
Gestern. Ich rufe die Seite von Spiegel-Online auf. Mal schauen, was in der Welt so los ist. Eine Hochzeit wie im Märchen.
Prinz Harry und Meghan küssen sich zärtlich. Herzensangelegenheit. Ich scrolle runter. Harry und Meghan winken glücklich den Menschen zu. Höhepunkte. Ich scrolle weiter. Eine weitere Kussszene aus einem anderen Blickwinkel, doch diesmal mit Wortspiel »Just Harryed«. SPON weiß anscheinend nicht mehr, was sie über die Hochzeit schreiben soll, und zitiert einfach eine andere Zeitung. Es ist wichtig, am Ball zu bleiben (nein, über Bye Bye Bayerns Abgang schreibe ich nichts). Die Metaebene ist erreicht. Daher kommt auch noch das Hochzeitskleid zu Wort. Es gab sich betont schlicht und bemühte sich um Understatement.

Ich scrolle immer noch. Was ist hier los?! Endlich mal etwas anderes als Märchen, Hochzeit, Prinz oder Prinzessin: Kritik, allerdings an dem Kommentar des ZDFs. Jetzt kommt das gemeine Volk zu Wort, also Menschen aus Twitter. Ich lese nichts davon und scrolle eine gefühlte Ewigkeit weiter.
Erst nach der biblischen Zahl 9, also dem neunten Artikel, hört die Triumphschau, die Lobeshymne, das royale Märchen auf. So viel Glück und Freude frei von negativen Artikeln dazwischen – steht die Welt für diesen Moment still? Zu wünschen wäre es. Und wo war »Englands schönster Hintern«?!