Buch: Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe

»Ich arbeite gerne in der Notaufnahme – jedenfalls lernt man dort Männer kennen.«

Als ich den Einstiegssatz las, musste ich sofort lachen. Es stammt von der Geschichte »Mein Jockey« aus Lucia Berlins Buch »Was ich sonst noch verpasst habe« (Amazon Werbelink). Ich fand ihn aktuell, bissig, vielleicht sogar sarkastisch. Zudem steckte in ihm der Charme, mit den Gegebenheiten des Lebens pragmatisch und humorvoll umzugehen. Und vielleicht versteckte sich noch etwas Verzweiflung zwischen den Worten. In allem war der Satz geistreich, ehrlich und direkt, ohne Allüren. Er hätte sich auf Twitter bestimmt großartig gemacht.

Mein Lachen hatte mich kurzweilig vom Text ablenkt, aber es reichte, um in mir das Gefühl zu wecken, das in dem Satz etwas viel Tiefergehendes, Grundlegendes steckt. „Buch: Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe“ weiterlesen

Wie halte ich zahlungswillige Kunden vom Billigen ab

Ein ungewohnt großflächiges Weiß umhüllte die Verpackung. Fast schon gähnende Leere. Da fehlte etwas! Wo bei anderen Nahrungsmitteln der Konsument mit appetitlichen Bildern zum Kauf gelockt werden sollte, erschien dieses Produkt trocken und unscheinbar, als wollte es sich davonstehlen oder sich dem Blick (oder dem Geschmack?) des Betrachters entziehen.

Lass die Finger davon!, hörte ich eine Stimme in meinem Kopf rufen. Ich hatte immer eine gewisse Abneigung gegen »Billig«-Produkte, und zusammen mit dieser Art von Verpackung wirkte das Produkt dann abweisend auf mich.

Woher sie kam, weiß ich nicht so genau. Vielleicht bin ich zu markenbewusst oder einfach nur oberflächlich. An eins aber erinnere ich mich genau, denn jedes Mal, wenn ich beim real,- einkaufen war und eins ihrer günstigen Produkte in der Hand hielt, fragte ich mich, warum sie bei der Verpackung sparten und nicht für ein besseres Design sorgten.

So schwer konnte das nicht sein, oder? Und mit einer ansprechenderen Verpackung würden die Supermärkte mehr von den »billigen« Produkten verkaufen (zumindest bei ihren eigenen Marken). Aber genau das wollen die Supermärkte nicht.
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Dich entschlüsseln

Deine Nachricht öffnen. Wieder.

Lesen und leise verzweifeln.

Und das Smartphone verärgert wieder weglegen.

Und es trotzdem nicht loslassen können.

Dann wieder danach greifen, als würde es mich hinüber zu dir retten.

Wieder deine Nachricht öffnen und im hellen Schein des Displays die Worte eingehend studieren.

Zwischen deinen Textzeilen die eigenen Wünsche und Hoffnungen hineinlesen (und die Angst auslassen).

Das Smartphone wieder weglegen, aber diesmal energisch, als wollte ich dem Smartphone etwas beweisen.

Und wieder deinen Text lesen und den Worten eine neue Wendung geben (nein, das passt auch nicht).

Das Gerät weglegen, um sofort wieder danach zu greifen, als hielte es mein Herz am Leben (und doch bringst du es aus dem Takt).

Ich lese wieder deine Nachricht – eigentlich kann ich sie schon auswendig, und doch schwebt auf dem Display die vage Hoffnung, dass sich hinter deinem Text eine verborgene Botschaft verbirgt (für mich). Es ist, als enthielten die leuchtenden Buchstaben deiner Worte den Schlüssel zu einem geheimen Code, der sich unbewusst in deinen Text hineingeschlichen hat und dich entschlüsselt. Doch du bleibst mir ein Rätsel.

Das Display geht aus.

Doch ich schaue immer noch auf die Stelle, wo das Licht einst war, während die Worte auf meiner Netzhaut nachleuchten. Und dann wird es dunkel. Ich starre in die Dunkelheit. Dort lauert etwas… Als plötzlich das Display mit seinem Aufleuchten und Vibrieren mich aufschrecken lässt – eine Nachricht von dir.
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