Alte Hunde in Frührente oder Nichts mit Blockchain

Mittwoch, 20.02.19. Bielefeld.

Dogs of Berlin. Eine atemlose deutsche Netflix Serie. Man erkennt sofort den Netflix-Style, als gäbe es eine Schablone dafür oder Filter oder eine bestimmte Software. Kräftige, satte Farben. Cyan. Blau. Rot. Bunte, künstliche Lichter, die künstlerisch auf den Gesichtern aufleuchten. Beeindruckende, fast schwerelose, Kameraführung. Zwei Cops, die unfreiwillig als Team arbeiten müssen. Flotte Sprüche. Dicke Hose. Und Gangsta, aber kein Digga und knapp unter der Übertreibung. Also gar nicht so schlecht gemacht.

Trotzdem habe ich Schwierigkeiten, der Serie zu folgen. Sie wirkt ein wenig überladen. Viel zu schnell viel zu viele Leute mit viel zu vielen Problemen. Ich weiß gar nicht, wer zu wem und mit wem und warum. Nicht, dass die Serie mich intellektuell überfordert. Ich verstehe die Schauspieler einfach nicht immer. Vielleicht liegt es an meinem Alter. Das schlechte Gehör oder die Konzentrationsstörungen. Mir fiel sofort auf, dass die Darsteller nuscheln. Man kann über die deutsche Synchronisation von Filmen sagen, was man möchte, aber nicht, dass sie nicht klar verständlich seien.

Kundenprojekt. Normalerweise hätte ich mir diese Serie nicht angeschaut, aber mein Beraterkollege hatte mir davon erzählt. Er kommt aus Berlin. Also, wieso nicht. Wobei er mir auch Denver-Clan empfohlen hatte. Das auch nur, weil seine Frau diese Serie so gerne schaut.

Leider war heute sein letzter Tag bei unserem Kunden. Nein, seine Serienempfehlungen waren nicht der Grund. Ich erzählte von dem Leerlauf am Ende von Projekten, wo dann kein Budget mehr übrig ist, bis das nächste SAP CRM Projekt losgeht. Daher hoffe ich, dass er nur temporär bei einem anderen Kunden sein wird. Mit meinem Budget sollte ich die geringere Auslastung beim Kunden gut überstehen können.

Opfer meines Erfolgs – Part II. Er geht, weil ich viel länger im Projekt bin (ihm würde ich natürlich sagen, weil ich besser bin ;-). Das ist nicht immer so, wenn es darum geht, jemanden kurzfristig wegen geringer Auslastung auf ein anderes Projekt zu einem anderen Kunden zu schicken. Da traf es häufiger mich. Der Kunde will in diesen Fällen jemanden, der kaum Einarbeitung benötigt und schnelle Ergebnisse liefert. Klingt wieder wie ein Eigenlob. Doch es ist nicht schön, derjenige zu sein, der das Projekt temporär, manchmal auch endgültig, verlässt. Das ist eine weitere Variante des »Opfer meines Erfolgs«.

You’re out of the Cloud! Vielleicht bin auch schon reif für die Rente – pardon, Frührente! Laut Handelsblatt Online will sich SAP von 4.400 älteren Mitarbeitern trennen und ab 55-jährige mit einer Abfindung in Frührente schicken. Ihr Know-how sei veraltet. Gebraucht werden Mitarbeiter in den Bereichen Cloud-Computing, das Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz (hier fehlt doch Blockchain!).

Damit gehöre ich mit meinem SAP CRM Know-how auch zu den »Alten«. Gefühlt passt das. Leider ist mein biologisches Alter etwas weit von den 55 entfernt. Jetzt kommt es richtig dicke: Ich arbeite nicht mal bei der SAP, sondern nur mit der SAP Software! *kopfschüttel*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.