Bielefeld – diese Stadt existiert doch! Seit Jahren laufe ich regelmäßig durch Bielefeld und entdeckte immer wieder Neues. Ich halte das auf Fotos fest, die ich unter Einsatz meines eigenen Lebens mache. Und ich weiß, es gibt mehr von uns, denn die Wahrheit ist irgendwo da draußen. Bei mir spielt das Ganze sich sogar direkt vor meiner Haustür ab.
Schlagwort: Bielefeld
2 Euro 65 sammelten sich in Form eines eigensinnigen Frühstücks auf meinem Tablett, während Menschen unbeachtet am Fenster vorbeiliefen.Ich saß in der Back-Factory, weil der Buchladen Thalia erst um 10 Uhr öffnete (was ich bis zu diesem Morgen nicht wusste). Statt mit dem Essen zu beginnen, schaute ich immer noch ungläubig auf mein soeben erworbenes Arrangement aus belegtem Brötchen mit Ei, einer Quarktasche und einem Kaffee. Wie kann das so unfassbar günstig sein, fragte ich mich, denn sonst kostete mich alleine mein morgendlicher Kaffee fast so viel. Auf diesen Gedanken folgte der übliche Reflex: Dann schmeckt es nicht.
Gedankenversunken rührte ich den Kaffee um, während ich in diesem kleinen Kosmos aus pulverisiertem Zucker und Milch nach einer Antwort suchte als plötzlich eine grässliche Männerstimme eine „fette Kuh“ gegen die Scheibe schmetterte.
Ich schaute mir den Stapel Frauenfotos an, die mir der Bielefelder Starfriseur Michael Rosinski (er war der Udo Walz seiner Zeit) in die Hand drückte. Vereinzelt irritierende Bilder von werbeungeeigneten Gesichtern tauchten blass und dennoch aufmerksamkeitserregend zwischen Hochglanz-Schönheiten auf. Sollte ich sie per Photoshop korrigieren?Als hätte er meine Frage gehört, sagte er, dass es bei den Fotos nicht um Frisuren ginge, sondern um das Make-Up. Jeweils zwei Fotos von einer Frau: vorher und nachher – ungeschminkt und geschminkt. Zwei Welten eines Gesichts, vereint auf einem Werbeflyer für seine Friseurläden in Bielefeld und Berlin.
Ich war der einzige Fahrgast, der an der Haltestelle wartete. Der Bus hielt und öffnete seine Tür direkt vor meiner Nase. Da ich vorne einstieg, nahm ich automatisch meinen Studentenausweis heraus, der galt als Fahrkarte für Bus- und Bahnfahrten. Ich zeigte den Ausweis mit der korrekten Seite vor, so dass der Busfahrer meine gültige Semestermarke erkennen konnte.
„Deinen Personalausweis.“
Ich war kaum drin und schon duzten wir uns.
„Ich hab keinen, weil ich kein Deutscher bin. Aber…“ – „Dann raus.“


