Meine zweifelhafte Suche nach Worten

Bielefeld heute. Der Himmel trüb-matt und undurchdringlich. Ein einsamer Hund bellt wütend in der Ferne – hoffentlich nach oben gerichtet.

Ich bin sauer oder wäre es, wenn ich nicht zu müde dafür wäre. Seit einigen Tagen schwebe ich in einem seltsamen Dämmerzustand. Tagsüber bin ich nicht richtig wach, drohe jeden Moment in den Schlaf hinabzugleiten. Nachts schlafe ich zu flüchtig und drohe immer wieder aufzuwachen (vielleicht wache ich auch auf und erinnere mich nicht mehr daran). Irgendwie fehlen mir die Ausschläge nach oben und nach unten; etwas, das Reibung erzeugt und Gefühle weckt, die nach Ausdruck verlangen und die ich dann in Worte kleiden kann.
“Meine zweifelhafte Suche nach Worten” weiterlesen

Heiraten oder Von der Zähmung wilder Hengste

Am Freitag dieser Woche lernte ich ein befremdliches Hochzeitsritual kennen: Der Braut wurde gratuliert, dem Bräutigam das Bedauern ausgesprochen. Nein, nicht direkt bei der Trauung, sondern abseits im Verborgenen, hinter ihrem Rücken.

Es war nicht das erste Mal, dass ich die scherzhaften Beileidsbekundungen für den frisch vermählten Ehemann hörte, als sei die Ehe für einen Mann das Ende einer langen Flucht, der Abschied aus einem schönen Leben, das er letztlich verloren und seine Frau gewonnen hatte. Nun drohte also die Gefangenschaft. Die Zähmung des Widerspenstigen wie in Shakespeares Stück nur umgekehrt oder ähnlich wie im Film mit Adriano Celentano und Ornella Muti, das ich als Kind so geliebt hatte.

Es klingt irgendwie lustig. Aber, verhielt es sich nicht im wirklichen Leben genau umgekehrt, wendete sich das Leben nicht für die Ehefrau zum Schlechteren? Statistisch gesehen leider schon, denn erstaunlicherweise sind Frauen in Ehen im Durchschnitt unglücklicher als unverheiratete Frauen. Liegt das am Mann?
“Heiraten oder Von der Zähmung wilder Hengste” weiterlesen

Geplantes Altern oder Wann gehst du kaputt?

Der Riss arbeitete sich von links unten nach oben in alle Richtungen durch. Es sah aus wie ein künstlerisch gestaltetes Fensterglas oder das Netz einer betrunkenen Spinne. Wenn das Gorillaglas an einem Handy zersplitterte, dann war es im Gegensatz zu einem Marmeladenbrot egal, wo es zuerst auf dem Boden auftraf.

»Dein Handy ist kaputt! Ist das nicht neu?« Verwundert sprach ich das Offensichtliche aus und schien eine unverheilte Wunde wieder aufzureißen.

»Ja.« Kurz, knapp, etwas genervt fiel die Antwort aus, unter der etwas Wütendes wieder aufflackerte, das gegen mich gerichtet zu sein schien. “Geplantes Altern oder Wann gehst du kaputt?” weiterlesen

Buch: John le Carré – Der Spion, der aus der Kälte kam

Wie bewahrt man sich das Menschliche in einer grausamen Welt?

John le Carré - Der Spion, der aus der Kälte kam
John le Carré – Der Spion, der aus der Kälte kam

An zwei aufeinander folgenden Tagen, an denen die Sonne nach den Regentagen heiß schien, las ich das Buch »Der Spion, der aus der Kälte kam*« (Amazon Werbelink) von John le Carré aus dem Jahr 1963 mit seinen 276 Seiten überraschend schnell und leicht durch.

Es hatte etwas Unwirkliches und Paradoxes an sich, ein düsteres Buch, das von der menschlichen Kälte handelt und seltsam aktuell zu sein scheint, an diesen beiden Tagen zu lesen.

Das Buch zog mich in seine grausame und konfliktbeladene Welt hinein und weckte meine Neugier am Leben des Spions Alec Leamas.
“Buch: John le Carré – Der Spion, der aus der Kälte kam” weiterlesen

Feilschen um jeden Preis?

Ich glaube nicht an Karma oder Schicksal, aber daran, dass wer gegenüber anderen Menschen freundlich ist, immer ein Stück mehr erhält als unfreundlichere Menschen. Vielleicht handelt es nur um sehr kleines Stück und um eins, das man sich selbst am Ende macht, weil man mit einem guten Gefühl geht, aber sie reicht.

Eines dieser freudigen Kleinigkeiten erlebte ich am letzten Tag meines Urlaubs auf Rhodos in Griechenland als ich Geschenke kaufen und nicht feilschen wollte.
“Feilschen um jeden Preis?” weiterlesen