Parken vor fremden Häusern oder Wie ich meine Perspektive änderte


Ich mochte das nicht. Kleine Veränderungen in meiner täglichen Routine. Dann reagierte ich ein wenig gereizt. Vor allem, wenn ich anderen die Schuld dafür geben konnte. Das mit dem Zuhause-Parken war eine dieser Situationen.

Versucht ihr auch nicht, möglichst nah an eurem Haus zu parken? Vielleicht direkt vor eurer Haustür? Und je häufiger es euch gelang, desto mehr wurde es zum Teil des eigenen Besitzes(Anspruchsdenkens).

Es war am Mittwoch in dieser Woche. Ich stand vor dem Spiegel und betrachtete mich. Die rasche Bewegung eines Mannes lenkte meinen Blick aus dem Fenster. Der Mann knallte sofort die Wagentür zu, während er flink hineinhuschte. Und kaum saß er im Wagen, setzte er zurück, schoss auf die Straße, um 7 Meter weiter einzuparken.

Wie dumm von ihm, sagte ich mir. Erst beim Beobachten des eigenen Verhaltens bei einem anderen erkennt man die eigene Dummheit. Ich musste lachen, weil ich genau dasselbe auch mal gemacht hatte.

Ich erinnerte mich, wie ich eine Zeitlang mich darüber ärgerte, als ich fremde Fahrzeuge auf der Straße vor meinem Miethaus auf meinen Parkplatz stehen sah und nicht wie gewohnt vor meiner Wohnung parken konnte und wenige Meter weiter weg musste. Wie ich dann vor einem anderen Haus parken musste und damit einem anderen seinen angestammten Platz wegnahm. So löste ein einzelner »Falschparker« eine Kettenreaktion aus und kippte wie Dominosteine die Stimmung griesgrämiger Nach-Hause-Kommer um.

Ich hatte Gefühle! Wusste der Falschparker das nicht?!

Der Fremdparkplatz fühlte sich unbequem und falsch an. Meine Gedanken verweilten dann eine Weile bei meinem Auto. Und mit jedem Meter, den ich länger nach Hause gehen musste, spürte ich eine wachsende Wut. Und in zügellosen Momenten, angestachelt von kaltem Regen, der vom Wind in mein Gesicht gepeitscht wurde, wünschte ich dem Fremdparker das Schlimmste, also Genitalherpes oder Furunkeln am Arsch (bitte nicht googlen, die Bilder sind schlimm!). Ach, hassen konnte so einfach sein.

Komisch war nur, dass ich bei der Arbeit einige hundert Meter vom Parkplatz zum Arbeitsplatz gehen musste. Dann war ich dankbar, überhaupt einen Parkplatz gefunden zu haben.

Sonderbar, ähnliche Situation mit unterschiedlichem Ergebnis.

Vielleicht war ich bequem. Eher faul. Ich schaute an meinem Körper herunter (nicht herab!). Mein Bauch nickte unaufgefordert als wollte es mir sagen, etwas mehr Bewegung täte mir gut. Ok, die Tage, an denen mein Sixpack der Welt noch zulächelte, konnte ich an einem Finger abzählen.

Ein paar Meter mehr zu gehen, das war keine schlechte Idee. Da ich das Auto mindestens 2x am Tag parkte, in der Regel 5x zur Arbeit fuhr, würden sich bis zur Rente viele Meter sammeln – quasi die Bonusmeilen des kleinen Mannes (wir werden ja sonst nichts haben, denn wer weiß, ob es dann noch die Rente geben wird).

Mir gefiel der Gedanke und plötzlich überraschte ich mich dabei, wie ich mich darüber zu freuen begann, wenn ich weiter weg parken musste. Der Gedanke, dank des Dominosteineffekts auch die anderen Ärsche in Bewegung zu halten, amüsierte mich (doppelte Punktzahl auf der Payback Karte).

photo credit: AdrianoSetimo Blue Beetle via photopin (license)

8 Gedanken zu “Parken vor fremden Häusern oder Wie ich meine Perspektive änderte

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