Erste Male in meinem Leben…

Sonntag, 19.04.20. Bielefeld.

Kurzes Vorspiel: Es geht hier nicht um Sex! Und das Wort Sex erwähne ich auch nur, damit die Suchmaschinen diesen Artikel besser finden. Fertig.

Je älter ich werde, desto mehr nehmen die ersten Male ab, an denen ich etwas noch nie im Leben zuvor Getanes erlebe oder schaffe, vor allem, was die positiven Dinge betrifft. Bis zum 20sten Lebensjahr ändert man sich selbst ständig und die Welt um einen herum mit (oder man blickt anders auf die gleichbleibende Welt). Ab 30 sind es weniger Änderungen. Spätestens ab 40 merkt man, wie Änderungen in eine andere Richtung absinken. Und jenseits der 60, was erwartet man da? Den ersten Herzinfarkt?

Bevor meine Stimmung ins Negative umzukippen droht…, heute gab es zwei erste Male, die mich freuen! Das Eine hinterlässt einen faden Beigeschmack aufgrund einer Erkenntnis, daher bin ich mir nicht so sicher, wie es bewerten soll.

Vorspiel

Als ich mich heute Morgen in meinem Blog einloggte, um meine Statistiken mir anzuschauen, erlebte ich einen Schock. Knapp 1.000 Zugriffe innerhalb einer Stunde – wurde meine Seite über Nacht attackiert? Und haben die Hacker Erfolg gehabt?

Ich suchte nach irgendetwas, wusste nur nicht nach was.

Mir fiel auf, dass die Zugriffe sich einen einzigen Artikel konzentrierten.

Es ist der Artikel »Kann man anhand der Augenfarbe des Kindes die Vaterschaft ausschließen?«.

Ich schaute mir die Logs der Zugriffe auf meiner lokalen Installation des Webanalyse-Tools Matomo an. Es sind tatsächlich unterschiedliche Zugriffe.

Aus irgendeinem mir unbekannten Grund schienen viele Leute danach zu googeln, wie sie anhand der Augenfarbe auf die Vaterschaft eines Kindes schließen könnten. Und Google hatte anscheinend entschieden, dass mein Artikel die richtige Antwort auf diese Sonntagsfrage hätte.

Eigentlich ein Grund, mich zu freuen, was ich auch im ersten Moment erleichtert tat. Das ist meilenweit besser als eine Attacke auf meine Webseite! Und doch ist meine Freude ein wenig betrübt, denn mich verbindet eine Art Hass-Liebe light mit diesem Artikel, weil es schon länger unerwartet erfolgreich ist (abgesehen davon, frage ich mich natürlich auch, aus welcher Intention die Besucher meinen Artikel aufsuchen).

So ist das, wenn ganz wenige Artikel auf deinem Blog so erfolgreich sind.

Niemand beachtet deine anderen Artikel.

Und dann war dieser Artikel auch noch purer Zufall. Das ist wie, als würde dir deine Traumfrau sagen, dass sie sich in dich verliebt hätte, weil du an jenem zauberhaften Abend so ein toller Zuhörer warst. Dabei war das der einzige Tag in deinem Leben, an dem du das erste Mal an einem Samstagabend Knoblauch gegessen hattest und dich nicht trautes, deinen Mund aufzumachen, daher ständig verstehend genickt hattest.

Hauptakt

Ok, ok, nicht ins Negative abdriften! Das geht leicht.

Am besten laufen und den Kopf freibekommen und mich darüber freuen, dass ich dazu in der Lage bin, Artikel zu schreiben, die so hohe Zugriffe hinbekommen (der magische Schlüssel verbirgt sich irgendwo in meinem Kopf).

Es ist eigentlich auch ganz simpel und verständlich. Der Artikel beantwortet eine wesentliche Frage.

Bevor ich mir weitere Gedanken dazu mache, habe ich bereits Shirt und Jogginghose ausgezogen und mein Jogging-Outfit übergeworfen (benutzt eigentlich jemand von euch Jogginghosen zum Joggen?!).

Ich habe immer noch mein Ziel, die 200km diesen Monat zu schaffen, im Auge,  was übrigens auch eine Prämiere für mich wäre.

Also laufe ich los.

Ich fühle mich gut.

Aber so richtig komme ich nicht von meinen Zugriffzahlen los.

Noch in Gedanken bei diesen schwindelerregenden Zugriffzahlen, kommt mir ein anderer Gedanke. Im Prinzip schreibe nur für Google, denn 99% meiner Leser kommen über die Google-Suche. Dafür werde ich natürlich ziemlich schlecht von Google bezahlt!

Ha, ha – lache ich über die Sache oder mich aus?! Stirnrunzeln.

Stirnrunzeln führt zu Stirnfalten, den kleinen Muskeln für den Kopf, die einen Gedanken zu einer Erkenntnis pressen.

Streng genommen sind all meine anderen, geringen Zugriffszahlen über die Jahre eine Art statistisches Rauschen: zufällige Zugriffe ohne Bedeutung, sprich kein nachhaltiger Anstieg in meinen Zugriffszahlen. Denn mit der Anzahl der Artikel steigt auch die Wahrscheinlich, dass ein und mehrere Artikel zufällig angeklickt werden.

Steigerung

Ich schaue auf meine Laufzeit.

Meine Augenbrauen schieben Stirnfalten nach oben.

Ich bin mehr als eine Stunde gelaufen und fühle mich… gut!

Also, denke ich mir, versuch doch mal, noch eine halbe Stunde zu laufen.

Das klappt. Irgendwie.

Hm.

Vielleicht sollte ich eine weitere halbe Stunde versuchen?

Das letzte Mal, dass ich in meinem Leben 1,5 Stunden gelaufen bin, war in der 11ten Klasse im Sportunterricht. Eigentlich wollte ich zwei Stunden schaffen, aber meine Sportlehrerin erwischte mich, wie ich eine konstruktive Pause einlegte und damit war mein Lauf beendet. Darüber ärgerte ich mich und ärgere ich mich immer noch, wann immer ich mich daran erinnere. Ich hätte die zwei Stunden schaffen können! Ich hätte mich nur ein wenig darauf vorbereiten müssen. Warum hatte sie es nicht eine Woche vorher angekündigt?! Es lag nicht an meiner Kondition, sondern ich hatte furchtbaren Hunger.

Angespornt durch diese kleine Zeitreise laufe ich also weiter. Das allerdings ist alles andere als einfach und am Hunger liegt es diesmal nicht. Ich bin, mit ganz wenigen Ausnahmen, täglich gelaufen und mein Körper wird müder und müder und meine Regeneration immer schleppender (das Alter und so). Das Erstaunliche dabei ist allerdings, dass erst durch mein müdigkeitsbedingtes langsames Laufen ich die längeren Strecken und Zeiten zu schaffen beginne. So seltsam es auch klingen mag, aber ich laufe sonst zu schnell, das zu schnellem Ermüden führt.

Wendepunkt

Die letzten 20 Minuten werden richtig hart. Bei meinen vorherigen Läufen bekam ich Probleme mit meinen Beinen.  Wade oder Oberschenkel. Heute lenkt mich der Schmerz von überall anders ab, so wie ein Hammerschlag auf die Hand von Migräne (bitte nicht ausprobieren!).

Mein Laufen ist so langsam, dass ich weitere Probleme bekomme. Zuvor habe ich geschwitzt. Jetzt schwitze ich nicht mehr nach. Der noch vorhandene kalte Schweiß in meinem T-Shirt kühlt meinem Körper ab. Plötzlich bekam ich Bauchschmerzen, der sich nach Durchfall anfühlt – ich habe seit Stunden nichts gegessen, was also ist noch in meinem Bauch?

Ich laufe, wie ich nie zuvor lief! Ehrlich, das kann man bestimmt nicht mehr als Laufen bezeichnen, eher aufrechtes Kriechen, so langsam und kaputt bin ich.

Ich muss aber schnell nach Hause!!!

Meine Motivation, die zwei Stunden zu schaffen, weicht also einem anderen, inneren Drang, der mich weiter zum Laufen antreibt (stammt daher die Redensart »jemandem Feuer unterm Hintern machen«? Nein).

Ich nehme die kürzeste Strecke nach Hause.

Ich schaffe es knapp, zu Hause rechtzeitig anzukommen… und das erste Mal in meinem Leben laufe ich die zwei Stunden!!!

Genau genommen sind es 2:00:54 bei einer Strecke von 17,78km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6:48min/km mit 1.063 verbrannten Kalorien.

Nachspiel ohne Kuscheln…?

Gratulationen und Lobeshymnen nehme ich gerne an! Aber bitte keine Wortwitze wie »Durchlauf« o.Ä.!

*** ENDE ***