Meine Lesegeschwindigkeit für »Der Report der Magd«

Donnerstag, 23.01.20. Bielefeld.

Beim Literarischen Quartett im ZDF hat mich von jeher die Menge der gelesenen Bücher von den einzelnen Teilnehmern des Quartetts beeindruckt. Wann haben sie die Zeit, so viele Bücher für diese Sendung zu lesen und sich all die Details zu merken?! Das sind Profis dachte ich mir.

Aber einmal in der Welt konnte ich diesen Gedanken nie wirklich loswerden. Wann immer ich im Internet – wo sonst? – auf Seiten von Leseratten treffe, also Lesern, eigentlich Leserinnen, denn es sind vorwiegend Frauen, die sehr viele Bücher lesen, taucht plötzlich diese Frage wieder auf, als wäre sie nie fortgewesen. Auch bei den Hobbylesern beeindruckt mich nicht nur die Menge ihrer gelesenen Bücher, sondern auch wie viele sie in kurzer Zeit schaffen. Also doch nicht eine Sache der Profis?

Also stellte ich mir selbst die Frage, wie lange ich für das Lesen eines Buchs brauche und ob ich nicht einfach ein viel zu langsamer Leser sei, auch wenn schnelles Lesen niemals mein Ziel war und ist. Ich nahm mir vor, meine gesamte Lesezeit zu stoppen und das Ergebnis überraschte mich.

Wie ich lese

Ich bin nämlich ein sehr langsamer Leser aus verschiedensten Gründen, denke ich. Ab und zu unterbreche ich das Lesen, denke darüber nach, unterstreiche gelungene Sätze und im besten Falle ragen von mir dünngeschnittene Post-its® an den Rändern der Seiten wie bunte Fahnen heraus, damit ich sie später wiederfinde.

Im ungünstigsten Fall kann ich nicht allzu lange stillsitzen, um das Buch weiterzulesen. Die Schuld gebe ich dem Buch, denn dann fesselt es mich nicht. Oder ich schlafe beim Lesen ein. Ok, das liegt hauptsächlich an mir, nein, vielmehr an dem Schlafverhalten meines Körpers.

Und dann neige ich dazu, zu viele Bücher gleichzeitig zu lesen. Mindestens zwei bis drei Bücher lese ich parallel, was die Lesezeit für ein Buch weiter ausdehnt.

Start und Ende eines Buches

Bevor ich auf die Idee kam, meine Lesezeit, also die Dauer, zu erfassen, erfasste ich bereits meinen Lesezeitraum mit dem Lesestart- und -enddatum.

Das Startdatum trug ich schon seit ich mich erinnern kann, in das Buch ein. Und irgendwann begann ich, das Datum einzutragen, wann ich es zu Ende las. Es ist wie das Geburts- und Sterbedatum, also jene Zeitspanne, in der das Buch in meinem Geist gelebt hat. Und jetzt, als Steigerung, habe ich meine Lesezeit gestoppt.

Meine Lesegeschwindigkeit

Mein erstes Buch, bei dem ich meine Lesezeit von Anfang bis Ende gestoppt habe, ist »Der Report der Magd« von Margaret Atwood (Amazon Werbelink). Das Buch erschien im Piper-Verlag im Oktober 2019 in der 10ten Auflage und ist 412 Seiten stark.

Ich las das Buch in 13 Tagen vom 11. – 23.01.20 und notierte mir im Buch meine (Zwischen-)Zeiten:

  • 02:18:25,32 auf Seite 100
  • 04:24:44,44 auf Seite 200
  • 06:44:55,62 auf Seite 300
  • 09:12:09,14 auf Seite 412

09:12:09,14

Meine Zeiten haben mich überrascht – natürlich im positiven Sinne, denn ich selbst hätte mich für viel langsamer gehalten. Ich benötigte ca. 2 Stunden und 20 Minuten pro 100 Seiten und schaffte ein Buch in knapp 9 Stunden. Für mich bedeutet das, dass ich ein Buch an einem Wochenende durchlesen könnte, sofern ich es wollte und mich von nichts ablenken ließe.

Keine Rezension

Was das Buch selbst betrifft, so verweise ich die Rezension in Denis Schecks eigenwilligen Kanon mit den 100 wichtigsten Werken der Weltliteratur (hier mein Amazon Werbelink zum Buch »Schecks Kanon«). Er schreibt (S. 313):

»Atwoods Roman besteht darin, Leserinnen und Leser in unserer Gegenwart für Erscheinungen zu sensibilisieren, die der Zukunft in Der Report der Magd ähneln. Dazu zählt etwa der teuflisch gut organisierte Protest gegen Ärzte, die Abtreibungen vornehmen. […]
Margaret Atwood erzählt in ihrem Original 1985 erschienen Roman mitreißend und beklemmend von einer Zeit, die etwa durch den Islamischen Staat unserer Gegenwart eher näher als ferner gerückt ist.«

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