Das Schlimmste wäre…

…, sagt er, wenn sie mir nicht zurückschreibt.

Wirklich, frage ich und muss darüber nachdenken. Irgendwie erscheint es mir nicht schlimm genug.

Am Samstag lernte er in der Disco eine – wie er sagt – umwerfende Frau kennen. Jetzt sitzen wir hier im Café draußen und genießen die Sonne. Um genauer zu sein, ich erfreue mich an den warmen Sonnenstrahlen und dem klaren Himmel, während er seine schützende Hand über sein Smartphone hält und auf das Display starrt, um den Moment nicht zu verpassen, an dem sie seine Nachricht liest. WhatsApp ist schon toll!

Ist das wirklich das Schlimmste, was du dir vorstellen kannst?

Ja, sagt er, ohne auch eine Sekunde darüber nachzudenken. Zwei grüne Balken, die kein Paar sind und ihr Grün der Anfang einer unschönen Reise markieren kann.

Was wäre, sage ich, wenn sie dir schreibt, dass sie sich nicht an dich erinnert? Wenn sie dich einfach vergessen hat?

Er blickt hoch.

Der Muslim und die vegane Schinkenwurst

Heute Morgen wieder das Brot mit einem Fluch belegen. Darunter Halbfettmargarine mit einer Schicht Philadelphia darüber, auf dem sich gemütlich ganz junger Gouda niederbettet.

Natürlich fehlt da etwas. Ei oder Fleisch. Ei habe ich nicht, auf Fleisch verzichte ich, so oft es geht.

Also habe ich mir vegane Schinkenwurst gekauft. Fand ich irgendwie witzig, denn meine Religiosität beschränkt sich darauf, kein Schweinefleisch zu essen*. Das ist wirklich das wenige, woran ich mich halte. Meine Mutter betet auch immer für mich, und ich hoffe, es hilft, auch wenn ich nicht ans Jenseits glaube (nicht in der Form, wie wir es uns vorstellen). Also, falls mich jemand fragt, ob ich Schweinefleisch esse, werde ich ab sofort sagen können: nur Veganes! „Der Muslim und die vegane Schinkenwurst“ weiterlesen

Es stinkt zum Himmel

Bielefeld heute. Die Heizung blubbert dem Sommer ein Abschiedslied. Es klingt schief und schaurig, fast wie ein erstickter Hilferuf. Irgendwo verschwindet der Sommer still und leise mit einem wehmütigen »Ihr könnt mich mal!« auf den Lippen. Doch niemand hört es.

Heute Morgen fehlt mir die Muse zu irgendetwas. Die Nacht und ich werden keine Freunde. Ich gehe zum Auto. Gestern hatte ich es weiß und sauber abgestellt. In der Nacht jedoch, unter den hohen Bäumen, scheint es das Ziel von Vögeln mit nervösem Magen geworden zu sein. Monotone Kleckse in gebrochenem Weiß und schmutzigem Grau. „Es stinkt zum Himmel“ weiterlesen

Reine Kopfsache oder eine haarige Angelegenheit

Bielefeld. Heute Morgen. Annäherungsversuch im Bett. Die Nacht hat sich zärtlich durch meine Haare gewühlt und mir einen verwegenen Look verpasst.

BedStyle - Haare vom Bett gemacht
BedStyle – Haare vom Bett gemacht

Ich war also bereit für dieses »draußen«, von der alle Welt spricht. Das kam mir sehr entgegen, denn ich musste zum Arzt, Blutabnahme. Und dort warteten gleich zwei Überraschungen auf mich. „Reine Kopfsache oder eine haarige Angelegenheit“ weiterlesen

So viel Zukunft, so viel Freude

»In jener Nacht, in der Varja geboren wurde, lag sie da und sah uns stundenlang an. Ihre Augen waren wie zwei schwarze Laternen. Ihr Körper blutverschmiert, die langen Haare klebten am Kopf, und wenn sie sich rührte, geschah es mit den bedächtigen Bewegungen eines Kriechtiers. Als sie so auf Lindas Bauch lag und uns anstarrte, sah sie aus wie etwas aus dem Wald. Wir konnten von ihr und ihrem Blick einfach nicht lassen. Aber was lag in ihm? Ruhe, Ernst, Dunkelheit. Ich streckte die Zunge heraus, es verging eine Minute, dann streckte sie ihre Zunge heraus. Nie hat es so viel Zukunft in meinem Leben gegeben wie damals, nie so viel Freude.«

Aus Karl Ove Knausgard »Sterben« (Amazon Werbelink)