Beraubt!


radioher by proserpina

Als Jugendlicher war ich ein Ausländer und schüchtern. Ich ging ungern in Läden hinein, um zu stöbern, weil mich mit Sicherheit irgendwann eine Verkäuferin ansprach. Aber der Buchladen, das war ein Ort, den ich immer gerne aufsuchte. Meine Aufregung war dann ganz anderer Natur.

An jenem hellen Sommertag freute ich mich wieder auf den Buchladen. Ich hatte wieder ein Buch zu Ende gelesen und wollte mir jetzt ein Neues aussuchen. Mein Herz schlug bei der bevorstehenden Entdeckungsreise höher. Im Gegensatz zu allen anderen Einkäufen, die sehr zielgerichtet waren, ließ ich mir hierbei immer Zeit. Nahm jedes Buch einzeln in die Hand, wog es genussvoll, wendete es ein paar Mal hin und her. Ich atmete den Duft aus frischem Papier ein, blätterte gewollt ziellos darin und schlug dann irgendeine Seite auf. Nur diesmal kam alles anders.

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Der Einserschüler oder verloren im Wald mit Bäumen

Brendon Burton

Er war ein Einserschüler. Eine Klasse über mir. Hoch gebildet. Detailverliebt. Strebsam. Fleißig. Einser-Abi. Blond. Also genau das Gegenteil von mir!

Jetzt drückten wir also gemeinsam die Unibank, da ich nicht zum deutschen Bund als Türke musste (hätte ich mal lieber!). So hatten wir auch die gleichen Fächer und Prüfungen.

Meine mündliche Prüfung im Hauptstudium für Praktische Informatik stand mir bevor. Bereits als ich in den Bus zur Uni stieg, rebellierte mein Magen. Vorwürfe wie „hätte ich doch mehr getan“ oder „früher gelernt“ gingen mir immer wieder durch den Kopf. Jetzt, genau jetzt, war ich demütig und ein bisschen verängstigt. Meine große Klappe der Vortage war verflogen. Verdammt, nur eine Woche mehr, das wär‘s eigentlich! Aber ich kannte mich zu gut, um zu wissen, dass eine Woche mehr Zeit für mich eine Woche später mit dem Lernen anfangen bedeutet hätte.

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Qualia oder wie es ist, keine Eltern zu sein

„Hast du Kinder?“

Sie schaut mich dabei direkt an. Provokant. War das wirklich eine Frage? Es klingt vielmehr wie ein Vorwurf, die sich als Frage schmückt. Ich schmunzle. Mit dieser Frage wird man häufiger von Eltern konfrontiert. Ein simpler rhetorischer Taschenspielertrick, ein Möchtegern-Totschlag-Argument, um sein Gegenüber zum Schweigen zu bringen. Nur, wer mich kennt, weiß, dass das bei mir im Grunde unmöglich ist;-)

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