Wie man IT-Projekte zum Scheitern bringt: Kommunikation

Ändies Augenlider schossen weit auseinander. Er schaute mich irritiert an, als ich ihn darauf ansprach. Er wurde meinem Team zugewiesen und sollte uns fachlich in Mexiko unterstützen.

Zufällig im Vorbeigehen am Kaffeevollautomaten erfuhr ich davon. Dem Ort, wo Gerüchte herumschwirrten und sich unheilvoll sammelten, um sich anschließend in den Gedanken eines Ahnungslosen zu verbreiten.

Ändies Reaktion überraschte mich mehr als die Nachricht von seiner Zuteilung. Ich ging zu meinem Vorgesetzten Yoga und fragte ihn, ob er etwas Erhellendes wüsste. Er reagierte – überrascht. Zwar erwartete er Unterstützung für unseren Kunden in Mexiko, aber wer es wann machen würde, darüber wurde noch nicht gesprochen.

Wir beide freuten uns über Ändies Unterstützung, wussten jedoch nicht, was wir davon halten sollten. Die Geschichte war also heiß, aber nichts offizielles, denn alles war im Fluss und der Wandel die beständige Konstante – also ein normales Projekt.

Daher wollte Yoga den Projektleiter aufsuchen und mit ihm ein klärendes Gespräch führen, während ich mich in der Zwischenzeit um Aufgaben für Ändie kümmern sollte.

In Mexiko leitete unser indischer Kollege Maha das Projekt. Mit ihm musste ich mich abstimmen. Doch Maha lebte in einer anderen Zeit- und Problemzone und wurde mit so vielen fremden Aufgaben bombardiert, dass keine reelle Chance bestand, von ihm eine Antwort in akzeptabler Zeit zu bekommen.

Und wie es der Zufall wollte, erfuhr ich noch etwas Weiteres. Neben der fachlichen Unterstützung durch Ändie blieb noch die IT-Seite unbesetzt. Dazu wurde Anton auserwählt. Aus einer Mischung aus Neugier und Humor ging ich direkt zu ihm hin. Vielleicht konnte er mir bei Ändie weiterhelfen.

Er schaute mich mit einem Gesicht an, bei dem die Augenbrauen aus dem Gesicht springen wollten. Ich interpretierte seine Reaktion als Nein auf meine Frage, die ich nicht stellen konnte. Bevor er ein Ton herausbrachte, mussten wir uns sofort in den Meetingraum begeben.

»Kommunikation ist in einem Projekt ganz wichtig!« Der Projektleiter machte mit erhobenem Finger eine bedeutungsschwangere Pause und blickte ernst in die Runde.

Ich beugte mich zu Yoga vor. »Hast du mit ihm über Ändie gesprochen?«

»Kommunikation ist keine Einbahnstraße!«

»Nein.«

»Das ist gaaaaanz wichtig!«

Das Meeting wurde einberufen, weil einer unserer Kollegen salopp im Umgang mit den Kunden vorab etwas ausgeplaudert hatte, das schlecht gelaufen war und uns Dienstleister doof aussehen ließ. Leider hatte derjenige es versäumt, die Projektleiter darüber zu informieren. Also nutzte der Kunde den Moment aus, um die Projektleitung genüsslich auflaufen zu lassen.

Wie sagte die Projektleitung so schön: »Kommunikation ist ganz schön wichtig!«

Wie Recht sie doch haben.


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