Meine festgefahrene Welt oder Warum Linksdrehen in einer rechtsdrehenden Welt hilft

Das ist so im Leben. Am Anfang ist man noch neugierig und offen für alles, aber mit – sagen wir – zunehmender Lebenserfahrung: festgefahren. Ist wie mit einer Schraube, die sich mit der Zeit tiefer und fester in die Wand frisst und am Ende nicht mehr herausgedreht werden kann (im Gegensatz zu einer lockeren Schraube).
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Frau mit übergroßem Schal im Schritt

Für den Hintern gibt es den Pulli und für den Oberkörper den Schal – Kleidungsstücke zur Abdeckung bzw. Ablenkung vermeintlich ungünstiger Körperstellen. Obwohl ich mir bei einigen Schals nicht sicher bin, ob sich dahinter nicht weit mehr versteckt. Ich glaube, überdimensionierte Schals haben Zugang zu einer anderen Galaxie, weil darin Teile oder ganze Frauen verloren gehen und nach Jahren wieder auftauchen. Zugegeben, diese Schals sehen sehr warm und kuschelig aus, deshalb muss ich sie nicht um meinem Hals tragen, aber als Sofadecke schätze ich sie sehr (als Mann sind mir Fashion Must-haves ein Rätsel, die nicht gelöst werden müssen). Eine mir unbekannte und sehr dezente, weil kaum auffällige, Variante beim Tragen dieses besonderen Schals lernte ich diese Woche beim Essen kennen. Ich hätte die Dame gerne gefragt, ob das ihr eigenwilliger Stil ist oder lediglich purer Zufall.
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Essen im Übermaß oder Verfressene Weihnachten

Nach der Hektik der Vorweihnachtstage kehrt ein wenig Ruhe ein. An den besinnlichen Tagen, wenn die Menschen gemeinsam um den Weihnachtsbaum oder beim Essen sitzen, scheint sich die Welt langsamer und leiser zu drehen.

Als Kind mochte ich diese besondere Atmosphäre mit ihren funkelnden Lichtern in einer winterlichen Landschaft, in der sich Zimt mit frisch gebackenen Keksen vermischte, während im Fernsehen Klassiker liefen, zumeist schwarzweiß (vor allem Miss Marple). Meine Eltern stellten keinen Weihnachtsbaum auf oder feierten Weihnachten, doch um uns Kindern eine Freude zu machen, bekamen wir Geschenke. Noch heute respektiere ich diese Tradition und nehme gerne Geschenke an!

Weihnachten feiere ich heute nicht mehr aktiv. Es ist vielmehr ein heiteres Rauschen im Hintergrund wie angenehme Fahrstuhlmusik, das mich über die Tage begleitet und gute Laune verbreitet (solange nicht das zulässige Maximalgewicht annähernd erreicht oder gar überschritten wird). Über Geschenke freue ich mich immer noch. Nur als Erwachsener werde ich mehr und mehr zum (Ver-)Schenker als Beschenkten. Eine weitere merkwürdige Verschiebung findet satt: An die Stelle von Geschenken tritt übermäßiges Essen – oder kommt mir das nur so vor? Ich war auf jeden Fall dabei.
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Die Geister, die ich rief

Ein grau gesprenkelter Schleier bedeckt den Himmel. Dahinter verbirgt sich grenzenlose Müdigkeit. Meine Gelenke stöhnen wie die Holzdielen unter meinem Körper. Ich wohne in einem alten Haus. Eigentlich könnte ich wieder zum Sport gehen, denke ich mir. Der Boden gibt ein wenig nach und aus den Ritzen stürmen ächzende Gedanken heraus und drängen in meinen Kopf. Dort ist es zu voll. Du wirst kein Parkplatz finden. Keine freien Geräte, um anständig zu trainieren. Neben dem dichten Gedränge an den begehrten Geräten darfst du dann den beißenden Geruch von Schweiß aus fremden Axeln einatmen. Und dann, wenn du fertig bist und nach Hause fährst, ist auch dein Parkplatz weg. “Die Geister, die ich rief” weiterlesen