Die Geister, die ich rief

Ein grau gesprenkelter Schleier bedeckt den Himmel. Dahinter verbirgt sich grenzenlose Müdigkeit. Meine Gelenke stöhnen wie die Holzdielen unter meinem Körper. Ich wohne in einem alten Haus. Eigentlich könnte ich wieder zum Sport gehen, denke ich mir. Der Boden gibt ein wenig nach und aus den Ritzen stürmen ächzende Gedanken heraus und drängen in meinen Kopf. Dort ist es zu voll. Du wirst kein Parkplatz finden. Keine freien Geräte, um anständig zu trainieren. Neben dem dichten Gedränge an den begehrten Geräten darfst du dann den beißenden Geruch von Schweiß aus fremden Axeln einatmen. Und dann, wenn du fertig bist und nach Hause fährst, ist auch dein Parkplatz weg.

Jeder noch so abwegige Gedanke im Kampf gegen das Training eilt herbei als gäbe es etwas zu gewinnen. Je länger ich nicht trainieren gehe, desto länger nimmt die Liste wundersam zu. Alleine das Denken ans Fitnessstudio strengt mich jetzt an, und meine Gedanken machen mich mürbe. Schon ist das, was dem Anschein nach an Motivation erinnert, im Keim im Boden versickert und dort erstickt.

Das bringt doch alles nichts.

Stimmt doch, oder? Eigentlich ist es egal. Ich packe meine Sportsachen und fahre los. So einfach geht es.

Ich komme nach dem Training heim. Ich fühle mich gut. Wie jedes Mal.

Öffne die Wohnzimmertür. Sie knartscht. Sie lauern überall, denke ich mir und lache. Diese Gedanken. Wie immer. Kopfschütteln. Sie sind auf der Suche nach Nahrung. Sie singen immer das gleiche Lied in leichten Variationen, damit es nicht langweilig wird. Diesmal kommen sie, während ich schreibe. Jedes Mal. Das ist Mist, was du schreibest. Du bist nicht gut genug. Niemanden interessiert es. Dich liest niemand. Alle anderen sind viel besser als du. Sie sind Meister ihres Faches und treffen virtuos die richtigen Töne und finden die passendsten Worte, im Gegensatz zu mir – warum arbeiten sie gegen mich statt mit mir?! Und während ich trotzdem schreibe, schauen sie mir über die Schulter auf mein Geschriebenes herab und lachen hämisch. Siehst du, wir haben Recht!

Das stimmt. Aber es ist egal. Dann fällt mir ein: Ich muss die Tür ölen. Und den Boden.

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