Ans Bett gefesselt

Mittwoch, 12.06.19. Bielefeld.

Ich werde alt – ach, wem mache ich etwas vor: Ich bin alt! Seit gestern Morgen ist es jetzt offiziell. Es geschah im Bett, dem Ort, wo die Nacht, mein Schlaf und ich aufeinandertreffen. Wir drei waren noch nie wirklich Freunde, deshalb fühle ich mich häufig nach dem Aufwachen so, als wäre eine Horde wildgewordener Affen boxend durch mein Gesicht getrampelt und hätte eine kaputte Landschaft hinterlassen.

Dann stehe auf wie ein Untoter und ich weiß nie, ob die Dielen unter mir krächzen oder ich unter meinem Körper. Doch als ich gestern mich im Bett aufrichtete, um aufzustehen, schossen hunderte kleiner heißer Nadeln in den unteren und mittleren Bereich meines Rückens.

Ein lautes »Woooohau!« und eine gehörige Portion Adrenalin hätten mich fast aus dem Bett katapultiert, so plötzlich und stark kam der Schmerz. Der Schmerz bremste mich jedoch abrupt ab und die Schwerkraft zog mich hinab. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich nicht in der Lage, mich weiter aufzurichten und drohte, wieder zurück ins Bett zu fallen.

In diesem kurzen Moment des Schocks kam mir panikartig eine Erinnerung und sofort der Gedanke an mein Smartphone:

Wo ist es?

Direkt neben mir auf dem Nachttisch.

Kann ich es erreichen, wenn ich nicht aus dem Bett komme?

Weiß ich nicht.

Die Erinnerung handelte von einer Geschichte eines Arbeitskollegen, der über einen häuslichen Zwischenfall im Bett seines ehemaligen Kollegen erzählte.

Die Geschichte eines Kollegen vom Kollegen

Sein Kollege in weit höherem Alter als ich, versuchte eines morgens, aus dem Bett aufzustehen. Doch ein stechender Schmerz im Lendenwirbelbereich machte ihn komplett bewegungslos und fesselte ihn unfreiwillig ans Bett. Hexenschuss. Also blieb er liegen.

Zunächst lenkte und beschäftigte ihn der Schmerz, da dachte er noch, es ginge bald vorbei. Doch es änderte sich nichts. Also versuchte er, sich ein wenig zu drehen, dass er an sein Smartphone herankommen konnte, aber an Bewegung, an irgendeine Form von geringster Bewegung seines Oberkörpers war nicht zu denken. Der Schmerz maßregelte ihn sofort mit noch mehr Schmerz.

Also wartete er ab und die Stunden vergingen und sie vergingen noch nie so langsam, denn er hatte keine Uhr von der er die Zeit ablesen konnte, während sich seine Kollegen auf der Arbeit, so erzählte es mir mein Kollege, fragten, warum er nicht da sei, kümmerten sich jedoch nicht weiter darum, warum auch. Vielleicht kommt er später, vielleicht ist er krank. Wer denkt an etwas Schlimmes?!

So lag er allein zu Hause im Bett, völlig hilflos und konnte nichts machen, außer warten, bis irgendjemand vorbeikam. Zu seinem Glück arbeitete seine Frau nur halbtags. Als sie heimkam fand sie ihren Mann zu ihrer Überraschung zu Hause und immer noch im Bett liegend vor. Er hatte sich eingenässt.

Allein und hilflos

Diese Geschichte hatte mich damals beeindruckt, weil ich mich sofort fragte, wie häufig es vorkommt, dass Menschen alleine zu Hause hilflos herumliegen – vielleicht sogar bewusstlos – bevor sie jemand fand. Vor allem, dachte ich mir, dürften ältere Frauen davon betroffen sein, weil sie länger als ihre Männer lebten.

Der Mutter meines Vermieters war etwas Ähnliches passiert. Glücklicherweise war ihr Sohn sofort zur Stelle. Sofort musste ich an meine Mutter denken. Zum Glück ist meine Schwester immer bei ihr! Ich wüsste nicht, was ich sonst machen würde – doch, eine Kamera bei ihr montieren, ihr Alexa kaufen und einen Tracker für ihren Arm besorgen!

Mein Rückenproblem

Ich ließ mich langsam wieder ins Bett fallen, drehte mich zur Seite und richtete mich auf. Es klappte, jedoch spürte ich meinen Rücken bei jedem Schritt. Also legte ich mich auf die harten und kühlen Holzdielen. Das fühlte sich gut an. Dann streckte ich mich auf Rücken liegend aus. Das tat gut. Anschließend hob ich meinen Kopf und begann, ein paar Situps zu machen.

Am Vorabend hatte ich es mit dem Rückentraining zu Hause übertrieben. Zu viele Klimmzüge an der Stange am Türrahmen, gefolgt vom Rudern mit der Langhantel im Stehen. Ich war ein wenig übermotiviert und bekam Muskelkater. Wann ich zuletzt am Rücken Muskelkater hatte, daran erinnere ich mich gar nicht mehr. Ich sage es ja, ich bin alt.

Eine weitere Bettgeschichte

Es gibt da eine weitere Geschichte, an die ich auch gedacht habe. Sie handelt von Stephen Kings Roman »Das Spiel«, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.