Du hast plötzlich eine Million! Was machst du?

Freitag, 13.03.20. Gütersloh.

Büro Raum ██.█.███

»Was machst du, wenn du jetzt eine Million Euro bekommen würdest?«

Ähm, was?! Wie kommt man auf so eine Frage? Und wieso stellt Mr. No Buffer Stock (NBS) sie gerade mir? Und zu dieser Zeit?

Ich weiß es nicht mehr und erinnern kann ich mich auch nicht daran. Warum auch? Ohnehin ist es viel zu früh für ein tiefgründiges Gespräch am Morgen, denn es ist Morgen. Daher ist es eigentlich viel zu früh für jegliches Gespräch. Vor allem an einem Freitag. Wie immer bin ich selbst schuld daran, denn ich bin ja zu ihm ins Büro gegangen, um ihn etwas zu fragen, an das ich mich auch nicht mehr erinnere.

Aber an seine meine erste Million, die man nicht hat ich nicht habe und gerne hätte, an die erinnert man sich gerne erinnere ich mich. Es war ein Moment absurden Abschweifens, fernab jeglicher Realität, daher träumbar. Kühn, anmaßend und völlig bescheuert. Ein Balancieren am Rande eines Abgrunds, bei dem man hineinspringt und beim Fallen das Gefühl des Absturzes leicht mit dem Gefühl des Weit-Oben-Von-Allem-Seins verwechselt. Denn – seien wir mal ehrlich – wer von uns glaubt nicht, dass er oder sie es irgendwann zum Millionär schafft, wenn nicht zu mehr?!

Die Antwort auf seine Frage ist – man glaubt es kaum – anstrengend, zumindest wenn man sich ernsthaft Gedanken dazu macht und das Millionärsein gedanklich durchspielt.

Natürlich habe ich mir ernsthafte Gedanken gemacht und mir die Frage auch ein paar Mal gestellt. Begonnen hatte es mit der Frage, wie ich Millionär werde. Dazu habe ich sogar mehrfach etwas geschrieben:

Aber jetzt im Ernst. Neben diesen Gedankenexperimenten in Textform, machte ich mir auch ernsthaft Gedanken, über den Kern der Frage und exerzierte es in meinem Kopf durch. Nach einer Weile des geistigen Herumiterierens und -spinnens gelangte ich zu diesen beiden Fragen:

  1. Was mache ich, wenn ich wirklich eine Million hätte?
  2. Und warum möchte ich Millionär werden?

Gedankenexperiment mit Einschränkungen

Bevor ich meine Überlegungen gleich ausführe, gibt es zwei Aspekte, die wichtig zu erwähnen sind.

Zum einen überschlage ich die Zahlen für mich grob. Sie sind für mich Richtwerte und orientieren sich grob an realen Kosten, Preisen etc. Die Größenordnungen dienen für mich, um unerwartete (hohe) Kosten bzw. Ausgaben zu erkennen, die meine Million reduzieren. Es ist quasi ein grobes Überschlagen, ob meine Pläne als Millionär eine Chance haben.

Zum anderen wird diese Million in einem bestimmten Zeitraum ausgegeben. Ich tue mal so, als sei ich 40 Jahre alter (natürlich bin ich viel jünger;-), kinderloser Single ohne ein Haustier – klingt irgendwie trostlos.

Da ich fit bin, prophezeie ich mir ein Leben bis zum 80sten Lebensjahr, d.h. ich hätte 40 Jahre noch vor mir, in denen ich die Million ausgeben könnte, wenn noch etwas davon übrig ist – und genau hierum gehen meine Überlegungen: Wie lange wird die Million reichen und wie viel kann ich davon ausgeben?

Da fällt mir ein, wenn ich viel älter als 80 in meinen »Modellrechnungen« werde, bin ich am Arsch, weil ich dann kein Geld mehr hätte. Sterbe ich früher, würde ich mit dem geplanten Geld eventuell hinkommen, könnte es aber nicht mehr ausgeben:-/

Und nicht zu vergessen, aus aktueller Sicht werde ich mit 67 Jahren in Rente gehen.

Jetzt zu meinen Antworten auf meine Fragen und was sie an Denkprozessen bei mir ausgelöst haben, was das eigentlich spannendere Thema ist. Tatsächlich wurde mir beim Schreiben dieses Artikels bewusst, über wie viele Aspekte und Szenarien ich mir im stillen Gedanken gemacht hatte. Es ist mehr als ich in Erinnerung habe.

Was mache ich, wenn ich wirklich eine Million hätte

Die Antwort auf meine erste Frage, was ich mit einer Million anfangen würde, fiel für mich schnell und einfach aus: Ich kaufe eine Immobilie und gehe nicht mehr arbeiten.

Als ich mir jedoch konkretere Gedanken zu meinem Plan machte, stieß ich auf diverse Punkte, die meine »Frühverrentungspläne« allzu optimistisch erscheinen ließen.

Was ich eingangs mit meinen Richtwerten meine, um unerwartet (hohe) Ausgaben zu ermitteln, wird bei meinem Immobilienbeispiel schnell klar.

Wer eine Immobilie gekauft hat oder eine Anschaffung plant, merkt früh, dass die Anschaffung im Ganzen weitaus teurer wird, als man es sich vorher vorgestellt hatte (ich rede hier nicht von den Insolvenzen einzelner Bauträger oder Handwerker etc.).

Teilweise sind die höheren Ausgaben auch nachvollziehbar. Denn die Maßstäbe für eine eigene Wohnung oder Haus sind andere, höhere als für eine Mietwohnung.

Ich kaufe eine Immobilie

Beginnen wir also bei einer Immobilie.

Zur Warnung: Ich bin kein Immobilien-Experte. Ich habe mich vor Jahren grob über Immobilien und deren Kosten erkundigt, weil ich selbst eine erwerben wollte. Das erledigte sich, weil die Immobilienpreise dank billiger Kredite für mich unrealistisch hoch gegangen sind und seitdem sich daran kaum etwas geändert hat.

Weiter im Text.

Meine Wohnung sollte nicht zu klein sein, daher will ich mindestens 75qm haben.

Die Wohnung sollte nicht zu alt sein, ansonsten muss ich mehr oder eher Reparaturen durchführen bzw. bezahlen.

Natürlich sollte sie gut gelegen sein, was für mich stadtnah und mit guter Anbindung bedeutet. Also Bus und Bahn sollten in der Nähe sein, ebenso gut mit dem Auto erreichbar. Dann sind da noch eine Einkaufsmöglichkeit, eine Schule und Kindergarten etc. in der Nähe.

So viel zu Wünsch-dir-was. Weiter geht es mit meinen Überlegungen zu den Kosten.

Eine Immobilie mit ca. 75qm in guter Lage (und gutem Zustand) dürfte (locker) bei 200.000 – 300.000 Euro liegen – sagen wir also 250.000 Euro.

➡ Gesamtausgaben: 250.000 Euro

Hinzukommen Kosten für Maklerprovision, Grunderwerbssteuer, Notar und Grundbucheintrag oben drauf. Diese variieren je nach Makler und Bundesland. Ich nehme hier 10%, was für mich ein guter Richtwert ist.

➡ Gesamtausgaben: 275.000 Euro (+25 Tsd.)

Neben den Kosten für Makler, Notar etc. werden noch weitere, überraschend hohe Ausgaben folgen.

Wenn ich nämlich in meine neue Wohnung ziehe, dann möchte ich natürlich neue Möbel, Teppiche, einen neuen Fernseher usw. Sagen wir 5.000 – 10.000 Euro?

Bei einer eigenen Wohnung werde ich wahrscheinlich auch die Küche besser ausstatten. Da dürften die Kosten zwischen 10.000 und 25.000 Euro liegen.

Natürlich werde ich ein paar Umbauten in meiner neuen Wohnung vornehmen, mindestens das Badezimmer. Kosten für ein Bad liegen sofort mindestens bei 10.000 Euro und steigen locker auf das Doppelte.

Vermutlich werde ich tapezieren, den Boden neu machen lassen etc. Da kommen auch schnell ein paar Hundert Euro zusammen.

Man kann sehen, dass sich hier sehr schnell sehr hohe Kosten summieren. Um es einfach und übersichtlich zu halten, lege ich diese Kosten auf 50.000 Euro fest. Das ist eine stolze Summe, doch ich habe mir angewöhnt, immer 20% – 30% auf den Kaufpreis aufzuschlagen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, in welcher Höhe der Kauf inklusive meines Einzugs mit all den oben genannten Punkten liegen könnte.

➡ Gesamtausgaben: 325.000 Euro (+50 Tsd.)

Nur so als Randnotiz: Ich liege 75.000 Euro über dem Kaufpreis und mit Kredit läge ich weit drüber. Jetzt kann sich jeder selbst ausrechnen, ob und wann diese Immobilie diesen Verkaufswert erreichen wird.

Ok, tun wir so, als seien meine Zahlen in Ordnung, dann würde ich bei 1.000.000 Euro noch 675.000 Euro übrighaben. Das ist immer noch ein beeindruckender Betrag!

Instandhaltungskosten für die Immobilie

Leider sind die Kosten für die Immobilien nicht erledigt. Neben den Einmalkosten gibt es Instandhaltungskosten. Hier habe ich gelesen, dass eine Immobilie alle 10 Jahre höhere Instandhaltungskosten verursacht. Daher wird empfohlen, mindestens 1 Euro pro Quadratmeter Rücklagen zu bilden. Das wären dann 900 Euro bei monatlich 75,- Euro für ein Jahr.

Ich schrieb ja, dass noch 40 Jahre vor mir lägen, wäre ich 40 Jahre alt. Also rechne ich die jährliche Rücklage auf 40 Jahre hoch. Das Ergebnis ist 36.000 Euro.

Das erscheint mir zu wenig. Ich würde den Betrag pro Quadratmeter auf mind. 1,5 Euro erhöhen. Pro Jahr ergäbe das 1.350 Euro. Auf 40 Jahre hochgerechnet wären das 54.000 Euro. Das erscheint mir persönlich realistischer.

➡ Gesamtausgaben: 379.000 (+54 Tsd.)

Weitere Kosten für die Immo/Wohnung

In diesen 40 Jahre gehe ich davon aus, dass nicht nur an meiner Wohnung etwas kaputt geht. Staubsauger, Mikrowelle, Waschmaschine – setzte diese Liste beliebig fort – irgendwann geht alles kaputt.

Aber auch, wenn es nicht kaputt geht, glaubst du, dass du in den 40 Jahren dir keinen neuen Fernseher anschaffen oder deine Wohnung nicht (etwas) modernisieren wirst?

Ok, was nimmt man hier für einen Wert? Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass beim Konsum ca. 5% – 6% des Nettogehalts für Innenausstattung ausgegeben würde. Keine Ahnung. Ich nehme hier mal den Betrag 1.000 Euro pro Jahr auf. Macht summa summarum 40.000 Euro in 40 Jahren.

➡ Gesamtausgaben: 419.000 (+40 Tsd.)

Diese Kosten entstehen unabhängig davon, ob ich eine eigene Immobilie besitze oder in einer Mietwohnung lebe!

Immerhin benötige ich dank meiner eingebildeten Million keinen Kredit von der Bank für den Kauf der Immobilie und habe somit keine Zinsen, die ich monatlich tilgen muss.

Puh, bis hierin hätte ich knapp 40% der Million ausgegeben! Das überrascht mich. Ist das unrealistisch? Zu hoch?

Schauen wir mal, was ich mit dem Rest geplant habe.

Ich gehe nicht mehr arbeiten

Wer denkt nicht sofort an Ruhestand, sobald er/sie eine Million hat?!

Also rechne ich einfach mal weiter.

Berechnung mit Immobilie

Ich lebe jetzt also in meiner traumhaften und (sündhaft) teuren Immobilie.

Mit dem Rest der Million möchte ich mir einen wohlverdienten Lebensabend gönnen (womit habe ich das verdient?).

Von der Million sind jetzt noch 581.000 Euro übrig.

Dieses Geld muss 40 Jahre reichen – zur Erinnerung: Ich bin ja theoretisch 40 Jahre alt und werde theoretisch noch 40 Jahre leben.

Daraus ergibt sich diese simple Berechnung:

  • 581.000 Euro / 40 Jahre = 14.525 Euro im Jahr
  • 581.000 Euro / 40 Jahre / 12 Monate = 1.210,42 Euro im Monat

Oh!

1.210, 42 Euro im Monat – das kommt mir schon sehr wenig vor.

Ich fühle mich wie ein armer Millionär! Aber jetzt mal im Ernst, kann man mit knapp 1.200 Euro im Monat leben?

Weitere Ausgaben

Da ich meine fiktive Immobilie besitze, habe ich keine Mietkosten. Es bleiben die Nebenkosten, da ich die Rücklagen und andere Kosten zuvor abgezogen habe.

Was ich aber nicht abgezogen habe, sind diese Ausgaben:

  • Nahrung
  • Kleidung
  • Zuzahlungen für Behandlungen und Medikamente
  • Auto
  • Urlaub
  • Mobilkosten
  • Geschenke für Verwandte und Freunde bei Einladungen
  • Ausgehen Kino, Restaurant…
  • Rollator oder andere Geräte im Alter, die angeschafft werden müssen
  • etc.

Auch diese Liste kann man einfach fortsetzen und die Kosten erhöhen.

Das Ergebnis bleibt dasselbe: Es sind kaum weitere Ausgaben möglich und ein unglückliches Ereignis (teure Krankheit im Alter) kann mich in eine finanziell schwierige Lage bringen.

Was macht man in der vielen Freizeit?!

Als ich meine Liste oben im Kopf durchging, fiel mir etwas auf: die Freizeitaktivitäten!

Geht man nicht mehr arbeiten, hat man plötzlich extrem viel Freizeit!

Und was macht man in dieser freien Zeit?

Ganz einfach: Man gibt mehr aus!

Ein weiteres Problem fiel mir auf, das ich aus meiner Beraterzeit kannte.

Wenn ich frei hatte, hatten meine Verwandten und Freunde nicht frei. Sie waren arbeiten.

Wenn man zu Hause ist, und das gilt auch für HomeOffice, dann:

  • verbraucht man mehr Strom
  • man isst und trinkt (vor allem nascht man) mehr als auf der Arbeit
  • man geht häufiger auf die eigene Toilette
  • etc.

Und hat man frei, dann will man nicht weiter in der Bude hocken und etwas unternehmen. Geht das nicht hängt man vor dem Fernseher und schaut Serien und Filme etc.

Das ist wirklich nichts Triviales sich dauerhaft zu beschäftigen. Menschen, die extrem viel gearbeitet haben wie z.B. Manager, bekommen einen Herz-Infarkt, wenn sie in Rente gehen, weil sie nicht wissen, was sie mit ihrer freien Zeit anfangen sollen und dieser Zustand sie extrem stresst. Das ist jetzt ein anderes Thema…

Was ich letztlich damit sagen will: Mas sollte vorsichtig sein, wenn man aus seiner aktuellen Situation auf die Zukunft schließt.

Berechnung ohne Immobilie

Als ich damals im Kopf all diese Punkte und damit einhergehenden Ausgaben durchging, hatte mich das Ergebnis überrascht. Daher spielte ich eine zweite Variante durch, in der ich keine Immobilie kaufte.

Wenn man sparsam ist, kommt man vielleicht mit den knapp 1.210 Euro im Monat aus. Doch über 40 Jahre gesehen, erschien es mir als riskant, da eine Krankheit im Alter oder etwas anderes wahrscheinlich und mit hohen Kosten verbunden ist.

Daher überlegte ich mir einen anderen Ansatz. Ich fragte mich, wenn ich alleine lebte, mit wie viel Euro im Monat könnte ich mich arrangieren? Oder anders gefragt, wie viel ist mir meine Freiheit wert, die ich durch meine »Frühverrentung« erhalte?

Ich kam auf die runde Summe von 2.000 Euro pro Monat:

  • 2.000 Euro * 12 Monate * 40 Jahre = 960.000 Euro

Das hört sich doch gut an. Es bleiben als Reserve noch 40.000 Euro übrig.

Fehlt da nicht etwas? Da war doch etwas mit 67 Jahren?

Was von der Rente übrig bleibt

Jetzt könnte man denken, ich hätte meine Rente glatt vergessen!

Nein, habe ich leider nicht.

Bei der Rente sehe ich drei Probleme.

Die Rente bekommt man erst mit 67 Jahren. Das bedeutet, ich müsste die ersten 27 Jahre ohne diese Zuzahlung auskommen. Zudem befürchte ich, dass ich frühestens mit 70 oder später in Rente gehen werde/darf.

Wenn ich dann meine Rente bekäme, dann würde ich Stand heute ungefähr 44% meines Gehalts bekommen. Auch hier fürchte ich, dass diese Zahl mit den Jahren weiter sinken wird und von meiner Rente kaum etwas übrigbleibt. Aber tun wir mal so, als würde ich ca. 44% erhalten.

Die Höhe der Rente richtet sich nach dem durchschnittlichen Einkommen in den eingezahlten Jahren.

Nehmen wir an, es läuft sehr ungünstig für mich und ich bekomme nur 1.000 Euro im Monat. Damit würde kaum jemand auskommen, da ich dieses Geld zusätzlich bekommen würde, sähe es doch wieder besser für mich aus, oder?

Abgesehen von den mind. 27 Jahren »Wartezeit« gibt es ein erhebliches Problem: Mit der Million höre ich zu arbeiten auf. Damit zahle ich mindestens 27 Jahre keine Beiträge mehr in die Rentenversicherung! Für jedes nicht gezahlte Jahr gibt es Abschläge. Hier würde ich Pi mal Daumen mit mindestens 50% Abschlag rechnen. Bleibt also 500 Euro Rente im Monat übrig.

Das klingt doch trotz all den Kürzungen gut und ich kann meine Immobilie doch kaufen? Mein Problem sind hier immer noch die ersten 27 Jahre. Die muss ich finanziell überbrücken.

Naja, es scheint, als hätte ich als einfacher Million keine rosigen Aussichten in den verbleibenden 40 Jahren. Dann doch Rente mit 50 oder 55? Warum nicht, da geht das Leben ja so richtig los…

Inflation

Erinnerst du dich an eine Zeit, wo man noch für 4,50 DM ins Kino gehen konnte? Oder für 19,95 ein ganzes Haus kaufen konnte? Ja, damals™ war alles günstiger und natürlich besser – oder auch nicht.

Bei all meinen ungewissen Annahmen bereitet mir die Inflation das größte Kopfzerbrechen, denn sie ist in der Lage, alles schnell zum Scheitern zu bringen.

Wie wirkt sich jetzt die Inflation auf das Geld aus?

Bei Beispielen im Internet sah ich eine jährliche Inflation von 1,5% – 2% pro Jahr in deren Berechnungen. In 40 Jahren läge der Wertverlust für das Geld, das man zurückgelegt hätte, zwischen 45% und 55%. Also ungefähr die Hälfte der Kaufkraft würde schwinden.

Wäre für mich ja nicht schlimm, da ich für meine Modellrechnung eine Lebensdauer von 40 Jahren festgelegt habe.

Auch wenn der Verlust um die Hälfte recht hoch erscheint, erschienen mir die 1,5% – 2% mir zu gering. Vor langer Zeit las ich etwas über reale Inflation und dass die Inflation alle 10 Jahre die Kaufkauft des Geldes um 50% reduziert. Das erschien mir wiederum zu hoch. Wenn ich aber eine jährliche reale Inflation von 6% – 8% annehme, dann verliert das Geld nach 10 – 12 Jahren die Hälfte seines Wertes. So betrachtet erscheint es realistischer.

Warum ich eine reale Inflation von 6% – 8% für realistischer halte, möchte ich nur kurz erläutern, denn das ist ein Thema für einen eigenen (oder auch mehr) Artikel.

Nur so viel:

Die Zahlen für die Inflation werden anhand eines Warenkorbs ermittelt. Diesen Warenkorb kann man sich wie einen Warenkorb oder Einkaufswagen im Supermarkt vorstellen. Darin sind Waren und Dienstleistungen enthalten. Sie sind repräsentativ und gewichtet.

Um zu verstehen, welchen Einfluss diese Zusammensetzung und Gewichtung auf mich haben können, hier ein Beispiel. Wenn ich sehr viel mehr Auto fahre als der repräsentative Schnitt des Warenkorbs und die Benzinpreise steigen stark an, hat das wegen der Gewichtung weniger Auswirkung auf den Warenkorb als auf mich. Daher würde ich für mich einen Wert zwischen den beiden Extremen wählen, der bei 5% – 6 % läge.

Wieder eine unsichere Annahme.

Aber – es gibt ja noch Zinsen!!! Zinsen sind ja so etwas wie ein Ausgleich für Inflation (ja, ich weiß, ich vereinfache wieder).

Geld verzinst anlegen

Zinsen gepaart mit Anlageoptionen sind ein noch weiter ausuferndes Thema als der Warenkorb und dessen Zusammensetzung. Daher möchte ich mich hier kurzfassen.

Ich glaube, dass Aktien, Anleihen, ETFs geeignete Optionen sind, um Kapital zu erhalten und sogar zu vermehren. Am Ende könnte das Geld dann sogar bis zum Lebensende über 80 Jahre reichen.

Was mir jedoch bei vielen Anlagebeispielen auffällt, sind die hohen Renditen und die niedrige Inflation. Zur Inflation habe ich bereits oben etwas gesagt. Bei Renditen werde ich misstrauisch, wenn sie hoch liegen (ich erinnere mich an Zahlen, die bei 6% – 7% lagen). Je höher die Rendite, desto höher das Risiko, habe ich gehört.

Wenn man also die Rendite hoch bewertet und die Inflation zu niedrig, dann bleibt überraschend wenig übrig. Nicht zu vergessen sind Steuer und Sozialabgaben auf den realisierten Gewinn.

Weiterhin basieren die Anlagebeispiele auf Durchschnittswerte, die über Zeiträume von 10 bis 15 Jahre gehen, was ja korrekt ist. Wenn ich aber in eine Dekade falle, wo die Zinsen extrem niedrig sind, dann bringt mir die sehr hohe Rendite in 10 Jahren im Moment nichts.

Kursschwankungen nach unten können also Probleme bereiten, weil man sie nicht über die Zeit aussitzen kann, weil das Geld jeden Monat gebraucht wird.

Volatilität oder Weitere nicht einkalkulierte Risiken

Neben all den Punkten, die schief laufen könnten, gibt es weitere Punkte, die ich bisher nicht erwähnt habe.

In meiner Annahme darf ich nicht älter als 80 werden bzw. ich könnte in finanzielle Nöte geraten. Falls die Anlage in Aktien, Anleihen und/oder ETFs erfolgreich verläuft, dann muss man sich hier keine Sorgen mehr machen.

Es könnte etwas Schönes passieren. Man lernt jemanden lernt jemanden kennen und bekommt vielleicht sogar ein Kind.

Es könnte natürlich ebenso etwas Negatives passieren, wie z. B. dass man schwer krank wird oder ein Verwandter, für dessen Pflege man aufkommen muss.

Oder höhere Steuern auf Immobilien, auf Aktiengewinne, eine Art Vermögenssteuer etc.

Oder im Fall einer eigenen Immobilie: Schäden, die nicht durch Versicherung abgedeckt sind.

Aktienkurse brechen über eine sehr lange Periode ein wegen Blasenbildungen, Umweltkatastrophen, Pandemien – suche dir etwas aus den letzten Jahren heraus.

Mein gesamtes Rechenmodell bzw. Planung des Lebens beruht auf Disziplin und Stabilität. Die Wahrscheinlichkeit, dass in den 40 Jahren meine Disziplin ein wenig leidet, geschenkt, aber dass eine unvorhergesehene Katastrophe eintritt, die ich nicht abfangen kann, halte ich für hoch. Das gesamte Konstrukt ist fragil.

Diese unwägbaren Risiken einzupreisen, halte ich für extrem schwierig. Zum einen kennt man sie nicht alle und zum anderen wäre der Gesamtpreis dafür, wenn man sie alle kennen würde, hoch (nicht jeder einzelne, sondern alle gemeinsam).

Gibt es keine Alternativen?

Das alles klingt für mich sehr ernüchternd.

Oder ich klinge wie ein Verrückter.

Denn wer schafft es schon, 1 Million Euro in seinem Erwerbsleben zu verdienen? Oder netto vom Verdienst anzusparen? Es werden sehr wenige Menschen sein.

Ist dann daher eine Million so wenig wert?

Natürlich nicht. Mein Problem sind die 40 Jahre oder darüber hinaus, in der die Million reichen muss, wenn ich keine weiteren Einnahmequellen habe, weil ich nicht mehr arbeiten will. Vielleicht macht mir die Planung 40 Jahre in die Zukunft einfach Angst…?

Natürlich habe ich dann überlegt, ob ich nicht mit 50 oder 55 in Rente gehe. Bis dahin könnte ich meine 40-Stunden-Woche auf 30 Stunden reduzieren. Das wäre immerhin etwas. Oder mir gleich mehrere Immobilien kaufen und mit 50, also nach 10 Jahren, wieder gewinnbringend und steuerfrei verkaufen. Zudem würde in beiden Fällen meine Rente höher ausfallen, weil ich dann länger arbeiten würde.

Es gibt bestimmt noch weitere Alternativen zu meinem Vorgehen, aber an diesem Punkt fiel mir wieder meine ursprüngliche, zweite Frage ein.

Und warum möchte ich Millionär werden?

Die Frage, warum ich Millionär möchten werde, klingt bescheuert oder?

Denn mit einer Million lebt es sicher besser.

Die Frage ist doch, und das habe ich in den vorherigen Abschnitten mich gefragt, wie lange lebt man mit der Million. Was ich nicht beantwortet habe ist, was ist »besser«?

Unter »besser« habe ich verstanden, dass ich nicht mehr arbeiten gehen werde und nicht, dass ich mehr Geld ausgeben kann.

Also fragte ich mich, warum möchte ich nicht mehr arbeiten und ist dem wirklich so?

Die Antwort ist simpel: Ich möchte mehr Zeit haben.

Wofür?

Um mehr Bücher zu lesen, um mehr zu bloggen, um vielleicht irgendwann mein erstes YouTube Video zu machen oder mein erstes Spiel zu programmieren – also etwas Neues anzufangen –, um mehr bzw. regelmäßig Sport zu machen etc.

Und, das darf man auch nicht unterschätzen, um frei bei der Wahl meiner Arbeit zu sein! D.h. ich muss nicht arbeiten und jede Arbeit machen, sondern kann sie mir aussuchen. Ich halte das für einen großen Luxus in meinem Leben.

Der Witz ist, dass ich in meinen Jobs bisher fast immer genau das gemacht habe, was ich wollte bzw. was mich stark interessiert hat.

Also hätte ich plötzlich eine Million Euro, dann würde ich meine Arbeitszeit auf 20 bis max. 30 Stunden pro Woche reduzieren und wählerischer bei den Aufgaben sein (man könnte auch sagen, je weniger Zeit, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, Aufgaben zu bekommen, die man nicht will).

Weiterhin würde ich vermutlich ein Haus kaufen, in dem ich und ein Mieter wohnen kann. Den Rest des Geldes in Aktien, Anleihen, ETFs und Tagesgeld-Konten anlegen.

Ich wäre also ein unspektakulärer Millionär. Im Prinzip ließe sich mein Vorhaben, was meine Arbeitszeitverkürzung betrifft, auch ohne Million mit ein bisschen Erspartem und sparsamen Leben einrichten. Darüber muss/werde ich ein anderes Mal nachdenken…

Fazit

In meinem Kopf sah das nach viel weniger Arbeit, Problemen und Text zum Lesen aus. Daher Respekt und Danke, dass DU bis hierin gelesen hast!!!

Was mich auch wundert, ist die Ungewissheit in meinem Text. Ich habe sehr viele Mutmaßungen, Annahmen und Vereinfachungen formuliert. Dem müsste ich in Ruhe und detailliert nachgehen und recherchieren. Und wenn ich sehe, wie lang dieser Artikel wurde – ungewollt –, dann dürfte die Recherche sehr aufwendig und zeitintensiv werden.

Was kann man dann aus diesem Artikel mitnehmen?

Für mich zeigte sich, dass eine Million zu haben nicht sofort meinen Wünsch nach der sofortigen Rente erfüllt. Je mehr ich darüber nachdachte, desto schwieriger gestaltete sich das Aushalten mit der Million bis zum erdachten Lebensende von 80 Jahren.

Den besten Rat den ich hier geben kann, ist, bei einem plötzlich eintretenden Ereignis – wie es bei der Million der Fall ist – zunächst nichts an der eigenen Lebensweise zu ändern. Sondern ruhig darüber nachzudenken und schrittweise in die gewünschte Richtung zu gehen. Und vielleicht sogar zu überlegen, ob man dafür wirklich auf die Million warten muss…

Nachspiel

Während ich mir also viele der Gedankengänge aufrufe, wartet Mr. No Buffer Stock auf meine Antwort.

»Ich mach gar nichts. Eine Million ist zu wenig.«

Mit dieser Antwort hat er nicht gerechnet. Nach einem kurzen Moment des Nachdenkens huscht eine andere Frage über sein Gesicht.

»Ok«, sagt er, »was machst du mit 5 Millionen Euro?«

Der Kerl macht mich fertig! So schnell bin ich noch nie zum Multimillionär aufgestiegen. Es stimmt also, die erste Million ist die schwierigste, aber danach geht es schwindelerregend weiter.

Später im Meeting höre von der Kurzarbeit in Österreich und dem Shutdown.

Mittags werden wir in Gruppen eingeteilt, die im 15 Minuten-Takt in die Kantine gehen dürfen. Distanz halten.

Abends im Real,- sind die Regale mit dem Klopapier leergeräumt. Jetzt könnte man sagen, die Millionen kannst du nicht essen, aber immerhin könnte man sie als…

Vielleicht, denke ich mir, nehme ich die Million und ziehe dorthin, wo es warm und billig das Leben günstig ist. Aber auch dafür bin ich nicht der Typ.

Jetzt weißt du, warum ich kein Millionär bin und nicht mal mit einer eingebildeten Million auskomme.

In diesem Sinne, bleib gesund!

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