Besser als mein Lehrer

Ein paar Gedanken von gestern hängen noch ein wenig lose an meinem Hinterkopf und flattern wild um mich herum, als wollten sie mich auf etwas aufmerksam machen. Ich glaube, das ist unvermeidbar, über das Leben eines anderen nachzudenken, um dann ins eigene zu stolpern. Gestern schrieb ich über Peter Scholze und darüber, was wir für uns (oder nur ich für mich) aus seiner Biographie mitnehmen können. Meine gesamte Beschreibung konzentrierte sich auf seine Ausdauer, seine Leidenschaft, seine Art, Dinge sich anzueignen – und dann fiel mir eine Episode aus meiner Schulzeit ein und das, was ich bei Peter Scholze zu betrachten vergessen hatte. „Besser als mein Lehrer“ weiterlesen

Ein Geschenk an die Mutter

Ein Geschenk an die MutterAls wir Kinder waren, achteten unsere Eltern genau darauf, dass wir die richtigen Freunde hatten. Die Falschen würden einen schlechten Einfluss auf uns ausüben. Raul hatte nicht die falschen Freunde – er war der falsche Freund. In der Unterstufe bezeichnete ihn seine Lehrerin als »böses Kind«, während sie ihn aus dem Gymnasium schmissen.

Als das Wort »Schwul« den Mund eines Mitschülers verließ, machte sich dessen Schneidezahn auf denselben Weg nach draußen. So leicht ihm das eine Wort fiel, so schwer folgte ihm sein Zahn. Dabei hatte er doch nur das gesagt, was auch sein Vater immer wieder sagte: wer »Raul« heiße, der sei auch schwul oder werde es irgendwann. Weder er noch sein Vater mussten sich dafür rechtfertigen.

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Wie ich durch Zufall auf Gymnasium kam

tony's pics

Gerade habe ich ein interessantes Interview über Diskriminierung im deutschen Bildungssystem mit der Soziologin Jutta Allmendinger im SPON[1] gelesen. Darin erzählt sie von ihrem Patenkind und seinen drei Freunden, deren gemeinsamer Lebensweg bereits im Kindergarten begann und dann nach der Grundschule sich stark auseinander entwickelte. Eines der Kinder war Erkan und im Gegensatz zu ihrem Patenkind kam er trotz seiner Fähigkeiten nicht auf das Gymnasium. Diese Geschichte erinnert mich daran, dass ich zunächst auch nicht auf das Gymnasium sollte und nur durch Glück und Zufall es dennoch schaffte. Wäre das nicht geschehen, stünde ich bestimmt einem anderen, schlechterem Leben gegenüber.

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