Ruhetag.

Sonntag, 21.04.19. Bielefeld.

Die Nacht war laut. Es ist keine gute Idee, das Schlafzimmer auf die Straßenseite zu legen. Ein Konstruktionsfehler, der gleich mit johlenden Leuten bestraft wird. Im Halbschlaf nahm ich alberne Rufe von Männern und Frauen wahr. Ein Paar unterhielt sich sogar direkt vor meinem Fenster, glaube ich, denn es klang so, als stünden sie direkt in meinem Schlafzimmer. Ich befand mich im Halbschlaf und erinnere mich, wie ich versuchte zu verstehen, worüber sie sich stritten. Auch wenn ich sie deutlich verstanden hätte, als ich heute Morgen aufwachte, schafften ihre Worte es nicht in den Tag. Nur eine Erinnerung an Menschen, die zu laut redeten.

Etwas zerknittert überlege ich, den Tag dennoch gut zu starten. Ein gutes Training wird mir dabei helfen. Also mache ich mich gegen 10 Uhr auf den Weg zum Fitness durch sonnendurchflutete Straßen, auf denen kaum jemand fährt. Die Ruhe und die Klarheit des Morgens, das ist schön.

Und mein Training verläuft wirklich gut! Seitdem ich wieder 1 – 2x die Woche zum Fitness gehe, fühle ich diesen Kick und schaffe bessere Ausführungen mit mehr Gewichten. Nach beachtlichen eineinhalb Stunden fahre ich ausgepowert nach Hause. Genug Zeit, ein wenig meine aktuelle Serie auf Netflix zu schauen: »Good Wife«.

Gestern überraschte mich die 5te Staffel mit einem traurigen Ereignis. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es mir so nahe geht. Die ersten Folgen der 1sten Staffel fand ich ein wenig zu kurz bzw. zu schnell mit dem Lösen von Fällen und zugleich ein wenig langsam. Ich stand noch zu sehr unter dem Eindruck von »SUITS« – Gabriel Macht als Harvey Specter ist eine wirklich coole Sau! Doch jetzt gefällt mir die Serie, man muss ihr nur Zeit geben. Sie ist fesselnd, menschlich und häufig nervenaufreibend. Das Schicksal der Menschen darin reißt mich mit. Ich bin auch über die vielen aktuellen Themen darin überrascht.

Anwaltsserien mochte ich schon immer.

Begonnen hatte es bereits 1998 mit der Serie »Ally McBeal«, einer sympathisch chaotischen Frau, an die ich immer denken muss, wenn ich mal eine Folge mit der aufgedrehten und zuweilen albernen Jess von »New Girl« sehe. Erstaunlicherweise gibt es auch bei Ally McBeal in der Anwaltskanzlei eine Art Dreiecksbeziehung zwischen Ally und ihrer Jugendliebe Billy. Bei Alicia in Good Wife nimmt Will Gardner diesen Part ein. Inwieweit diese Parallele reicht, habe ich nicht weiterverfolgt. Interessant finde ich die Ermittlerin Kalinda, die im Grenzbereich agiert und selbst in den Abgrund geblickt zu haben scheint. Was es auch immer ist, sie umweht etwas Geheimnisvolles, Gefährliches und das Sexuelle spielt auch eine Rolle. Es wundert mich, dass es kein Spin-off mit ihr gibt, eine eigene Serie mit ihr als Ermittlerin.

Jetzt verfolge ich die 6te Staffel, die für meinen Geschmack ein wenig rasant, überdreht und durcheinander ist. Vielleicht sehne ich mich nach ein wenig Ruhe.

Abends spüre ich Nachwehen vom Training. Normalerweise habe ich erst am nächsten Tag und manchmal wundersamer Weise am übernächsten Tag Muskelkater. Mein Körper fühlt sich überbeansprucht an. Er wird alt. Mein Kopf widersetzt sich diesem Prozess – ich war schon immer älter als ich mich fühlte. Aber wem geht es nicht so?! Daher: Weitermachen!

Was die Serie betrifft, ist das kein Problem, oder doch? Es gibt nämlich ein Problem bei Serien, die einem ans Herz gewachsen sind: Die Traurigkeit kommt spätestens am Schluss mit der letzten Folge.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.