Das Schlimmste wäre…

…, sagt er, wenn sie mir nicht zurückschreibt.

Wirklich, frage ich und muss darüber nachdenken. Irgendwie erscheint es mir nicht schlimm genug.

Am Samstag lernte er in der Disco eine – wie er sagt – umwerfende Frau kennen. Jetzt sitzen wir hier im Café draußen und genießen die Sonne. Um genauer zu sein, ich erfreue mich an den warmen Sonnenstrahlen und dem blauen Himmel, während er seine schützende Hand über sein Smartphone hält und auf das Display starrt, um den Moment nicht zu verpassen, an dem sie seine Nachricht liest. WhatsApp ist schon toll!

Ist das wirklich das Schlimmste, was du dir vorstellen kannst?

Ja, sagt er, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken. Zwei blaue Balken, die kein Paar sind und ihr Blau der Anfang einer unschönen Reise markieren kann.

Was wäre, sage ich, wenn sie dir schreibt, dass sie sich nicht an dich erinnert? Wenn sie dich einfach vergessen hat?

Er blickt hoch.

Buch: Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe

»Ich arbeite gerne in der Notaufnahme – jedenfalls lernt man dort Männer kennen.«

Buch Lucia Berlin - Was ich sonst noch verpasst habe
Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe (Amazon Werbelink)

Ich las den Einstiegssatz und musste sofort lachen. Es stammt von der Geschichte »Mein Jockey« aus Lucia Berlins Buch »Was ich sonst noch verpasst habe« (Amazon Werbelink).

Ich fand ihn aktuell, bissig, vielleicht sogar sarkastisch. Zudem steckte in ihm der Charme, mit den Gegebenheiten des Lebens pragmatisch und humorvoll umzugehen. Und vielleicht versteckte sich noch etwas Verzweiflung zwischen den Worten. In allem war der Satz geistreich, ehrlich und direkt, ohne Allüren. Er hätte sich auf Twitter bestimmt großartig gemacht.

Mein Lachen hatte mich kurzweilig vom Text ablenkt, aber es reichte, um in mir das Gefühl zu wecken, das in dem Satz etwas viel Tiefergehendes, Grundlegendes steckt. „Buch: Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe“ weiterlesen

Buch: John Strelecky – Das Café am Rande der Welt

Was ist es, das ein gutes Leben ausmacht?

Café am Rande der Welt von John Strelecky
Café am Rande der Welt von John Strelecky (Amazon Werbelink)

Jeden Morgen wachen wir auf und gehen zur Arbeit. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat um Monat.

Wir arbeiten acht oder mehr Stunden, um irgendwann befördert zu werden, um mehr zu verdienen, um dann noch mehr zu arbeiten, weil das erkaufte Glück schnell aufgebraucht ist und die Dosis erhöht werden muss. Dann arbeiten wir noch mehr, denn nach oben hin gibt es keine Grenze.

Und so rennen wir immer schneller, um voranzukommen und sind wie ein Hamster im Hamsterrad gefangen – oder ist es lediglich ein verzweifelter Versuch, zu entkommen? Denn manchmal fragen wir uns: Soll es das gewesen sein? Ist das alles, was das Leben zu bieten hat? Bekommen wir immer nur ein Stückchen Mehr von etwas, das auf Dauer nicht ausreicht.

Das ist doch Wahnsinn! Oder besteht der Wahnsinn nicht darin, alles so zu belassen und trotzdem auf Besseres zu hoffen?

Aber, etwas anderes haben wir nicht gelernt – und so schlecht geht es uns nun auch nicht. Niemand zeigt uns, wie wir ein besseres Leben führen können; nirgends lehrt man uns einen alternativen Lebensentwurf, sondern nur besser, schneller, effizienter und produktiver zu sein – als die anderen. Denn wir haben kein Miteinander, sondern nur Konkurrenten, die uns den Weg nach oben streitig machen.

Hoffen oder warten wir daher nicht mehr oder weniger auf den einen, besonderen Moment, der unser Leben verändert und sich alles zum Besseren wendet?

Jener erhoffte Moment beginnt bei dem gestressten Manager John, der sich die Frage nach dem Sinn und Unsinn seines Lebens stellt, in dem Augenblick, als er in einem Stau auf der Autobahn steht – eine Metapher für den eigenen Stillstand und das Nicht-Vorankommen. Er beschließt, nicht mehr wie die anderen auf die Auflösung zu warten, sondern schert heraus indem er eine 180 Grad Wendung macht – quasi gegen den Strom schwimmt. Aber sein vermeintlicher Befreiungsschlag führt nur zum stundenlangen Herumirren auf unbekannten Straßen, um kurz vor der Verzweiflung an einem ungewöhnlichen Ort wie in dem Café am Rande der Welt zu landen. Und hier beginnt die eigentliche Geschichte des Buches »Das Café am Rande der Welt« (Amazon Werbelink) von John Strelecky. „Buch: John Strelecky – Das Café am Rande der Welt“ weiterlesen

Sorgen um das Haben und das Nichts

Manchmal, wenn ich abends im Bett liege und mich nichts mehr ablenken kann, höre ich, wie die sorgenvollen Gedanken in meinem Kopf aus der Dunkelheit hervor treten. Früher, als ich noch ein Kind war, galt meine größte Sorge den Monstern im Schrank oder unter meinem Bett. Mit dem Heranwachsen zogen sie aus und hinterließen Platz in meinem Kopf. Kennt Ihr das?
„Sorgen um das Haben und das Nichts“ weiterlesen