Ruhetag.

Sonntag, 21.04.19. Bielefeld.

Die Nacht war laut. Es ist keine gute Idee, das Schlafzimmer auf die Straßenseite zu legen. Ein Konstruktionsfehler, der gleich mit johlenden Leuten bestraft wird. Im Halbschlaf nahm ich alberne Rufe von Männern und Frauen war. Ein Paar unterhielt sich sogar direkt vor meinem Fenster, glaube ich, denn es klang so, als stünden sie direkt in meinem Schlafzimmer. Ich befand mich im Halbschlaf und erinnere mich, wie ich versuchte zu verstehen, worüber sie sich stritten. Auch wenn ich sie deutlich verstanden hätte, als ich heute Morgen aufwachte, schafften ihre Worte es nicht in den Tag. Nur eine Erinnerung an Menschen, die zu laut redeten.

Etwas zerknittert überlege ich, den Tag dennoch gut zu starten. Ein gutes Training wird mir dabei helfen. Also mache ich mich gegen 10 Uhr auf den Weg zum Fitness durch sonnendurchflutete Straßen, auf denen kaum jemand fährt. Die Ruhe und die Klarheit des Morgens, das ist schön.

Und mein Training verläuft wirklich gut! Seitdem ich wieder 1 – 2x die Woche zum Fitness gehe, fühle ich diesen Kick und schaffe bessere Ausführungen mit mehr Gewichten. Nach beachtlichen eineinhalb Stunden fahre ich ausgepowert nach Hause. Genug Zeit, ein wenig meine aktuelle Serie auf Netflix zu schauen: »Good Wife«.

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Der Überlebenskünstler

Dienstag, 16.04.19. Bielefeld.

Strahlende Sonne. Das macht es mir einfach, mit der Arbeit viel zu früh aufzuhören und nach Hause zu fahren. Ich habe nicht mehr viel zu tun. Wieder. Aussicht auf Besserung gibt es in absehbar kurzer Zeit nicht.

Die Integration zwischen Genesys und dem Interaction Center des SAP CRMs für die Kanäle Email und Chat konnte ich gemeinsam lösen, quasi in einem Rutsch, obwohl es zwei verschiedene Arbeitspakete mit eigenem Aufwand sind – ich bin also wieder »Opfer meines Erfolgs« und der dünnen Auftragslage beim Kunden.

Amüsanterweise sprachen gestern noch mein Vorgesetzter, unser Vertrieb und ich über die schwierige, stabile Planbarkeit von Projekten bei eben diesem Kunden. Ich hörte in dem Gespräch auch, dass unser Kunde Bedarf an einer kleinen Mannschaft externer Berater in einigen Monaten angemeldet hätte. Dabei betonten mein Chef und unser Vertrieb, dass sie Allrounder (jemand, der fachlich und technisch nahezu alles weiß und kann und sogar die Anforderung implementiert, wenn es sein muss) wie mich bräuchten, der auch aktiv auf den Kunden zugeht und in Leerlaufphasen sich Aufgaben verschafft, wenn es nicht viel zu tun gibt.

Jetzt auf jeden Fall bin ich zu Hause. Zu einer Uhrzeit in der Woche, an dem ich normalerweise arbeite. Man denkt ja, die Welt um einen sieht zu jeder Uhrzeit gleich aus, bis auf die Helligkeit. Aber dann entdecke ich jemanden bei uns an den Mülltonnen. Aus meinen Fenstern im Wohnzimmer habe ich Sicht zum Innenhof und Garten.

Auf den ersten Blick sieht er mit seiner etwas schlabbrigen Kleidung und den Handschuhen wie jemand aus, der am Haus etwas macht und gerade den Müll sorgfältig entsorgt. Mein Vermieter ist handwerklich begabt und werkelt ständig irgendwo an einem seiner Häuser herum und engagiert gelegentlich auch Handwerker. Oder ist er ein Mieter?

Ich muss zugeben, ich könnte nicht genau sagen, wer alles meine Nachbarn sind. Aber er sieht nicht aus, als würde er hier wohnen. Egal. Ich hätte diesen Mann da draußen auch längst vergessen, wenn er nicht nach fünf Minuten immer noch an dem einen Mülleimer stehen würde und statt Müll hineinzutun, den Müll herausnehmen würde.

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Wieder ein Paar beim Fitness

Sonntag, 14.04.19. Bielefeld.

Ich weiß nicht, ob es an meinem gestrigen Artikel über Paare beim Fitness liegt oder der Art, wie sich der junge, schlaksige Kerl dem Nebenraum beim Fitness annähert. Zaghaft wie ein scheues Reh, das bereit ist, sofort die Flucht zu ergreifen, blickt er in diesen Raum hinein, das vorwiegend für das Training der Beine benutzt wird. Squats bis zum Erbrechen.

Ich hingegen bin an der Flachbank und rudere gerade mit den Armen in der Luft durch den Raum. Aufwärmen fürs Brusttraining. Dann sehe ich, wie er erfreut jemanden entdeckt und einen Moment zögert, bevor er losgeht.

Obwohl ich wieder keine Brille trage, nehme ich zu viel wahr – oder bilde es mir ein. Eine junge Frau hält eine mit großen Gewichten bestückte Langhantel vor sich und macht Kreuzheben. Auf sie geht er zu.

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Die Verwandlung der attraktiven Frau in drei Sätzen

Freitag, 05.04.19. Bielefeld.

Trippel, trippel, trippel.

Es ist nicht leicht, andere zu ignorieren. Beim Training kann ich zumindest meine Brille im Spint wegschließen und schon verblassen alle anderen zu verschwommen Gestalten. Es ist wie ein Filter für meine Augen, der die Welt ein wenig dämpft und ich unter Leuten ein bisschen für mich alleine sein kann.

Vielleicht genau wegen dieses unscharfen Filters fallen mir Dinge auf, die bei höherer Auflösung im Detail untergehen würden, weil mich das Äußere wie bei dieser attraktiven Blondine ablenken würde.  Erstaunlicherweise kann man anhand der Silhouette, der Haltung und am Gang erkennen, ob eine Frau attraktiv ist bzw. sich für attraktiv hält.

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