Gute Bücher sind wie Sex. Man möchte sie schnell zu Ende lesen und niemals aufhören.
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Heute hatte ich einen heftigen Flirt mit einem widerspenstigen Busch. Mehrere kurze Kratzer auf der Nase. Jeweils ein Langer entlang meiner Geheimratsecken. Links und rechts auf meinen Wangen wieder kurze Striche. Und als kleines Highlight eine lange, durchgezogene rote Linie prominent über meiner linken Augenbraue. Es klingt fast so, als würde mein Gesicht in Form eines geheimen Morsecodes ein Hilferuf aussenden oder als hätte ich eine Katze gewaltsam aus meinem Gesicht gerissen.
Ich bin nicht mehr der Jüngste und muss aufpassen, wenn ich mit meinen Neffen und meiner Nichte spiele. Aber, mein aktuelles Gesichtsdesign passt von der Stimmung her besser zu meinem heutigen Text als ein Makelloses. Sie handelt vom Abschied von vertrauten Serien oder Sendungen und der Traurigkeit.
Merkwürdig, was mich traurig stimmte.
Menschen, die sich selbst schlechter und andere besser darstellen, um am Ende sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, werfen dunkle Schatten auf andere Menschen.
War ich unachtsam in diesem Moment gewesen oder sprach mein Gesicht eine mir unbekannte Einladung gegenüber nervigen Menschen aus, bei mir ihren geistigen Müll abzuladen?
Vielleicht wirkte ich einen flüchtigen Moment lang freundlich, weil ich an etwas Schönes gedacht hatte – das mir jetzt nicht mehr einfiel. Ich weiß es nicht. Leider gab es eine Steigerung des Voll-Quatschens in Form von wehleidigem Klagen – besser: Das Anklagen von anderen Menschen, die für den eigenen Mist im Leben verantwortlich gemacht werden.
Meine Erinnerung ist eine undankbare Schlampe. Nie merkt sie sich das, was ich will und erinnert sich in den unmöglichsten Momenten an Ereignisse in den unpassendsten Situationen.
Heute Morgen weckte der Regen mich unsanft mit seinen lauten und stetigen Tropfen gegen meine Fensterscheibe. Haben wir nicht Sommer? Ok, die Witze über den Sommer sind so ausgelutscht wie der Sommer selbst. Doch ärgert es mich schon, dass ich an meinen Ausschlaftagen früher und leichter aufwache, als an meinen Arbeitstagen. Vielleicht versucht mein Körper mir unbewusst etwas mitzuteilen, etwas wie: Arbeit ist ungesund und widernatürlich oder arbeite nur an Wochenenden und nie in der Woche. Also eine reine und sehr vernünftige Schutzfunktion meines Körpers, tief verankert und daher leicht zu überhören.
Ich reiße die Gardinen auf und blicke hinaus durch eine mit Hunderten von Tropfen verwässerte Fensterscheibe in eine von Wellen verwirbelte Welt. Dann fällt mir die ältere Dame mit seltsam schwungvollem Gang und Haaren ein, die vor mir lief auf meinem Weg zur Arbeit diesen Montag.