Woher meine Photoshop-Skills kommen

Sonntag, 09.06.19. Bielefeld.

Ich wurde zu einer Zeit geboren, da gab es kein Facebook, WhatsApp, Instagram, Twitter, Snapchat etc. Also wurde ich auch nicht mit dem nötigen Aussehen oder Body ausgestattet – über die Tippfinger verfüge ich auch nicht, ich treffe häufig den Buchstaben daneben. Daher beneide ich die gutaussehenden, sportlichen Menschen beispielsweise auf Instagram. Gab es jemals zuvor so viele schöne, durchtrainierte und sich gesund ernährende Menschen?

Bei mir ist es leider so: Egal, was ich mache, ich sehe nur in einem bestimmten Winkel gut aus und dieser wird von Jahr zu Jahr immer kleiner bis irgendwann vermutlich nur ein Spalt übrigbleibt. Mein Gesicht, mein Körper (und einige meinen, in meinem Kopf) ist voller Schönheitsfehler.

Woher meine Photoshop-Skills kommen
>> Ich auf Instagram

Es gibt Tage, da stehe ich morgens vor dem Spiegel und diese Fehler lächeln mir zu – und das passiert immer häufiger. Also die hohen Geheimratsecken, die euphemistisch wie ein Adelstitel klingen. Die neueröffneten Stellen auf meinem Kopf, die für mehr Vitamin-D-Zufuhr von der Sonne sorgen, wo einst Haare waren. Die Falten, die sich wie die Krallen von Hühnern immer weiter und tiefer in mein Gesicht hineingraben und dabei schmilzt mein Gesicht nach unten hin weg, um sich dort unten am Hals zu einem Truthahn zu sammeln (über das, was weiter drunter passiert, will ich erst gar nicht sprechen).

An diesen Tagen wünsche ich, ich müsste eine Kopfbedeckung tragen oder gleich alles verhüllen.

Das ist auch der Grund, weshalb ich ganz gute Photoshop-Skills über die Jahre entwickelt habe. Reine Notwehr! Bei meinem Titelbild »Body and Mind unter Construction« für diesen Artikel kann man das Ergebnis ganz gut sehen, finde ich. Richtiger Winkel, graphisch aufbereitet. Auf Instagram ist es derzeit sogar mein meist-geliktes Bild. Ja, ich bin eine Photoshop-Schönheit.

Das eigentlich Absurde ist, ich wollte über mein Joggen schreiben! Denn heute lief ich die gleiche Strecke von etwas mehr als acht Kilometern fünf Minuten schneller als gestern. Gestern waren es 50 harte Minuten, die ich kaum schaffte. Doch heute lief ich ohne Vorwarnung und zu meinem eigenen Erstaunen los wie ein junger Gott. Viel zu schnell. Ich hätte es durchgehalten, denn es fiel mir irritierend leicht.

Aber mir geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um die Dauer. Mein Ziel ist es, eine volle Stunde oder zehn Kilometer zu laufen. Doch Joggen war noch nie meine Stärke (hier etwas über den Verlust meiner Kondition oder hier etwas über mein gestörtes Laufen).

Egal. In ein paar Jahren, wenn ich mein jetziges Ich sehen werde, werde ich mich selbst beneiden und mir wünschen, wieder so auszusehen wie jetzt…

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