Mein flacher Bauch an einem Tag

Sonntag, 09.02.20. Bielefeld.

Die Nacht und mein Schlaf sind bekanntlich keine Freunde, aber heute Nacht erreichte es schon eine neue Qualität. Ich könnte sagen, ich hätte beschissen geschlafen, wenn man überhaupt von Schlafen reden könnte. Bis 3 Uhr nachts lag ich mit Schmerzen im oberen Bauchbereich wach im Bett. So begann meine Blinddarmentzündung, daher befürchtete ich wieder etwas Ernsthaftes und verfluchte in meiner Verzweiflung den Salat mit den komisch riechenden Hühnchen Stückchen. Warum musste ich ihn auch am Abend essen?!

Ja, ich bin selbst schuld. Nach dem Beauty-Shoppen mit Bella gingen wir gestern Abend mit ihrem Mann und meinen beiden Patenkindern noch essen. Normalerweise essen ich abends nichts mehr ab 17 Uhr, da ich seit drei Jahren Intervallfasten betreibe/mache (wie formuliert man das?). Ein Essen am Wochenende ab und an in Gesellschaft ist da eine willkommene Ausnahme. Ich dachte mir, nimmt dir etwas Leichtes, nimm dir einen Salat mit ein wenig Hähnchen.

Der Salat schmeckte auch sehr lecker, nur die öligen Hähnchen Stückchen rochen merkwürdig. Ich aß sie dennoch. Ein paar Stunden später, auf dem Weg nach Hause, rebellierte mein Magen und brodelte lautstark. Ich schaffte es gerade in die Wohnung und schon war mein Magen so leer, als hätte sich mein Körper von allem, das ich je im Leben gegessen hatte, entledigt. Da hätte ich ebenso auf das Essen verzichten können.

Als wären die Bauchschmerzen und die ruhelose Nacht nicht genug, kamen mir die sorgenvollen Erinnerungen an meine fast Jahrzehnte zurückliegende Lebensmittelvergiftung hoch. Ich hatte mich in einem Laden beim Essen mit Campylobacter infiziert. Zwei Wochen konnte ich kaum etwas trinken oder essen, ohne es sofort auszuscheiden. Die ersten Tage trank ich Wasser mit einem Esslöffel. Also nahm ich mir für heute vor, nur leichtes Zeug zu essen (noch leichter als der gestrige Salat, btw.: Wie flach war mein Bauch damals?).

Ich stehe auf und fühle mich wie ausgekotzt – an sich nichts Neues. Gehe zum Spiegel und schaue mir nicht mein völlig durch die Nacht demoliertes Gesicht an, sondern meinen Bauch (das ist neu).

Sieht es normal aus? Muss ich zum Arzt? Bitte nicht!

Nein. Mein Bauch sieht normal aus und doch irgendwie anders.

Ich schaue genauer hin.

Nein, mein Bauch sieht nicht normal aus, sondern sehr flach. Verdammt nochmal! Mein Bauch sah noch nie so flach wie an diesem Morgen aus!

Das muss wohl dieses »positive« Denken sein. Ja, und ich bin da bestimmt einem heißen Beauty-Geheimnis auf der Spur!

Ich mache mir einen schwarzen Tee, nur leicht gezuckert. Atme den Duft tief ein bevor ich einen Schluck nehme, und die Aussicht, das mir dieser simple Genuss verwehrt bleiben könnte, lässt den Geruch unbeschreiblich köstlich erscheinen. Etwas zu essen traue ich mich noch nicht.

Anschließend beobachte ich meinen Körper, wie es auf die warme, gesüßte Flüssigkeit reagiert. Und… es passiert nichts – zum Glück!

Dann mache mir eine zweite und eine dritte Tasse und rette mich so bis zum Mittag hinüber, aber jetzt muss ich etwas essen. Wieder sehr langsam und sorgsam und mit langen Pausen, als wäre jeder Bissen kostbar. Und wieder ein kurzes Horchen auf meinen Körper. Wie nimmt es die Nahrung auf? Und wieder passiert – nichts.

Nachdem zu meiner Erleichterung nichts passiert ist, frage ich mich, woher die extreme Reaktion meines Körpers auf den gestrigen Salat herrührt. Lag es wirklich an den Hähnchen Stücken? Oder habe ich eine Nahrungsmittelallergie auf etwas, das mir nicht bekannt ist? Oder ist mein Körper es tatsächlich nicht gewöhnt, abends etwas zu essen? Oder lag es an etwas anderem, das mir auf den Magen aufgeschlagen ist? Denn es fand vorher ein unglaublich nerviges und unnötiges Gespräch mit Dean Mortison wegen des Ausgangs seines Thermomix® Verfahrens statt.

Ich habe keine Antwort darauf. Vielleicht war es wie ein gemischter Salat: Alles trug ein wenig dazu bei.

Bevor ich eine Antwort finde, kündigt ein Nachrichtensprecher den Orkan »Sabine« für morgen an. Und als wäre dies Sabines Stichwort, höre ich sie wild um das Haus brechen und die Mülleimer in Aufruhr versetzen. Denen gefällt das gar nicht. Sie klappern fluchend um die Wette, aber es hilft nichts.

Während ich überlege, ob ich die Jalousien herunterlassen soll, plopt eine weitere Frage in meinem Kopf auf, als wären es nicht genug für heute: Mein Auto ist klein und leicht und ich um ein paar Kilos seit gestern erleichtert – was, wenn Sabine meinen Wagen morgen auf dem Weg zur Arbeit umbläst?!

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