Thermomix®-Modellwechsel: Kumpel erzielt Vergleich im Prozess gegen Vorwerk

Donnerstag, 30.01.20. Bielefeld.

Auf der Thermomix® Seite des TM5 heißt es »Koch` dich glücklich!« (Stand 16.02.20), aber was da zum Kochen gebracht wurde, war das Gemüt und die Nerven meines Kumpels Dean Mortison, denn der kaufte den Thermomix® TM5 etwas über einen Monat vor dem Erscheinen des TM6 (und verpasste damit knapp den Stichtag 20. Februar und 8. März, um das Wechselangebot von Vorwerk annehmen zu können). Dieser aufsehenerregende Modellwechsel ist ein kleines Lehrstück über das Sich-Unglücklich-Machens.

Ich kann noch heute seine Verärgerung nachvollziehen, denn, wäre es mir passiert, ich würde mich ebenso verarscht fühlen. Und obwohl wir uns beide einig waren, entspann sich zwischen uns ein seltsames Streitgespräch, in dem meine Nerven durch den nicht vorhandenen Mixer gedreht wurden und dessen Verlauf ich bis heute nicht verstehe.

Natürlich sind wir beide selbst schuld, denn, was passiert sonst, wenn zwei streitbare Rechthaber, angefüttert mit Halbwissen, sprachlich aneinandergeraten, die sich wie eitle Gockel aufplustern, um Rücken an Rücken gegeneinander anzukämpfen? Viel Herumgegackere und ungelegte Eier. Das klingt völlig bescheuert und ist es immer noch. Es muss vermutlich dieser streitbare Wesenszug gewesen sein, der ihn zu einer Klage gegen Vorwerk veranlasste.

Und mit einem Link in die WDR Mediathek vom 29.01.20 zeigte er mir, dass er sich mit Vorwerk auf einen Vergleich geeinigt hatte (Minute 13:50 im Video) – also hatte er das Verfahren gewonnen (Details hier)!

Damit hätte ich nicht gerechnet, denn es hing m.E. an dem genauen Wortlaut der Repräsentanten ab – würde sie gegen das Unternehmen aussagen, für das sie arbeitet? Andere vor ihm sind mit ähnlichen Klagen gerichtlich gescheitert (siehe diesen Beitrag in der WDR Mediathek vom 09.01.20).

Disclaimer. Bevor ich mein Streitgespräch hier wiedergebe: Ich zitiere hier frei aus meinem Gedächtnis heraus, also alles sehr subjektiv und einseitig. Ich bin auch kein Jurist. Daher beim Lesen bitte immer daran denken: Ich kann etwas oder vieles falsch verstanden und auch falsch wiedergegeben haben. Weiterhin habe ich Dean Mortison informiert, dass ich über unser Gespräch und sein Verfahren blogge. Den Inhalt kennt er nicht (würde er vermutlich wieder komplett anders sehen und sich immer noch mit mir streiten und ich mitmachen).

Das Trauerspiel

Das Trauerspiel ereignete sich in der oberen Etage des Coffee Stores an irgendeinem Samstag Ende letzten Jahres, während draußen im Dunkeln stimmungsvoll die Lichter des Weihnachtsmarktes nichtsahnend leuchteten. Die Hauptrolle darin spielte der Thermomix® TM5, den Dean vor Monaten gekauft hatte (ich glaube, es war am Jahresanfang 2019).

Ich vermute, dass er damals schon juristischen Rat geholt hatte und dies mir gegenüber nicht preisgab, denn im Nachhinein sind seine Argumente erstaunlich nah bei den Argumenten seines Anwalts. Wieso er mir das nicht sagte und stattdessen sich mit mir stritt, sagt vielleicht etwas Besonderes über ihn aus: Dass er Recht haben möchte (ich auch;-). Kann er ja auch, warum allerdings verschwendet er dazu meine Zeit?

Wenn ich mich jetzt wieder daran erinnere, bin ich sauer auf ihn und nicht auf Vorwerk, denn die haben mir nichts getan. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf:

»Ich habe das Gerät nicht angenommen und zurückgeschickt.«

»Warum nicht?«

Weil das Nachfolgemodell TM6 nach knapp einem Monat nach seinem Kauf herausgekommen sei und er sich vor dem Kauf des TM5 erkundigt hätte, ob ein neues Modell demnächst herauskommen würde. Die Antwort der Repräsentantin sei etwas wie Nein gewesen – hier muss ich vorsichtig formulieren, denn daran, was sie gesagt hat, hängt das Urteil.

»Das ist ja eine Schweinerei!« Auch ich war empört. Bisher waren wir uns auch einig.

Er fühlte sich zu recht überrumpelt und getäuscht. Aber Recht haben und Recht bekommen sind leider zwei unterschiedliche Dinge.

Anleitung zum Unglücklichsein

»Wie bist du überhaupt darauf gestoßen?«

»Ich hatte so einen Verdacht, denn das gleiche gab es schon beim Modellwechsel vom Vorgänger auf das aktuelle Modell.«

Das ist ein Fuchs, dachte ich mir. Er hatte auf Facebook eine Gruppe gefunden, die darüber diskutierte und ebenso gab es eine Gruppe, die sich vom aktuellen Modellwechsel überrumpelt oder gar getäuscht sah (Stand 16.02.20). Mir fiel kurz ein Gedanke ein, den ich über das Unglücklichsein irgendwo aufgeschnappt hatte. Die beste Art sich nach einem Kauf eines Artikels unglücklich zu machen ist, nach weiteren Artikeln zu erkundigen, denn irgendwann stößt man unweigerlich auf ein besseres Produkt und/oder günstigere Angebote. In diesem Fall war er zu Recht angepisst und handelte. Ich musste an Fight Club denken, wo bestimmte Kosten gegen einander aufgerechnet wurden und dann entschied sich ein Unternehmen, welche Handlungsoption es auswählte. Also, desto mehr Verärgerung der Kunden, desto mehr Aufmerksamkeit, desto mehr Medien, desto informierte Verbraucher und hoffentlich am Ende ein im Sinne der Verbraucher handelndes Unternehmen.

Strategie und Geheimhaltung

In den Facebook-Gruppen, fuhr er fort, gäbe es Vermutungen, dass es bei Vorwerk Methode sei, weil sie Absatz-Probleme hätten und sonst die älteren Modelle nicht loswürden.

»Das kann man nicht nachweisen. Und auch, wenn ich es als Käufer moralisch verwerflich finde, alte Geräte kurz vor dem Erscheinen eines Neuen zu verkaufen, kann ein Unternehmen aus strategischen Gründen das Erscheinen von neuen Modellen geheim halten.«

Als Berater arbeitete ich bei diversen Unternehmen, die Geräte herstellten und verkauften. Erstaunlich häufig hörte ich von Dritten, dass das jeweilige Unternehmen den Veröffentlichungstermin nicht preisgab, weil geplante Termine wegen Fehler an der Hard- oder Software intern nicht gehalten werden konnten und verschoben werden mussten. Daher glaube ich, dass es im Interesse des Unternehmens liegt, nicht zu früh mit dem neuen Modell zu werben.

Natürlich ist das alles andere als verbraucherfreundlich und so sah es Dean auch und ging in den Angriffsmodus über, bei dem ich mich als Verteidiger der falschen Seite fühlte.

»Das Unternehmen muss informieren!«

»Nein, muss es nicht.«

»Doch!«

»Nein!«

Der Schaden

Und plötzlich befand man sich in einem ungewollten und völlig sinnlosen Streitgespräch, in dem ich zum Gegner wurde – genauer, als Verteidiger der Gegenseite. War und bin ich aber nicht. Man muss auch bei all den Emotionen sachlich bleiben. Mir war, ohne dass er es erwähnte, sofort klar, dass er klagen würde.

»Was ist denn dein Schaden?!« Jetzt blies ich zum Gegenangriff.

»Der Wiederverkaufswert.«

»Was?!« Jetzt war ich irritiert. »Das ist doch kein Auto!«

Ich schüttelte fassungslos den Kopf. Natürlich hatte er Recht, denn just in dem Moment, wo ein neues Gerät herauskommt, wird das alte Gerät billiger. Aber mich wurmte ein anderer Gedanke.

»Warum willst du es denn verkaufen?«

»Um mir ein neueres Modell zu kaufen.«

Ich hob langsam meinem Kopf und richtete zugleich meinen Brustkorb auf. Hatte ich das richtig verstanden?

»Du willst nach dieser Sache weiterhin einen Thermomix® von Vorwerk kaufen?!«

Er bejahte und erzählte von seiner geplanten Aktion, dass er das aktuelle Gerät gegen das Nachfolgemodell austauschen möchte.

»Moment, du fühlst dich verarscht, möchtest aber immer noch weiterhin bei Vorwerk kaufen?«

Ja.

»Aber damit bestätigst du doch Vorwerks Verhalten, Taktik oder nenn es wie du es willst.«

Ich schaute ihn mit großen Augen an. Ich konnte es immer noch nicht fassen.

»Du belohnst sie sogar, weil ihr Handeln keine Konsequenzen auf dein Kaufverhalten hat. Die kommen mit allem durch.«

Ich schüttelte den Kopf. Er auch. Er sah es komplett anders.

Das Gerät sei das Beste auf dem Markt und er hätte mit seiner Annahmeverweigerung und bevorstehenden Klage gezeigt, dass Vorwerk nicht einfach davonkommen könne.

»Sie kommen doch damit durch, weil du trotzdem ein Gerät von Vorwerk kaufst. Sie verlieren weder dich als Kunden noch den Umsatz.«

Drei relevante Aspekte

Und ab da begann der Punkt, an dem wir uns im Kreis zu drehen begannen. Wohlgemerkt, wir sind beide der gleichen Meinung was die Kommunikation mit dem Modellwechsel betrifft, aber juristisch glaubte ich nicht, dass er eine Chance hätte, denn ein Unternehmen muss m.E. keine Auskunft über ein bevorstehendes Nachfolgermodell geben. Zumindest aktiv. Wenn jedoch jemand nachfragt, sah ich drei Dinge wesentlich für den Erfolg einer Klage:

  • Was genau hat die Repräsentantin auf die Frage geantwortet
  • Wann genau wurde die Frage gestellt
  • Was bedeutet die Aussage der Repräsentantin als Handelsvertreterin in Bezug auf Vorwerk

Die erste Frage hielt ich für die Entscheidenste, denn, wenn die Repräsentantin gesagt hätte, es kommt kein Nachfolgemodell, wäre das falsch gewesen. Würde sie sagen, sie wisse es nicht, dann beträfe es meinen dritten Punkt: Was muss sie als Handelsvertreterin wissen. Hier konnte Dean keine genauen Angaben machen. Aber er bestand darauf, dass die Repräsentantin hätte den bevorstehenden Modellwechsel kennen müssen, weil Vorwerk ihr das hätte mitteilen müssen. Ich war da völlig anderer Meinung, denn wenn es sich um ein Firmengeheimnis bzw. eine strategische Entscheidung handelte, dann müsste es das Unternehmen niemanden mitteilen. Es musste nur richtig formuliert werden und das war die entscheidende Frage. Wer hat was gesagt? War es die Repräsentantin und sprach sie damit für Vorwerk oder formulierte sie ihre eigenen Gedanken.

Der Zeitpunkt der Frage war ebenso wichtig, denn erfolgte die Frage vor dem Kauf, hätte man seine Kaufentscheidung anders fällen können. Nach dem Kauf zu fragen sollte rechtlich keine Relevanz haben.

Was den letzten Punkt betraf, wusste ich nicht, was es bedeutete, eine Handelsvertreterin zu sein. Sie handelt für ein Unternehmen, ist jedoch rechtlich eigenständig. An diesem Punkt sagte ich, dass es passieren könne, dass die Repräsentantin den Schaden begleichen müsse und nicht Vorwerk.

Das Problem der anderen

»Das ist nicht mein Problem.«

Da war ich platt! Das fand ich mies. Ich meine, anderen moralisch verwerfliches Verhalten vorzuwerfen und dann selbst auf Kosten einer Repräsentantin zu seinem Gerät zu kommen, kann ich nicht nachvollziehen. Die Repräsentantin kann doch selbst nichts für das Vorgehen von Vorwerk. Dean verstand es auf unvergleichliche Weise, mich unnötig gegen sich aufzubringen.

An diesem Punkt rieben wir uns wie Reibekuchen an einem Reibeisen. Das klingt lustig, war es aber nicht. Wir drehten uns wieder im Kreis als würden wir einen Tanz tanzen, den wir weder tanzen wollten noch konnten. Und je mehr Runden wir drehten, desto angepisster wurde ich.

Bella saß da und sagte die ganze Zeit nichts. Jetzt schüttelte auch sie entnervt ihren Kopf. Ich hatte sie völlig vergessen! Eigentlich war ich hier im Coffee-Store zu einem Kaffeeklatsch mit ihr verabredet und freute mich richtig darauf. Aber diese kleine Freude war mich nicht vergönnt. Das nächste Mal, nahm ich mir vor, einfach ihm zu empfehlen, mit jemand anderem darüber zu reden. Leider hielt ich mich daran. Ich bin ebenso unbelehrbar.

Das Urteil

Dean sollte recht behalten und bekam einen Vergleich angeboten. Er konnte den TM5 gegen das TM6 tauschen. Nach über einem Jahr hatte er endlich das Gerät. War es das wert?

Zu dem Urteil hat sich sein Anwalt hier geäußert (Stand 16.02.20).

Ich habe seinen Text gelesen. Dort schreibt er, dass sein Mandant vor dem unterschriebenen Kaufvertrag nach dem Nachfolgermodell gefragt hätte.

Weiterhin hätte die Repräsentantin auf die Frage zum Nachfolgemodell antwortet, der Produktzyklus der Thermomix-Serie betrügt ca. 10 Jahre – vorher werde nichts kommen. Und hierin liege nach Angaben des Anwalts eine bewusste Täuschung des Verbrauchers vor.

Zur Rolle der Repräsentantin führt er aus, dass sie Handelsvertreter seien und somit rechtlich es so sei, als ob dem Verbraucher direkt Vorwerk gegenübersitzen würde.

Epilog

Über die Repräsentantin hörte ich, dass sie gekündigt hätte. Sie fände die Informationspolitik Vorwerk wohl nicht gut. Ihre Aussage entschied wohl darüber, dass Dean – besser seine Frau – nach mehr als einem Jahr, endlich den gelobten Thermomix® TM6 bekam.

Der Thermomix® scheint der Chuck Norris unter den Haushaltsgeräten zu sein. Da lohnt es sich wohl, so lange zu warten und vielleicht schmeckt es daher noch besser. Es ist der Geschmack des Sieges;-)

Mir allerdings ist der Appetit vergangen.

Quellen & Links

Thermomix® – Homepage
URL: https://thermomix.vorwerk.de/home/, Stand 16.02.20

Thermomix® TM5 – Homepage
URL: https://thermomix.vorwerk.de/thermomix/tm5/, Stand 16.02.20

Thermomix® TM6 – Homepage
URL: https://thermomix.vorwerk.de/thermomix/tm6/, Stand 16.02.20

stern-online: »Vorwerk im Shitstorm: „Arglistige Täuschung“? Kunden sind sauer auf Thermomix – das sagt der Hersteller«
URL: https://www.stern.de/wirtschaft/news/thermomix-tm6-im-shitstorm–warum-kunden-vorwerk-verklagen-wollen-8617808.html, Stand 16.02.20

WDR-Mediathek: Lokalzeit Bergisches Land | 29.01.2020
URL: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-bergisches-land/video-lokalzeit-bergisches-land—478.html, Stand: 30.01.20

WDR-Mediathek: » Thermomix: Klage gegen Vorwerk abgewiesen«, Lokalzeit Bergisches Land | 09.01.2020
URL: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-bergisches-land/video-thermomix-klage-gegen-vorwerk-abgewiesen-100.html, Stand: 16.02.20

karimi.legal: »Vorwerk verliert erstmals Thermomix®-Prozess«
URL: https://www.karimi.legal/2020/01/vorwerk-verliert-erstmals-thermomix-prozess/, Stand 16.02.20

Facebook-Grupp: »Individualklagen gegen Thermomix Tm5 Tm6«
URL: https://www.facebook.com/pg/IndividualklagenThermomix/reviews/?referrer=page_recommendations_see_all&ref=page_internal, Stand 16.02.20

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