
In meinen Reisen durch die ergründlichen Weiten des Internets – vor allem auf Flirtseiten – bin ich immer wieder einem Phänomen begegnet:
Schlagwort: Männer
Auch Einsteins Relativitätstheorie hat seine Grenzen. Sie versagt dort, wo Raum und Zeit nicht existieren. Vielleicht reagiere ich etwas übertrieben und es gilt vielmehr: alles ist relativ. Zwar umkreisten sie und ich beide die gleiche Sonne, aber anscheinend lebten wir auf zwei verschiedenen Planeten mit unterschiedlichen Zeitzonen und Realitäten. Vielleicht gelang es ihr, ihre Raumzeit so zu krümmen, dass die Wahrheit in ihre eigene Form gepresst wurde, eine Art »Reality Distortion Field« des berühmten Steve Jobs.
Jene verwirrende Realität traf in Form einer simplen Mail in meiner ein.
Sie schrieb darin sinngemäß:
War es die rasche Bewegung oder der erstaunte Blick im Gesicht jenes Mannes, der meine Aufmerksamkeit auf die Situation lenkte. »Wohin willst du?«, hörte ich den Mann einer Frau hinterherrufen, die so abrupt ihre Richtung änderte, dass ich nur noch ihren Hinterkopf und ihren aufgeschreckten Pferdeschwanz sehen konnte. Gedanklich befand ich mich bereits bei den Süßigkeiten, als mir etwas bitter aufstieß. Ich kannte beide! Für einen Moment blieb ich im Gang des real,- stehen. In meinem Kopf begann es zu arbeiten. Sog all die Informationsfetzten auf und spuckte plötzlich ein Wort aus: Bahar! Dann ein weiterer überraschender Gedanke: sie lief vor mir weg!Verschwinde sofort aus deren Blickfeld! Rasch bog ich zu den Regalen mit den Süßigkeiten ab. Hatten sie mich nicht gesehen? Ich starrte auf die bunten Schokoladentafeln. Bin ich bescheuert? Er hat mich nicht erkannt. Warum lief ich weg? Seine Situation schien mir wohlbekannt. Damals verschwand Bahar mehrmals einfach so und ließ mich alleine mit vielen Fragen zurück. Er und ich waren uns nur einmal über den Weg gelaufen im Cafe Europa.
Jede Frau will einen Mann, der weiß, was er will. Der seine Gefühle zeigt. Der keine Spielchen spielt. Und wenn doch, dann nur mit offenen Karten. Der nett, zuvorkommend und höflich ist. Das klingt doch nach einem richtigen Mann. Einem Mann, der erfolgreich bei Frauen ist.Pustekuchen! So ein Mann, der ist langweilig, weil vorhersagbar! Wollen wir nicht alle die Gefühlsachterbahn, weil das Leben viel mehr bieten muss?
Was sagt dir deine Erfahrung? Wie erfolgreich warst du, wenn du nett zu den Frauen warst? Wie erfolgreich warst du, wenn du dich wie ein »Arsch« benommen hast?
»45 Minuten.« Sie schaute auf die Uhr, drehte sich dann zu mir: »Nicht schlecht!«Ich blickte zur Uhr. Ich hatte sie zuvor nicht wahrgenommen. Tick. Ein silberner Wecker mit großen Glocken. Tick. Etwas für Nostalgiker oder Langschläfer. Tick. Bei der Bewegungsarmut musste sie eine Langschläferin sein! Tick, tick. Dieses Ticken begann mich zu nerven!
Die Zeit sollte die geringste Rolle spielen. Jedes Gefühl für Raum und Zeit sollte sich auflösen und unsere gemeinsamen Körper in einer ungreifbaren Dimension verschmelzen lassen. Wozu habe ich mich denn sonst hier oben abgerackert und angestrengt zurückgehalten!
Tick.
Schweiß tropfte mir von der Stirn herunter bis zu meinem Kinn und wagte sich nicht weiter. Gedanken hätten durch meinen Kopf jagen müssen. Ich aber hatte bereits alles verschossen. Fühlte mich kraftlos, benebelt und entleert. Ich fühlte mich, als wäre ich eben einen Marathon gelaufen und erwartete an der Ziellinie eine begeisterte Menschenmasse, die mir zujubelte, mich feierte. Sie jedoch reagierte, als hätten wir einen gemütlichen Spaziergang an einem Sonntagabend gemacht. Mein Gesicht versuchte Variationen aus Verwirrung, Verärgerung und Fassungslosigkeit auszudrücken, bekam nur das mit dem offenen Mund und der Sprachlosigkeit hin. Doch allmählich keimte dort etwas heran, was unkontrolliert hinausgeschossen werden musste.

