Mach mir den Ted Mosby!

Wenn ich gemein bin – und in Gedanken bin ich es häufiger, weil ich mich dann über mich und meinen Gedanken amüsiere – dann presse ich zufällige Geschichten so lange aus, bis alles Unnötige herausgequetscht ist und nur noch der Kern, also die Essenz dessen übrig bleibt. Als sich heute eine Folge von »How I Met Your Mother« auf meinem Fernseher verlief, war ich überrascht, das Folgen noch laufen können und sich nicht längst verrannt hatten bzw. Ted Mosbys Geschichte keinen Sinn mehr macht, nachdem er seine Traumfrau gefunden und glücklich am Ende der Serie lebte. Aber die Logik des Fernsehens folgt niemals meiner, daher – und ein wenig unter der Nachwirkung meiner Erinnerung über die Simulation von Romantik – folge ich meiner eigenen und verkürze die Geschichte des Ted Mosby zu einer eines erfolgreichen Frauenaufreißers (vielleicht gab es deshalb einen Barney Stinson, um das zu verdecken).

Zählt man über alle neun Staffeln und 208 Folgen seine Eroberungen (ich hab’s nicht getan), dann hat der sensible Ted mehrere Duzend Frauen vernascht, um es deutlicher zu sagen: flachgelegt, genauer: seriell flachgelegt (noch nie fand ich das Wort »seriell« passender als an dieser Stelle).
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Die Schöne und das Biest

Die Schöne und das Biest
Manche Männer finden das bei einer Frau sexy. Eine Nase mit der Attitüde von oben herab in die Höhe gemeißelt, die zeigt, hier nach oben, da gehöre ich hin, nur mein Kopf beschränkt mich dabei. Jenes Exemplar stand vor mir. Wunderschön zum Anschauen und Bewundern.

Wie ich es geschafft hatte, daran erinnere ich mich nicht mehr. Doch bevor ich meine Freude kaum fassen konnte, begann eben jene ausgewählte Schönheit, mir mit ihrer selbstgefälligen und -gerechten Art auf den Sack zu gehen. Jedes ihrer Worte, die um Bedeutungslosigkeit rankten, stocherte wie ein Haken in meiner Wut und entfachte sie mehr und mehr. Jetzt war ich sauer. Sie raubte mir das Vergnügen mit ihr!
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»Dann wandern die Millionäre aus!«

»Dann wandern die Millionäre aus!«
Plötzlich wurde es still am Tisch. Mr. Jimmy schaute uns drei mit großen Augen an. Seine Zeigefinger und Daumen bildeten ein Warndreieck um seinen Ausruf.

Es war einmal das Märchen vom scheuen Millionär oder besser: vom scheuen Kapital, das nahezu unkritisch in der Medienlandschaft und im kahlen Blätterwald umherirrte. Da stand es nun mit gespitzten Ohren und dunklen Kulleraugen. Wie lieb es schaute! Regungslos vor Angst. Aber bereit, jeden Moment zu flüchten. Es fühlte, da draußen existierte eine permanente Bedrohung. Wir lagen auf der Lauer und wollten an sein Fell, damit es uns besser ging. Wie egoistisch von uns!

Ich wollte schon verbal losfeuern, als mir plötzlich etwas einfiel.

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