Verschlossene Türen

In jungen Jahren voller Energie und ungebrochenem Selbstbewusstsein ärgerte ich mich über Türen, die sich vor mir schlossen. Dann schoss das Adrenalin durch meinen Körper und drehte bestimmte Regionen in meinem Kopf voll auf. Ich stand dann lange da, alleine mit meiner grenzenlosen Wut und hätte am liebsten die Tür und mit ihr die Welt aus den Angeln gehoben.

Und lange, wenn die Entfernung in der Zeit weite Strecken zugelegt hatte, kehrten meine Gedanken heimlich an manche dieser Türen so schnell zurück als wären sie niemals weggegangen und hofften, dass sie sich – wenn auch nur einen Spalt – öffneten. Wie eine Katze lauerte ich auf diesen Augenblick und merkte nicht, wie ich selbst abwesend, abweisend oder verschlossen auf andere wirkte.

Jetzt verweile ich immer besser nur einen bedächtigen Moment vor der Tür, wenn sie sich schließt. Und einen Moment lang flammt das alte Gefühl wieder auf. Aber schnell schenke ich dem traurigen Moment ein Lächeln zum Abschied und aus Dankbarkeit, dass jene Tür sich mir kurz geöffnet hatte und auch aus Freude über eine neue Gelegenheit, die etwas Besseres ankündigt. Denn abgeschlossene Türen kann ich nicht wieder öffnen, aber mich…

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Das Geschenk oder die Mechanik im Kopf

Das Geschenk oder die Mechanik im KopfBetrübt blickte ich aus dem Fenster des ersten Stocks auf das bunte Treiben der Läden, die unten in der Straße mit Lichterketten und Rabattschildern um die Gunst der Menschen warben. Ich saß im Café Knigge, inmitten von Düften aus frisch-gebackenen Waffeln und warmen Kaffees. Nichts davon interessierte mich. Ich lehnte meine Stirn gegen die kühle Scheibe. Sah ungeduldig hinüber zu Zara und konnte in den Glaskasten hineinschauen.

Die obere Etage war hell und klar. Die Mitarbeiterinnen darin gingen auf und ab. Ständig in Aktion. Keine Ruhe. Keine der Bewegungen und Handgriffe wirkten überflüssig. Sie schienen präzise und festgelegt zu sein. Schienen einer mir unbekannten Gesetzmäßigkeit zu folgen. Ab und an störten die Kunden diese Ordnung. Doch bevor das Chaos alles zu zerstören drohte, rückten die Mitarbeiterinnen ihre Ware zurecht und nichts deutete mehr auf das Vergangene hin.

Dort versuchte ich, sie zu entdecken. Fand sie aber nicht. Schaute herunter zum Eingang. Bahar müsste gleich Mittagspause haben und jeden Augenblick aus dem Laden herübereilen.

Ich wurde aus ihr nicht schlau! Was wollte sie von mir? Wollte sie überhaupt etwas – von mir? O. k., bei anderen Frauen erging es mir ähnlich, nur – das war mir herzlich egal. Wartete ich auf etwas? Vielleicht dachte sie das von mir. So’n Quatsch! Egal, für heute hatte ich mir etwas Besonderes ausgedacht.
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