Dient die Maschine mir oder bediene ich die Maschine?!

Die völlige Unterwerfung der ahnungslosen Menschheit durch die Maschinen geschieht viel subtiler und lautloser als wir uns es je zu träumen wagten. Und sie ist bereits in vollem Gang. Der erste Schritt beginnt mit Automatisierung, die Ersetzung der Menschen durch Maschinen. Erst in kleinen Schritten, jedoch unaufhaltsam bis im zweiten Schritt die gnadenlose Eliminierung des Menschen möglich wird. Die Maschine ersetzt den Menschen. Dies hat unausweichlich die Auslöschung von Alternativen zur Folge: Wir sind der Maschine ausgeliefert. Die Maschine zwingt uns ihren Algorithmus auf. Eine Abfolge von festgelegten Schritten, die wir strikt einzuhalten haben. Wenn wir davon abweichen, sind wir schuld. Die Maschine ist kompromiss- und gnadenlos.

Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt!

Heute stand ich wieder vor so einem Automaten. Ein schnöder Metallkasten in lustlosem Rot und einem gefräßigen Loch auf Augenhöhe. Es war Zahltag. Wochenlang hatte ich leere PET-Flaschen auf diesen Moment hin gespart.

Diese Öffnung, an dessen Rändern feuchtes Papier herpesartig herab hin – die Maschine konnte nichts dafür, dass jeder sein Zeug hineinstecken konnte –, diese Öffnung also hatte drei simple Aufgaben: die Flasche aufnehmen, die Flasche plattwalzen und einen festgelegten Betrag dem Kunden gutschreiben. Doch diese Maschine, vor der ich stand, war an diesem Tag nicht gut drauf. Sein Kumpel rechts daneben hatte bereits den Container voll und war nicht mehr ansprechbar (auch Maschinen haben ihre Probleme und Laster). Also spuckte dieses Ding einfach meine Flasche in meine Richtung aus.

Bitte Flaschen ohne Flüssigkeit einwerfen.

In der Flasche befand sich ein letzter Schluck, der durch die Rotation der Maschine während des Scannens gleichmäßig in der Innenseite verteilt wurde.

So penibel konnte dieses Ding doch nicht sein. Ich versuchte es erneut.

Behutsames Reinschieben.
Rotation mit Auswurf.
Erneutes Hineinschieben.
Gleiche Rotation mit gleichem Ergebnis.
Hineinschleudern der Flasche. Ich bin hier der Kunde!
Ein unbeeindrucktes Drehen der Flasche. Wieder hinausbefördert.

Rotation. Scannen. Du kommst hier nicht rein! Nein, ich wurde nicht diskriminiert, weil ich kein Stammgast war oder Turnschuhe trug. Vor der Maschine sind alle Menschen gleich. Immerhin. Aber so einfach ließ ich mich nicht trösten. Was also willst du?!

Also nächste Flasche reinstopfen. Das gleiche Spiel. Aller guten Dinge sind drei. Nur kannte die Maschine diesen Spruch nicht und reagierte unbeeindruckt.

Wir schauten uns eine Weile an. Niemand sagte etwas. Ich hörte die bereits zerquetschten Flaschen knistern. Zum Glück stand niemand hinter mir.

Ok, sagte ich, denn ich wollte nicht so dickköpfig wie diese Maschine sein und begann fast schon zärtlich mit einem Friedensangebot zu menscheln.

»Soll ich die Flaschen vorher föhnen, damit du sie danach einfach platt machen kannst?«

Geschickt deutete ich uns als Team an, die gemeinsam arbeiten mussten. Doch dieser arrogante Kasten von Automat reagierte nicht und blieb stur. Oder verstand es mich nicht? Ich zeigte daraufhin meinen Mittelfinger. Es gab ja Maschinen, die mit Gesten gesteuert werden konnten. Leider keine Reaktion.

Ich schaute in meinen Einkaufswagen, zehn weitere Flaschen. Ich hatte keine Lust, das Spiel mit allen Flaschen einzeln durchzuspielen. Dazu war mir meine Zeit zu kostbar.

Daraufhin legte ich den Rückwärtsgang ein. Das war kein Rückzug, sondern eine Anpassung meiner Strategie an die gegebenen Umstände. Ich lenkte den Wagen aus dem Raum und sah, wie beide Vollautomaten synchron blinkten. Die stecken doch unter einer Decke! Ich hatte auch die Nase voll. Also ab zum Informationsstand.

2 Euro 25. Die Dame hinter dem Stand übergab mir bereitwillig das Geld in bar. Anscheinend traten regelmäßig Probleme mit diesen Automaten auf.

Nach dem Einkaufen kam ich beim Hinausgehen an den Automaten vorbei. Beide warteten sie hungrig mit aufgerissenem Maul auf neue Fütterung.

Wir sehen uns wieder.

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