Beraten vs. Verkaufen


Alfredo ist mein Klischee des italienischen Pizzabäckers: schwarz gelocktes Haar, laut und stark gestikulierend in hochgekrempelten Ärmeln. Vielleicht inszeniert er für uns eine Show, weil er denkt, dass wir dieses südländische Temperamente von ihm erwarten. Vielleicht sehen wir auch nur das, was wir sehen wollen oder können.

Er gesellt sich wieder zu uns an den Tisch. Small Talk in gebrochenem Deutsch. Kenne ich von meinen Eltern. Er fragt uns, was wir so machen, wie der Job bei unserem Kunden läuft. Während er uns unterhält, schaut er, wie uns sein Essen schmeckt, denn das zählt für ihn.

Ich bin dabei, mir ein Stück von der vorgeschnittenen Thunfisch-Pizza mit Peperoni in die Hand zu nehmen. Ich lasse mir nämlich die Pizza vorschneiden. Als ich Alfredo das erste Mal darum bat, schaute er mich entsetzt an, als hätte ich seine Pizza vergewaltigt oder sein Restaurant entweiht.

Für ihn sind wir Berater ohnehin merkwürdige Leute, von denen er nur weiß, dass wir teuer sind und schnelle Autos fahren, aber bis heute versteht er nicht (wie meine Eltern), was zum Teufel wir da machen. Beratung? Wer zahlt für Beratung!
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