Wenn ich ungeduldig werde, was häufig vorkommt, drücke ich ab und zu irgendwo irgendeinen Knopf. Dann kann ich in Ruhe warten – egal worauf. Das habe ich bei Regen an Verkehrsampeln gelernt. Wissenschaftler – höchstwahrscheinlich amerikanische – haben herausgefunden, dass es Menschen beruhigt und sie geduldiger warten lässt. Das Nichtstun und blöde Herumstehen scheinen nervös zu machen. Vor allem gibt es dem Herumstehenden die Illusion von Kontrolle über die Situation wieder, denn das Drücken ist es ja, das die Ampel auf Grün springen lässt. Es hilft also, die Zeit zu überbrücken. Schneller läuft sie dadurch nicht. Aber wir achten nicht mehr auf sie und unsere Aufmerksamkeit arbeitet sich an etwas anderem ab.
Schlagwort: Geduld
Es gibt bestimmte Filmszenen, die vergisst man nicht so leicht, weil sie aus einem unbegreiflichen Grund sich in deinem Kopf verheddern und dort Unfug treiben. Dann, in einem unpassenden Moment, finden sie den Weg ins Freie, also in dein Leben, um sich dort über dich lustig zu machen. In meinem Fall bist du ich. Und die Szene, von der ich rede, handelt von Tyler Durden aus dem Film Fight Club (Amazon Werbelink).
Ich sehe Tyler Durden mit seinem verächtlichen Lächeln vor mir, wie er mir meine Hausaufgabe aufgibt. Doch anstatt zu sagen, beginne eine Schlägerei und verliere, sagt er: Gehe in einen Kaufladen, lasse dich zwei Stunden beraten und – jetzt schaut er mir direkt in die Augen – gehe wieder, ohne etwas zu kaufen!
„Sevmeyin mesleğini arıyorum“, sprach mich der Mann an.
Mein Türkisch war nicht sonderlich gut, aber ich wusste sofort, welches Buch er meinte – das Buch, das eine eigenartige Anziehung auf mich ausübte und an das ich mich nicht herantraute. Ich wusste selbst nicht, warum das so war. Ich kannte nichts aus dem Buch. Ich hatte es bei Gemini in Bielefeld entdeckt. Der Titel hatte mich sofort fasziniert. An mehr kann ich mich rückblickend nicht mehr erinnern. Ich weiß nicht, ob ich es damals geahnt hatte: das Buch wird mich verändern!
