Die schreiende Email oder Glück gehabt

Montag, 13.05.19. Bielefeld.

Letzte Woche setzte ich meine Performance Optimierung für meinen Kunden erfolgreich um. Und da es auch nicht viel zu tun gibt (abgesehen von dem Kleinkram, das ungeplant Staub aufwirbelt), denke ich mir heute Morgen, ich gehe den Tag entspannter an.

Entspannt bedeutet für mich, nicht um 5 Uhr morgens aufzustehen, weil ich wach bin, sondern einfach ein wenig länger liegen zu bleiben, in der Hoffnung, ein wenig weiterschlafen zu können. Tatsächlich klappt es auch, aber halt nur ein wenig (daher ist das Entspannt ein wenig übertrieben).

Also fahre ich zirka eine Stunde später als üblich los. Es ist kurz vor 7 Uhr bei klarem Himmel und sonnigen Aussichten. Und trotz des regen Verkehrs auf dem Ostwestfalendamm genieße ich den Morgen. Das ist ok, um diese Uhrzeit herrscht anscheinend viel Verkehr. Als sich ein Lächeln in mein entspanntes Gesicht schleichen will, entdecke ich plötzlich Autos mit aufgehenden Warnblinkern.

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Performance Optimierung Teil II und noch mehr Pizzen

Mittwoch, 01.05.19. Bielefeld.

Heute, am Tag der Arbeit, arbeite ich nicht, daher etwas über gestern.

Mein Kunde lacht entspannt. Ein amüsiertes und wissendes Lachen, in dem ein »der Hakan wieder« sich versteckt. Der Kunde kennt mich. Ich sitze endlich an der finalen Präsentation meiner Pizza-Story (Performance Optimierung). Die nahm unerwartet mehr Zeit in Anspruch als gedacht. Manchmal gleicht das Verbessern eines Programms einem Stich in ein Wespennest.

Ich machte mir sogar über das Wochenende Gedanken darüber. Das ist bei mir so. Ich kann nicht aufhören und sitze solange an einem Problem, bis ich es löse, weil ich weiß, dass ich es lösen kann. Ich machte dem Kunden sogar den Vorschlag, dass ich die Stunden für den unerwarteten Mehraufwand nicht in Rechnung stelle, wenn meine erneute Optimierung kaum Verbesserungen zeigt.

Da lachte mein Kunde wieder. Das klang verlockend.

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Performance Optimierung oder Wie man elf Pizzen optimal bestellt

Dienstag, 23.04.19. Gütersloh.

Gekürzte Projektbudgets, gestoppte Projekte. Das Wirtschaftswachstum kommt spürbar ins Stottern. Als externer Berater spürst du das als erstes, denn du sitzt in dem Fahrzeug mit der Vollbremsung. Ein abrupter Vorgang mit überraschender Wucht.

Ich habe ein wenig Glück, ich befinde mich lediglich in einem Leerlauf zwischen zwei Projektphasen. Daher versucht mein Kunde, mich mit Aufgaben zu versorgen. In diesen Phasen werden dann auch mal Dinge in Auftrag gegeben, die sonst leider häufig vernachlässig werden. Die Performance-Optimierung der Software ist eines dieser stiefmütterlich behandelten Kinder (den seltsamer Weise alle Kunden für wichtig erachten), denn der Kunde geht per se davon aus, dass alles, was umgesetzt wird, optimiert wurde und schnell läuft. Diese Annahme ist verständlich, aber falsch.

Egal aus welcher Motivation heraus ich Aufgaben dieser Art bekomme, ich freue mich immer über sie. Optimierung ist eine besondere Herausforderung und gleicht einer Detektivarbeit: Du musst den Übeltäter aufspüren und dazu seine Motivation verstehen. Anschließend gleicht es einem chirurgischen Eingriff, um die Stelle im Coding zu optimieren, ohne dabei Schäden an anderer Stelle anzurichten (Vermeidung von Seiteneffekten).

Ein Übeltäter, ein Detektiv und ein Chirurg – was hat das mit Pizza zu tun? Ganz einfach, ich mag Pizza! Die meisten der Performance-Probleme, die ich analysiert und verbessert habe, kann ich auf ein simples, sich wiederholendes Prinzip zurückführen: auf Datenbankselektionen innerhalb einer Schleife. Und das werde ich anhand einer absurden Pizzabestellung veranschaulichen.

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Der Einserschüler oder verloren im Wald mit Bäumen

Brendon Burton

Er war ein Einserschüler. Eine Klasse über mir. Hoch gebildet. Detailverliebt. Strebsam. Fleißig. Einser-Abi. Blond. Also genau das Gegenteil von mir!

Jetzt drückten wir also gemeinsam die Unibank, da ich nicht zum deutschen Bund als Türke musste (hätte ich mal lieber!). So hatten wir auch die gleichen Fächer und Prüfungen.

Meine mündliche Prüfung im Hauptstudium für Praktische Informatik stand mir bevor. Bereits als ich in den Bus zur Uni stieg, rebellierte mein Magen. Vorwürfe wie „hätte ich doch mehr getan“ oder „früher gelernt“ gingen mir immer wieder durch den Kopf. Jetzt, genau jetzt, war ich demütig und ein bisschen verängstigt. Meine große Klappe der Vortage war verflogen. Verdammt, nur eine Woche mehr, das wär‘s eigentlich! Aber ich kannte mich zu gut, um zu wissen, dass eine Woche mehr Zeit für mich eine Woche später mit dem Lernen anfangen bedeutet hätte.

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