Lasst mich arbeiten

»Siri! Wie spät ist es?«

Ich brülle die Frage in die Nacht hinein, obwohl mir dunkel schwant, dass es recht früh ist, denn noch immer sickert das künstliche Licht von den Laternen an der Straße dünn durch die Jalousien.

Heute bin ich wieder ohne fremde Hilfe aufgewacht. Keine rollenden Mülltonnen. Keine aufheulenden Motoren in wartenden Autos. Keine grölenden Nachtwanderer. Keine aufputschenden Schuldigen, auf die ich sauer sein könnte, und die man als Ausrede braucht?! Die waren nie da, wenn ich sie brauchte. Nur ich im Bett. Wach. Auf der Suche nach der verlorenen Schlafenszeit. Wie viel Zeit habe ich verloren?
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Kleines Fenster am Kopf zum Menschen

Von den Bäumen lassen sich goldgelbe Blätter auf die Straße niederfallen und die Sonne schimmert durch die lichtgewordenen Baumkronen wie meine Kopfhaut durch die nusseckengroßen Geheimratsecken. Insgeheim hoffe ich, dass meine verlorenen Haare wie Blätter oder Zugvögel im Sommer wiederkehren. Das wäre so wunderschön wie der heutige Herbstsonntag, hätten wir nicht schon Winter.

***

Ein freudloser Schwarm von nicht ganz frischen Zombies schleppt sich träge durch die Gegend auf der Suche nach konsumierbarem Material. Sie sind wohl auch müde so wie ich und suchen Nahrung oder anders formuliert: Motivation. „Kleines Fenster am Kopf zum Menschen“ weiterlesen

Eskalation oder Warum es besser ist, einen kühlen Kopf zu bewahren

»Gut, dass du da bist!« Er lacht dabei. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, wird sich in wenigen Minuten herausstellen. Seine Kollegen blicken kurz auf und schenken dem Raum ein Lächeln. Das könnte lustig werden.

Währenddessen versucht das Sonnenlicht durch die halb zugezogenen Jalousien in das Büro zu gelangen mit wenig Aussicht auf Erfolg. Ich sehe Andeutungen eines blauen Himmels. Für meinen Geschmack ist das Büro zu kühl. Immerhin frisch gelüftet.

»Eigentlich«, sage ich, »bin ich hier, um DIR eine Frage zu stellen.«

Manchmal nervt mich das schon, wenn ich jemanden eine Frage stellen möchte und dem Befragten, der er in diesem Moment noch nicht ist, einfällt, dass er mir ja auch eine Frage stellen könnte. Der Haufen, an dem ich arbeite, wächst mit jedem Schritt statt zu schrumpfen. Arbeit dehnt sich nicht nur in der ihr zur Verfügung stehenden Zeit aus, sondern sie nimmt (mit jeder Interaktion) zu. Gut, der Kunde ist König und hat Vorrang. So ist das nun einmal in der Beraterwelt.

»Ok, stell deine Frage.« Vielleicht habe ich Glück und kann es schnell abhaken. Immerhin wirkt er entspannt und amüsiert. Vielleicht lachen am Ende wir beide.

»Ich muss dir etwas zeigen.« Er lacht wieder. »Es gab ein Hin und Her und Eskalationen wegen dieses Fehlers.«

Oh wie schön! Genau das, was mir noch fehlt. Er schüttelt seinen Kopf und ich ahne, da steckt mehr dahinter. Das Wort »Eskalation« ist eigentlich nichts Schlimmes. Ein probates Mittel, wenn man nicht vorankommt. Doch die Art, wie er dieses reizende Wort betont, scheint zu sagen, dass da eine gewisse Bedrohung, ein Angriff lauert, das bzw. die er nicht ernst nehmen kann und damit ins Leere läuft. Irgendwann reagiert niemand mehr auf irgendeine Eskalation. Das ist wie mit Peter und dem Wolf.

Er klickt auf einen kleinen, unscheinbaren Knopf im Browser der SAP CRM Oberfläche für das Contact Center, der auf seinem großen Monitor noch unbedeutender erscheint. Ein neues, großes Browserfenster öffnet sich.

»Siehst du das?«
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Was bleibt: Körperfett

Mein Sixpack ist tot!

Vielleicht habe ich auch einen Eightpack. So genau weiß ich es nicht. Wir haben uns nämlich noch nie gesehen – zumindest erinnere ich mich nicht an unsere letzte Begegnung. Also müsste ich das Pack herausbuddeln oder wiederbeleben je nach Ursprungszustand, um zu entscheiden, ob es nun sechs oder acht Segmente sind. Mein Problem: Das leckere Essen! Pizza, Schokolade und literweise Cola oder anderer Süßkram. Und Käse!

Obwohl, das stimmt nicht mehr so ganz. Dank meines Intervallfastens habe ich meine kulinarischen Eskapaden ein wenig eingeschränkt. Und ich jogge mit unregelmäßiger Regelmäßigkeit.

Im Herbst, während sich die Bäume ungeniert entblättern, ist mir das Joggen häufig wegen früher Dunkelheit oder Nässe nicht möglich, denn ich bin bequem und kälteempfindlich. Dann schwinge ich mich auf mein Trimmrad und radle mehrere Stunden dem Fernseher entgegen. Und hier liegt mein weiteres Problem: Ich brauche gute Unterhaltung auf dem Bildschirm, das mich vom hamsterhaften Treten auf der Stelle ablenkt.
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Ich kann noch hoffen oder Viagra für meinen Kopf

»Ich könnte Bestseller schreiben,
Meisterwerke malen,
Krebs heilen und die Welt retten,
aber mein Gehirn macht da einfach nicht mit.«
Ich

Ich will schreiben, warum auch immer – ehrlich, ich weiß es nicht. Vielleicht ist dieser Blog die Suche nach einer Antwort. Vielleicht sollte ich zum Arzt gehen:

»Herr Doktor, ich will unbedingt schreiben, bin aber nicht talentiert und ehrgeizig genug dafür. Können Sie mir etwas verschreiben?«

Sollte ich mal versuchen, nur um die Reaktion zu sehen oder doch, um eine Antwort zu erhalten, die ich dann bloggen kann. Aber, ich lenke mich wieder ab.

Seitdem dem ich mich letzte Woche mit WhatsApp und der Erweiterung für Chrome beschäftigt habe, habe ich jeden Abend nach neuen Anwendungsgebieten für Erweiterungen umgeschaut. Habe mehrere Stunden im Web Store gestöbert, dort Erweiterungen heruntergeladen und das Coding analysiert, um mich inspirieren zu lassen. Zugleich bei jeder bescheuerten Webseite das Entwicklertool mit F12 aufgerufen, um die Seite zu analysieren. Immer auf der Suche nach einer tollen Idee, einer sinnvollen Funktion oder just for fun!

Dabei wollte ich mich auf die Suche nach neuen Inhalten machen, um auch diese Woche einen umwerfenden Artikel zu schreiben.

Tatsächlich gab es ein paar Fragen von Lesern zu dem Punkt, ob man den Status »Online« bei WhatsApp nicht doch irgendwie unterdrücken könnte. Mir fiel nur eine einzige Variante ein: WhatsApp Nachrichten direkt auf dem Homescreen oder Lockscreen (Sperrbildschirm) zu beantworten.

Vermutlich würde WhatsApp dann nur noch »online« für einen sehr kurzen Zeitraum aufflackern lassen, in dem Moment, an dem die Nachricht von WhatsApp verschickt wird. Der Frage, ob mein automatisiertes Skript genau diesen Moment erfassen könnte, ging ich nicht nach, weil es mich schlicht und einfach nicht interessiert.

Es scheint so, dass mich mehr die Technik und deren Anwendungsmöglichkeiten interessieren als die Meta-Ebene der Kommunikation oder das Ausspionieren von Menschen.

Ich brauch das nicht – später vielleicht. Wenn ich kurz vor der Verzweiflung stehe (die Rache ist mein, sagt das Schicksal zum arroganten Ich). Weil eine die Angebetete nicht antwortet. Aber da verlasse ich mich auf meine Schusseligkeit. Manchmal bin ich so »zerstreut«, dass ich kurz vor der Verzweiflung falsch abbiege und sie verpasse. Und schon wieder lenke ich mich ab (sollte ich es vielleicht »frühzeitiges geistiges Abbiegen« nennen?).

Und während ich mich darüber ärgere, diese Woche zu viel Zeit mit den Chrome Extensions vertrödelt zu haben, ohne dass dabei etwas Brauchbares für meinen Blog herauskam (obwohl ich mehr über Erweiterungen lernte), erscheint mir heute eine Frage in fetter Leuchtschrift wie eine Eingebung.
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