Mein alterndes IT-Wissen im Job

Mittwoch, 29.05.19. Gütersloh.

Heute gehen drei Tage Workshop mit der SAP bei meinem Kunden zu Ende. Die SAP stellt, stark an den Kundenprozessen orientiert, seine Produkte S/4HANA und C/4HANA vor und evaluiert, wie mein Kunde den Übergang von deren derzeitigen ERP und CRM Systemen in die neue SAP Welt schafft. Dabei ist sozusagen das S/4HANA das neue ERP und C/4HANA das neue CRM, natürlich in der Cloud.

Wir machen gerade eine Mittagspause als mein Kunde mich fragt, wie ich den Workshop finde.

»Wirklich sehr gut.«

Ich bin überrascht, denn ich hatte eine mehr oder weniger verdeckte Verkaufsvorstellung erwartet bzw. befürchtet. Doch die SAP tritt hier mit Produktverantwortlichen aus der S/4 und C/4 Welt an. Sie sind wirklich an den Geschäftsprozessen meines Kunden interessiert und versuchen, die kundenspezifischen Prozesse mit in deren Entwicklung einzubringen.

Mein Kunde evaluiert nämlich wie viele Kunden derzeit, die ein SAP CRM und SAP ERP haben, ob und vor allem wie sie in die neue C/4HANA und S/4HANA Welt wechseln können. Das ist sozusagen die »Digitale Transformation« beim Kunden mit SAP Software im Haus. Und diese digitale Transformation wird durch die Cloud-IT vorangetrieben.

Mein Wechsel in die Wolke

Ich wechsle also zum richtigen Zeitpunkt. Das ist meine Erkenntnis und sie bestätigt meine Entscheidung. Ich habe nämlich als Berater gekündigt. Und wer je gekündigt hat, weiß, dass die Entscheidung einem nicht immer leicht fällt und zwischenzeitig eine Stimme mit der Frage aus dem Hintergrund sich meldet, ob es richtig war.

Aber ich wechsle auf die Kundenseite (und bin quasi ein Inhouse-Berater), weil ich diesen Schritt zur Digitalisierung, der jedem Kunden bevorsteht und eine sehr große Herausforderung darstellt, unmittelbar mitgehen und mit voranbringen möchte. So ist die Absprache zumindest mit meinem zukünftigen Arbeitgeber.

Mein IT-Wissen läuft ab

Das muss ich auch, denn die Zeit für mein Wissen läuft schneller ab als der Aufbau von neuem Wissen in der IT-Welt, in der ich mich bewege. Mein alterndes Wissen erwarb ich vorrangig um 2007 herum. Es war ein intensives Kunden-Projekt im Süden in Kooperation mit der SAP (hier berichte ich teilweise von dem Projekt).

Das war die Einführung des SAP CRM 4.0. Damit wechselte SAP in die Welt des Internets als es seine CRM Anwendung in den Internet-Browser hob. Dann ein Upgrade auf das SAP CRM 6 und schließlich SAP CRM 7. In diesem Projekt konnte ich innerhalb von zwei Jahren mir ein extrem breites und tiefes Spezialwissen aufbauen. Und wenn ich jetzt kein Projekt in diesem Umfeld bekomme, dann sieht es für mich berufsmäßig schlechter als im Moment aus. Zwischenzeitig hat sich das Internet weiterentwickelt ( du weißt schon: die Cloud).

Es reicht nicht mehr, dass die eigene Anwendung auf einem Internet-Browser läuft. Sie muss geräteunabhängig und vor allem in der Cloud sein. Daher löst die SAP das aktuelle CRM sozusagen im C/4HANA auf, also der Cloud-Variante des CRMs. So bleibt kaum etwas von meinem alten CRM übrig.

Schulung vs. Training on the Job

Es ist natürlich nicht so dramatisch, denn zum einen bleibt das SAP CRM mit dem SAP ERP noch ein paar Jahre (und deren Überführung in die neue Welt) erhalten (so schnell und agil ist kaum jemand). Zum anderen kenne ich immer noch die CRM- und Kundenprozesse – was für einen IT- & Prozessberater elementar ist –, doch ich denke längerfristig. Man wird ja auch nicht jünger. Man wird sogar immer älter und teurer.

Natürlich könnte ich an Schulungen teilnehmen – das habe ich teilweise auch –, aber ich bin eher der Typ »Training on the Job«. Ich glaube, es gibt nichts Effektiveres. Und auf der Kundenseite bin ich viel näher an den Entscheidungen und Themen dran als ich als Berater bisher sein konnte bzw. durfte.

Also, mal schauen, was die Zukunft für mich bereithält.

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