So viel Zukunft, so viel Freude

»In jener Nacht, in der Varja geboren wurde, lag sie da und sah uns stundenlang an. Ihre Augen waren wie zwei schwarze Laternen. Ihr Körper blutverschmiert, die langen Haare klebten am Kopf, und wenn sie sich rührte, geschah es mit den bedächtigen Bewegungen eines Kriechtiers. Als sie so auf Lindas Bauch lag und uns anstarrte, sah sie aus wie etwas aus dem Wald. Wir konnten von ihr und ihrem Blick einfach nicht lassen. Aber was lag in ihm? Ruhe, Ernst, Dunkelheit. Ich streckte die Zunge heraus, es verging eine Minute, dann streckte sie ihre Zunge heraus. Nie hat es so viel Zukunft in meinem Leben gegeben wie damals, nie so viel Freude.«

Aus Karl Ove Knausgard »Sterben« (Amazon Werbelink)

Bücher leben und sterben

Es ist schon so lange her, dass ich mich nicht mehr daran erinnere. In irgendeinem Buch fand ich gleich zu Anfang vor dem eigentlichen Text in persönlicher Handschrift fein notiert den Namen des Buchbesitzers und ein Datum.

Ohne zu wissen, warum, war ich davon so fasziniert, dass ich es gleich für meine Bücher übernahm. Von da an begann ich, in jedes meiner Bücher meinen Namen und das Datum einzutragen, wann ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt.

Es war wie ein »Willkommen in meiner Welt«, eine Art freundlicher Begrüßung eines Freundes, eines neuen Begleiters in einer anderen, persönlichen Welt.

Und seit heute habe ich begonnen, ein weiteres Datum in die Bücher einzutragen: Das Datum, an dem ich das Buch zu Ende las. „Bücher leben und sterben“ weiterlesen