Samstag, 15.12.18. Bielefeld. Die Garderobe einer Diskothek ist ein wunderlicher Ort, an dem Kleidungsstücke manchmal magisch verschwinden, so ähnlich wie im Wandschrank in Narnia. Jedoch gibt es einen feinen Unterschied: das Kleidungsstück kommt von dort nie wieder zurück.

Die Rückleuchten der Autos spiegeln sich wie Lichter einer Weihnachtskette auf dem dunklen Lack meines Wagens. Ich stehe unvorbereitet im Stau. Ok, wann ist man je auf einen Stau vorbereitet?! In meinem Blickfeld leuchten die vier gelben Buchstaben IKEA auf. Dort will ich gar nicht hin. Eigentlich weg. Doch egal, welche Richtung ich nehmen würde, die Straßen in beide Richtung sind voll. Weihnachten scheint seinen Schatten vorauszuwerfen.
Dienstag, 27.11.18. Bielefeld. Hustend durch die Nacht. Der Morgen hat mich aus dem Bett gekotzt. Kein schöner Anblick. Brocken eines Körpers, der meiner ist, schwanken wie ein Besoffener zwischen krank und kränker. Taumeln im Dunkeln einem imaginierten Abgrund selbstmitleidig und genervt entgegen. Die Nacht und mein Schlaf waren noch nie Freunde und doch sehnt sich mein Körper an diese alten, schlechten Zeiten zurück. An meinem Nacken lauert die Furcht vor einer Verschlimmerung meiner Erkältung. Die sollte doch allmählich abklingen! Es sieht also nicht gut für heute aus als der Tag sich durch den kalten Morgennebel bricht. Ich lege mir meinen silbergrauen Baumwollschal um und fahre chic zur Arbeit.
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Ich durfte heute einer meiner umfangreicheren SAP Entwicklungen vorstellen. Wichtige Kennzahlen mit buntem Hintergrund und wohlgeformten Kurven. Die Visualisierung gefällt mir selbst wirklich gut und macht auch einen Eindruck beim Kunden. So ist das halt. Die eigentliche Programmierung dahinter sieht keiner und kann sie nicht wirklich beurteilen.
Sonntag, 25.11.2018. Bielefeld. Draußen kalt und klar. Drinnen übertemperiert und wehleidig. Der Schmerz bohrt sich durch mein Gesicht. Einseitig. Meine rechte Gesichtshälfte erhitzt sich um die Wette mit meiner aufgedrehten Heizung. Der Schmerz strahlt heute zur Abwechslung von der rechten Seite aus. Sticht mit spitzer Nadel in mein rechtes Ohr. Durchbohrt auf seinem Weg meinen Oberkiefer, dass die Zähne darunter wimmern. Drückt wie ein angespannter Esslöffel hinter meinen Augapfel, als wollte es das Auge mit Gewalt herauskatapultieren, um sich dann an meiner Schläfe zu entladen. Ich glaube, ein ins Ohr gerammter Stift fühlt sich entspannter an (vielleicht hätte Van Gogh sich nicht das Ohr abschneiden müssen, sondern sich nur erkälten). Ein ekliger Schmerz einer ekligen Erkältung, der mich ganz in Beschlag nimmt.
