Kaputter Ausländer

Als Ausländer funktioniere ich nicht so richtig. Meine Kollegen sagen mir immer wieder, ich sei richtig deutsch, und die müssen es wissen, denn sie selbst sind Deutsche. Ob es als Kompliment, Beleidigung oder Provokation gedacht ist, darüber muss ich noch nachdenken, denn sie lachen ein wenig dabei und kneifen sich die Augen halb zu.

»Dann nehme ich den Deutschen ja Arbeitsplätze weg«, sage ich. Ich benutze bewusst den Plural, denn ich bin viel zu gut für nur einen Arbeitsplatz. Nein sagen sie. Wir expandieren, entgegnen sie mir. Wir suchen noch viele Mitarbeiter, also könne ich keinem einen Arbeitsplatz wegnehmen. Also, nicht mal das kann ich.

»Dann nehme ich den Deutschen die Frauen weg«, sage ich. Aber unter uns, auch wenn ich wieder den Plural benutze, mehr als eine Frau zur gleichen Zeit wäre mir zu anstrengend. Und dann fällt mir ein, dass ich so stark integriert bin, dass ich armer Türke keine türkischen Frauen kennenlerne, denn in meiner Freizeit sieht mein Umfeld auch nicht viel anders aus. Vielleicht bin ich zu überintegriert. Und dann denke ich mit Schrecken, hoffentlich untertreiben meine Kollegen nicht! Aber anders kann ich nicht…


2 Gedanken zu “Kaputter Ausländer

  1. Kopf hoch! Ich habe als Deutscher auch nie (bewußt) eine türkische Frau kennengelernt – also zumindest näher – obwohl ich 1/2 Jahr im Wedding in Berlin gearbeitet und in Kreuzberg über 1 Jahr regelmäßg Lokalitäten besucht habe.

    “Überintegriert” kann man in Deutschland gar nicht sein, denn der typische Deutsche – und da schließe ich mich nicht aus – hat IMMER etwas zum jammern! “Klappern gehört zum Handwerk” sagt eine alte deutsche Volksweisheit, und auch “Wer nichts zu klagen hat, dem geht es ZU gut.”

    Insofern immer schön weiter sich selbst in Zweifel ziehen -> heißt – PERFEKTE Integration! Ein Italiener z.B. wüde nie Selbstzweifel zeigen… zumindest nicht in der Öffentlichkeit, und ohne Mama in der Nähe… 😀

    1. Danke für deinen Kommentar:-D
      Ich befürchte, ich kann mich beklagen und das Jammern kommt zuweilen auch vor, aber das ist die Meinung der anderen;-) Was die Zweifel betrifft, kann ich im Descarteschen Sinne ganz gut mit »Ich zweifle, also bin ich« leben…

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