Ein unglaublicher Trip für mehrere Leben

Samstag, 25.05.19. Hopper Hotel in Köln.

Ich sitze am Frühstückstisch mit einem frisch duftenden Milchkaffee, Rührei und zwei Sesambrötchenhälften. Während ich die eine Hälfte langsam mit Butter (nicht Margarine) bestreiche, fragt mich ein Kollege, den ich erst neu kenne, ob ich jetzt etwas wehmütig werde, denn bald wechsle ich zu meinem neuen Arbeitgeber und das ist somit das letzte Team-Event bzw. generell ein Firmenevent bei meinem jetzigen Arbeitgeber als Mitarbeiter.

Mehr als acht Jahre als IT- und Prozessberater in der Automobil-Branche liegen hinter mir. Fast fünf Jahre davon verbrachte ich jede Woche in Hotels. Das hatte seine Annehmlichkeiten. Jeden Morgen ein üppiges Frühstück, das sich schnell auf die immer gleichen, favorisierten Essensteile reduzierte. Kaffee. Rührei. Brötchen mit Butter. Jeden Abend ein sauberes Zimmer, ein sauberes Bad, ein frischbezogenes und duftendes Bett. Ich wurde bedient und wäre da nicht die Arbeit, käme ich mir wie ein verwöhntes Kind reicher Eltern vor.

Ja, im Rückblick verklärt sich einiges.

Innenhof des Hopper Hotels in Köln
Innenhof des Hopper Hotels in Köln

Es waren nicht nur viele Aufenthalte in diversen Hotels, sondern ich bereiste auch viele Städte. Neben den projektbedingten Reisen kamen noch die Firmenveranstaltungen hinzu. Als büro- und heimatloser Berater sind diese wenigen Firmenzusammenkünfte wichtig für die Firmenbindung. Aber, in der Woche zu arbeiten und zum Wochenende hin an einem Event teilzunehmen, das war nicht leicht. Daher hatte ich meistens keine Lust dazu, denn dann war ich eine ganze Woche kaum zu Hause. Aber dann war ich doch froh, teilgenommen zu haben. Einige dieser Events waren besondere Ereignisse auf gehobenem Niveau.

An meinem ersten Firmenevent bei dieser Firma nahm ich bereits teil, bevor ich hier anfing. Ich wurde freundlicherweise nach Garmisch-Partenkirchen zum Skifahren eingeladen. Das war auch das erste und bisher letzte Mal, dass ich Ski gefahren bin – ich bin eher der Strandtyp. Dennoch ein sehr schönes Wochenende.

Danach folgte ein Wochenendausflug nach Barcelona (Spanien). Wir übernachteten im atemberaubenden W Hotel und die Party im obersten Stock war so legendär, dass die Firma daraufhin nie wieder ein solches Event für seine Mitarbeiter veranstalten wird. (Ich bin nicht sicher, ob überhaupt darüber geredet werden darf, denn was in Barcelona passiert, bleibt in Barcelona.)

Es folgten diverse Events in nahezu jeder bekannten Stadt (Bilder verlinken zu meinem Instagram-Account) : Barcelona, Berlin, Bielefeld, Braunschweig, Essen, Frankfurt, Freiberg, Garmisch-Partenkirchen, Gütersloh, Hamburg, Hannover, Köln, Langenargen am Bodensee, Ludwigsburg, München, Nürnberg, Sonthofen im Allgäu, Stuttgart, Willingen im Sauerland, Wolfsburg, Zuffenhausen.

Wohlgemerkt, diese Reisen fanden neben meiner Arbeit in internationalen Projekten statt, wo ich zusätzlich von einem Kontinent zum anderen reiste (z.B. von Puebla nach Seoul).

Die Größe der Events wuchs mit der Anzahl der Mitarbeiter, die rasant stiegen und noch steigen, um dann aufgrund der schieren kaum handhabbaren Größe – wir mussten am Ende mehrere Hotels einer Stadt buchen – wieder in kleinere Einheiten zu zerfallen.

»Eigentlich«, sage ich zu meinem Kollegen, »nicht.«

Ich war die letzten Jahrzehnte als Berater sehr viel unterwegs und habe viel erlebt und das war eine tolle Zeit. Ich bereiste über 40 Städte auf drei Kontinenten (weil ich nicht so viel reisen wollte). Fuhr bis zu 30 Neuwagen (Leasing/Mietwagen).

Im Rückblick waren das tolle Jahre mit wunderbaren Kollegen – ein unglaublicher Trip für mehrere Leben! Und ich möchte es nicht missen. Aber die letzten drei Jahre verbrachte ich nahezu alleine bei einem Kunden direkt bei mir um die Ecke. Heimschläfer nennt man das. Und dann lernt man auch, nach anfänglichen Annäherungsschwierigkeiten, das einfache Zuhause wieder kennen und zu schätzen.

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