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Wie Facebook mich bestrafte

Der wahre Charakter eines Menschen zeigt sich im Umgang mit den Fehlern anderer Menschen. Das gilt nicht für Maschinen.

Facebook machte im Jahre 2014 falsche Angaben bei der Übernahme von WhatsApp.

Dafür erteilte ihm die EU-Kommission eine 110 Millionen Euro Strafe.

Für uns Normalsterbliche klingt das nach einer unfassbar hohen Geldstrafe, jedoch kam Facebook dank Kooperation mit der Kommission milde davon. Denn die Strafe beträgt normalerweise ein Prozent des Jahresumsatzes, der 2016 bei 248 Millionen Euro lag. Damit hatte Facebook keine 0,5% zu zahlen. Facebook will die Strafe zahlen. Auswirkungen auf die Fusion mit WhatsApp hat es keine.

Das klingt doch alles sehr partnerschaftlich, fair und gesittet.

Wisst ihr, wie Facebook reagierte, als ich falsche Angaben gemacht hatte?!

Ausgeliefert an eine kalte Logik einer Maschine

Vor Jahren gab ich als meinen Profilnamen »Hölderlin« an (ja, ich bin ein Romantiker).

Eigentlich kenne ich bis heute nicht den wahren Grund, ich spekuliere nur. Denn ich wurde nie vorgewarnt, noch erhielt ich im Nachhinein eine Antwort, eine Erklärung – ich war völlig der kalten Logik einer Maschine ausgesetzt, die mich willkürlich ausgewählt hatte und mit der ich nicht reden konnte.

Trotzdem fand ich diese »Lektion« sehr lehrreich, bestätigte sich mein Misstrauen gegenüber Seiten, die unkontrolliert sich in unser Leben schlichen und alles aufsaugten.

Aber der Reihe nach.

Facebook sperrt mich plötzlich aus

Ich wechselte nur widerwillig zu Facebook. Das Ende von studiVZ kam.

Auf studiVZ interagierte ich mit anderen Gleichgesinnten. Facebook hingegen erschien mir seltsam anteilnahmslos, wo jeder für sich war und sich zur Schau stelle, um von anderen bewundert zu werden.

Und doch passierte etwas auf Facebook, das mich stark irritierte – so egal schien es mir dann doch nicht zu sein.

Über ein Jahr nutzte ich bereits Facebook als ich mich eines Tages anmeldete und ein unerwarteter Text in einem roten Kasten mich unsanft begrüßte.

»Konto gesperrt« stand dort.

Ich las den Text, und es klang für mich außerirdisch.

»Dein Konto wurde gesperrt. Solltest du Fragen oder Bedenken haben, besuche bitte unsere FAQ-Seite hier.«

Ich las mir diesen Satz wiederholt durch. Verstand ihn wieder nicht. Klickte den Link, verstand ihn auch nicht. Ich hatte nur eine einzige Frage: WAS SOLL DER SCHEIß?!

Ausgeschlossen

Ich brauchte eine Weile bis ich begriff: Facebook hatte mich ausgesperrt O H N E jegliche Vorwarnung!

Aber warum?!

In einem unkontrolliert kurzen Moment stockte mir der Atem, weil ich mich an die Tür zu meiner Stammdisco versetzt fühlte.

Aber das hier war schlimmer!

Es war, als stünde ich vor meiner Haustür und jemand hatte mein Schloss ausgetauscht.

Ich lernte eine neue Form des Ausgeschlossenseins kennen.

Ich hatte keinen Zugang mehr auf mein Profil, meine Bilder, meine Nachrichten, auf meine Freunde: auf mein fein sozial eingerichtetes Leben im virtuellem Raum von Facebook.

Ich atmete tief durch.

Dachte nach.

Warum wurde ich ausgesperrt?

Warten und die Geburt einer Idee

Irgendwo in den FAQs tauchte irgendetwas mit falschen Namen auf. Ja, mein Profilname lautete »Hölderlin« und ich heiße »Hakan«. Irgendwo fand ich einen Link, um einen echten Namen anzugeben. Das tat ich dann auch.

Doch nichts passierte.

Nach einem Tag: keine Anmeldung möglich.

Nach dem zweiten Tag: keine Änderung.

Dann kam mir eine Idee, so wie das immer der Fall ist, wenn Menschen zu viel Zeit haben: Was hält mich davon ab, ein neues Profil zu erstellen?

Antwort: Nichts!

Innerhalb von zwei Stunden hatte ich das gleiche Profil eingerichtet und alle meine Freunde wieder (alles, was ich veröffentliche, habe ich als Kopie auf meiner Festplatte. Die Idee eines Profils aus einer Vorlage eines bestehenden Profils zu erstellen schienen dann auch andere aufgegriffen zu haben, allerdings mit geklauten Inhalten).

Eine oder zwei Wochen später meldete ich mich auf meinem ersten Profil wieder an und kam wieder rein!

Aber ich freute mich nicht. Das Profil gefiel mir nicht mehr.

Das neu eingerichtete Profil war wie eine neue Wohnung, schöner und sauberer. Ich ließ das alte Profil unbenutzt. Es leistete mir dennoch gute Dienste und lenkte ungewollte Menschen, die mich anhand meines Namens suchten, darauf. Mein neues Profil blieb verborgen.

Was mich Facebook lehrte

Ich versuche, immer etwas für mich mitzunehmen, sprich daraus zu lernen.

Facebook lehrte mich in einem frühen Stadium, mich niemals zu sehr an etwas Virtuelles zu binden, um nicht zu sehr davon abhängig zu sein.

Ich sehe mich als ein Gast mit fragilem Besuchsrecht, der die Räume sauber und aktuell hält. Ich als Nutzer bin ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck, eine Werbefläche mit Konsumhintergrund.

Das klingt sehr banal. Aber als ich vor meinem gesperrten Profil stand, fiel ein Teil der Kommunikation meines sozialen Lebens aus. Im ersten Moment war ich geschockt (auch wenn ich es im Nachhinein als Schwachsinn abtue).

Wenn ich mir unter diesem Eindruck die Jugend von heute vorstelle, die nicht wie ich eine Zeit vor Facebook & Co. kennen, dann dürfte das Aussperren aus einem sozialen Netzwerk wie Facebook (oder eher Snapchat) massiven Eindruck machen, und damit dem Nutzer eindrucksvoll klar werden, wer hier das Sagen hat. Jetzt kann jeder für sich entscheiden, ob Facebook Macht über Menschen hat und damit Verantwortung trägt.

Weiterhin zwang Facebook mich, selbst eine Lösung für mein Problem zu finden, weil sie zu langsam waren. Egal, wo ich auch immer ausgesperrt werden würde, ich bin in der Lage innerhalb kurzer Zeit alles neu (und vielleicht besser) wieder herzustellen bzw. nachzubilden. Meine lokale Ablage meiner virtuell geteilten Inhalte wie Fotos, Texte etc. baute ich in der Zwischenzeit weiter aus.

Für mich gibt es keine Privatsphäre auf sozialen Netzwerken. Wenn ich etwas poste, dann nie privat, sondern immer öffentlich und – so gut es geht – nicht exklusiv, sondern auf Facebook, Twitter, Pinterest, Instagram etc. und natürlich auf meinem Blog.

Nutzen von Facebook

Trotz allem bin ich immer noch auf Facebook. Ebenso wie Facebook mich, meine Daten und meine Aufmerksamkeit nutzt, nutzte ich seine Popularität, seine Funktionen und Reichweite, um meinen Blog zu promoten.

Dabei ist mir immer bewusst: Facebook und andere Netzwerke sind nicht sozial.

Wer braucht Facebook & Co.

Facebook kann auf mich verzichten. Ebenso gut kann ich ohne Facebook & Co. leben – ich brauche es nicht.

Zuckerberg hingegen will die Welt retten und mit Facebook die Welt zu einem besseren Ort machenförderte Facebook nicht die Radikalisierung?

photo credit: pixabay (CC0 Public Domain)


12 Kommentare zu “Wie Facebook mich bestrafte”

  1. Wie Facebook mich bestrafte und mich aussperrte ohne Vorwarnung… fxhakan.info/2017/05/wie-fa… via @Hakan_Civelek

  2. Hallo Herr Hölderlin!
    Ist heute Social-Media-Abkotz-Day? 😉
    Schon arg, was Du da erlebt hast. Unverschämt einerseits, aber auch kaum überraschend. Facebook eben. Ich mag das gar nicht mehr und nutze das nur noch wie Du – um den Blog zu promoten, und wegen ein paar Gruppen und als Veranstaltungskalender. Anders bekommt man da ja mittlerweile leider nur noch wenig mit, zumal viele kleine Organisatoren lieber einfach FB nutzen als etwas für einen Eintrag bei Stadtmagazinen zu zahlen. Das sind die wenigen Gründe, warum ich mich von dem Käse noch nicht abgemeldet habe.
    Letztlich liegt ein verantwortungsvoller Umgang mit möglichst wenig Abhängigkeitsgefühl bei jedem Einzelnen – wie Du ja auch sagst. Und die Teenager snappen wohl lieber und wenn die jetzt eh alle in der Schule schon Programmieren lernen, basteln die sich hoffentlich bald ihr eigenes Ding.

    Schönen Abend noch!
    Miriam

    • Hallo Miriam,
      danke für die schöne Ansprache 😉

      Ich sehe, du hast dich auf deiner Seite über Instagram ausgelassen😀
      (URL: http://auxkvisit.de/instagram-algorithmus-algoshitmus/, Stand 25.05.2017)

      Den Artikel plante ich schon seit letzter Woche, nur heute hatte ich die Ruhe und Zeit – also ein netter Zufall.

      Ich sehe es gelassen, beobachte und kommentiere das (hoffentlich) kritisch und ohne beleidigter Attitüde. Es ist wie immer das Selbstbild vs. Fremdbild, das, was man gerne wäre und das, was man ist. Daher ist ein verantwortungsvoller und bewusster Umgang wichtig.

      Danke, wünsche ich dir auch!