Respekt oder Bloggen wie Damals™

Bielefeld heute. Wolkenlos. Dunkles Blau schimmert tief wie der Meeresgrund am Strand von Antalya. Das Thermometer auf der App zeigt 33°C. Mein Körper meldet kurz vor Hitzschlag. Aber das ist nur ein Gefühl. Also nicht objektiv, vor allem nicht, wenn man wie ich bei diesen Temperaturen joggt. Jetzt ist es schon im verregneten Bielefeld wärmer als im Süden, denke ich mir, kommt jetzt die viel gefürchtete Klimatisierung des Abendlands? Wo bleiben die Obergrenzen? Nein, ich habe noch keinen Sonnenstich. Aber konnte ich mir wirklich selbst glauben?

Bevor ich all diese Fragen nicht beantworte: alleine, dass ich es geschafft habe, nach 46 Minuten Laufen für eine Strecke, für die ich sonst keine 38 Minuten brauche, diesen Text zustande zu bringen, bedeutet, ich habe es nach Hause geschafft!

Und ich bin ein wenig stolz darauf. Das war mir beim Loslaufen gar nicht so klar. Als ich loslief, mit müden Beinen, die sich wie spröde Holzbalken anfühlten, die sich unnatürlich abwinkelten, um ein Laufen zu imitieren, fühlte ich mich unendlich alt. Ich lief so langsam, dass dagegen der hypnotische Lauf von Homer Simpson auf dem Laufband einer Zeitraffer-Aufnahme glich.

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Man lernt seinen Körper am Besten in jenen Momenten kennen, wo er am wenigsten funktioniert. Aber ich war selbst schuld. Ich lief heute Abend, obwohl ich morgens bereits beim Fitness war, wo ich meine Beine trainierte. Beine zu trainieren ist härter als jeder andere Muskel, vor allem Kniebeugen (oder cooler: squats). Vermutlich ist das der Grund, warum viele männliche Fitnesstreibende disproportional aussehen: Breiter Oberkörper mit aufgepumpten Armen und einem verschwinden Arsch aufgestellt auf Zahnstocherbeinen.

Ich lief trotzdem, weil ich musste. Ein innerer Drang. Jeden Tag der letzten und dieser Woche lief ich los, egal wann und ohne Rücksicht, wie ich mich fühlte bzw. fühle. Die Hitze heute war hart. Ich merkte wie mein Kopf richtig warm wurde und nichts mich kühlte.

Während ich mit mir kämpfte und mich nach den letzten Metern sehnte, hörte ich etwas.

»Respekt!«

Ich brauchte ein paar Millisekunden, um zu begreifen, dass ich gemeint war. Ich sah einen Mann mit schattenspendender Mütze, mit Sonnenbrille und einem kühlen Bier in der Hand, der meinen Weg kreuzte. Danke konnte ich nur noch denken, aber nicht mehr aussprechen. Also nickte ich dankbar, denn erst da wurde mir etwas klar.

Bei dieser Affenhitze, wo viele sich nicht mal bewegen würden, bin ich über eine dreiviertel Stunde gelaufen. Ich selbst halte mich für einen lausigen Läufer, aber eigentlich zählt doch nur, dass ich überhaupt laufen gehe. Egal, wie schnell oder wie weit oder wie oft.

Wenn Du dich jetzt fragst, warum ich diesen Text schreibe, denn das habe ich mich selbst gefragt, dann deswegen: Es dient mir als Bestätigung, Bestärkung und Motivation.

***

Bestimmte Momente, Begegnungen oder Gedanken möchte ich in meinem Blog festhalten. Ich hatte mir auch überlegt, eine Art Tagebuchblog zu machen, denn das erscheint mir als die geeignetste Form. Und während ich darüber nachdachte (was ich häufiger tue), las ich beim nullenundeinsenschuber etwas zum »Bloggen wie damals™«.

Das muss doch Rikschal sein!

Ich bewundere Blogs wie Anke Gröner, Vorspeisenplatte und vor allem das stilistisch und sprachlich schöne fortlaufend.

Ich würde das auch gerne machen.

Mein Problem ist nur: Wenn ich Texte bei anderen lese, dann gefallen sie mir meistens (die mir nicht gefallen, die lese ich nicht;-). Bei meinen eigenen Texten bin ich mir nie sicher. Vielleicht liegt es daran, dass ich über etwas schreibe, das ich bereits kenne. Das liegt in der Natur der Sache. (Daher versuche ich, nicht zu kritisch zu sein, sonst hätte ich kaum Artikel veröffentlicht.)

Anke Gröners Motto lautet »blog like nobody’s watching«. Bei mir würde es eher »blog like nobody’s reading« lauten.

Was würde herauskommen, wenn ich täglich bloggen würde? Vermutlich eine Art Infodump. Das ist eine Auflistung von Informationen wie: Heute Morgen 6 Uhr aufgestanden. Duschen. Kalt. Dann Frühstück mit Ei. Anschließend zur Arbeit etc. Tatsächlich konnte ich das bei einigen Blogs in der Tendenz beobachten.

Das mag beim ersten Mal interessant sein, weil es neu ist und einen Einblick in das Leben einer anderen Person gibt, aber spätestens nach drei bis vier Tagen dürfte durch die Wiederholung des Tagesablaufs der Leser gelangweilt sein.

Aber das ist auch in Ordnung, sofern der Autor das möchte.

Wenn ich etwas schreibe, um es zu veröffentlichen, sollte es eine (gewisse) Relevanz haben. Das kann eines der Punkte sein:

  • Sprachlich schön
  • Wichtiger persönlicher Moment / Ereignis wird festgehalten, um sich selbst zu motivieren und/oder mit anderen zu teilen
  • Einblick in die eigene Gedankenwelt, um anderen eine neue Perspektiven zu eröffnen oder auch nur zu zeigen, dass sie nicht alleine eine »Schaden« haben
  • Unterhaltung, um den Leser vom Alltag abzulenken und zum Nachdenken oder Schmunzeln zu bringen
  • Ein Problem lösen, indem ich zeige, wie ich damit umgegangen bin (sprich, es muss nicht immer ein Problem sein, das eine Lösung erfordert)

Schön wäre am Ende ein positives Leseerlebnis, das der Leser (oder ich) mit guten Gefühl verlässt.

Davon bin ich häufig entfernt. Ich schreibe auch des Schreibens willen. Manchmal verspüre ich den Drang, etwas zu schreiben. Dann ist der Weg das Ziel.

photo by Thought Catalog on Unsplash

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