Texten hungert, aber dann passiert häufig – nichts; oder, wenn doch, dann kommt häufig ein Scheißtext dabei heraus.

Natürlich sollte ich meinen Text nicht mit einem Satz beginnen, in dem das Wort »Scheiße« gleich zwei Mal (und hiermit ein drittes Mal) auftaucht, denn wer liest so einen Text? Klingt doch wie die Einladung auf eine Party, die der Partygeber selbst für miserabel hält (warum schmeißt er dann überhaupt Partys?).

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Ans Bett gefesselt

Mittwoch, 12.06.19. Bielefeld.

Ich werde alt – ach, wem mache ich etwas vor: Ich bin alt! Seit gestern Morgen ist es jetzt offiziell. Es geschah im Bett, dem Ort, wo die Nacht, mein Schlaf und ich aufeinandertreffen. Wir drei waren noch nie wirklich Freunde, deshalb fühle ich mich häufig nach dem Aufwachen so, als wäre eine Horde wildgewordener Affen boxend durch mein Gesicht getrampelt und hätte eine kaputte Landschaft hinterlassen.

Dann stehe auf wie ein Untoter und ich weiß nie, ob die Dielen unter mir krächzen oder ich unter meinem Körper. Doch als ich gestern mich im Bett aufrichtete, um aufzustehen, schossen hunderte kleiner heißer Nadeln in den unteren und mittleren Bereich meines Rückens.

Ein lautes »Woooohau!« und eine gehörige Portion Adrenalin hätten mich fast aus dem Bett katapultiert, so plötzlich und stark kam der Schmerz. Der Schmerz bremste mich jedoch abrupt ab und die Schwerkraft zog mich hinab. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich nicht in der Lage, mich weiter aufzurichten und drohte, wieder zurück ins Bett zu fallen.

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