Gestern Abend tat ich es wieder, gleich 4-mal, gleichzeitig: Fernsehen! Was soll ich sagen, ich bin ein Mann und kann Multitasking!
Ich schaue so selten wie möglich fern. Höchstens Nachrichten oder ein paar wenige Lieblingsserien – ich sollte nicht nachzählen, ich fürchte, das »wenig« könnte sich als Selbsttäuschung herausstellen.
Ich verfolgte den Film »Escape Plan« auf RTL, während ich parallel dazu »X-Men: Zukunft ist Vergangenheit« auf ProSieben dazwischen schaltete und dabei über die Sendung »World Wide Dummies« mit witzigen Clips auf ProSieben MAXX zu lachen versuchte, als dann noch Zeichentrickfiguren aus Comedy Central über den Fernseher huschten. Das Ganze garniert mit Aufregern und zwischenzeitigem Hass auf die Werbung.
In der Hölle läuft den ganzen Tag ‘Check24’ Werbung.
— PrincessPeach?? (@Cut_with_an_E) 13. Juni 2017
Wie ich das hinbekam? Ganz einfach.
“Ich parshippe jetzt. Und du?”
“Ich smirnoffe!”— Ringo Trutschke (@Nacktmagazin) 15. Januar 2015
Ich schaltete bei jeder Werbeunterbrechung um und vergaß dann, wieder umzuschalten. Die Werbeunterbrechungen fanden so häufig statt – gefühlt alle 11 Minuten, dass ich fast genervt meine Fernbedienung aus dem Fenster schmeißen wollte. Und sie zogen sich in die Länge, dass ich problemlos parallel verschiedene Programme schauen konnte.
Das klang nach Fernsehen für Konzentrationsgestörte mit einer Aufmerksamkeitsspanne geringer als bei einem Goldfisch. Nun gut, beide Filme waren inhaltlich kaum anspruchsvoll und/oder ich hatte sie bereits vorher gesehen, vermutlich als Wiederholung (daher sind Wiederholungen so wichtig!).
Werbung gegen Scheidentrockenheit im Fernsehen.
“Die sollen sich mehr lecken lassen.” kommt aus der Küche.
Ihr entschuldigt mich……
— Ente™ to go (@1895_Fortuna) 13. Januar 2017
Für meinem Geschmack wurden die Filme so häufig durch Werbung unterbrochen, dass ich sie nicht mehr als Einhalt, als etwas Ganzes wahrnahm. Dank der häufigen Werbung verging mir auch die Lust, das zerstückelte Werk wieder zusammen zu setzen.
Wäre die Werbung doch gut und nicht so nervig oder verstörend!
Seitdem ich höre “spannende Frauen warten auf Dich in deiner Umgebung” dusche ich nicht mehr nackt.#Werbung
— Hakan Civelek (@Hakan_Civelek) 23. Dezember 2014
Erstaunlich, wie gut das Hin- und Herschalten klappte. Ich verpasste nichts oder hatte zumindest nicht das Gefühl. Keiner der Filme konnte mich fesseln. Der eine war monotoner Mist mit einer fadenscheinigen und völlig konstruierten Geschichte über Gefängnisausbrüche und der andere ein bombastisches Bildgewitter. Ohne hellsichtig zu sein, war mir bei beiden Filmen der Ausgang klar, also keine Überraschungen.
Um zu verstehen, warum manche überall ihren Senf dazugeben, musst Du lernen, wie eine Bratwurst zu denken.
— Sprayraumbarbie (@Sprayraumbarbie) 30. Mai 2016
Die Filme waren so inhaltsleer und in sich unzusammenhängend, dass der Zuschauer jederzeit weg- und wieder einschalten konnte, ohne das Gefühl zu haben, etwas Wesentliches verpasst zu haben. Vielleicht lag es aber auch an den gefühlt Duzenden von Werbeunterbrechungen, die mich immer wieder aus der Geschichte herausrissen und mich überraschend viel Nerven kosteten.
Fernsehen ist fabelhaft. Man bekommt nicht nur Kopfschmerzen, sondern erfährt auch gleich in der Werbung welche Tabletten dagegen helfen.
— Max J. Ostermann™ (@Geisteszustand) 17. März 2017
Bin ich ungeduldiger geworden oder hat sich mein Konsumverhalten durch das Internet, durch Streamingdienste, durch DVDs mit kompletter Staffel, durch YouTube, Netflix, Amazon Prime, Maxdome, Sky etc. grundlegend verändert? Oder zeigt meine Programmauswahl bzw. das Schauen von Fernsehen im Fernsehen, dass ich ein rückständiger Dummkopf bin…
Also, nicht wundern, wenn es demnächst auch bei dir Zuhause heißt: Werbung mit Filmunterbrechungen! Denn die Zukunft hat begonnen und ist auch schon vorbei.
Übrigens Leute die sich über Werbung bei YouTube beschweren. Geht einfach wieder fernsehen, ganz ehrlich. Bei gratis Content rumheulen, ne..
— DieBuddies (@TwoEpicBuddies) 18. Dezember 2016
photo by pixabay

2 responses to “Zerstückeltes Fernsehen oder Wie ich 4 Programme gleichzeitig schaute”
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Silvia Reitz-Hudetz
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Hakan von C
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