Das Schlimmste wäre…

…, sagt er, wenn sie mir nicht zurückschreibt.

Wirklich, frage ich und muss darüber nachdenken. Irgendwie erscheint es mir nicht schlimm genug.

Am Samstag lernte er in der Disco eine – wie er sagt – umwerfende Frau kennen. Jetzt sitzen wir hier im Café draußen und genießen die Sonne. Um genauer zu sein, ich erfreue mich an den warmen Sonnenstrahlen und dem blauen Himmel, während er seine schützende Hand über sein Smartphone hält und auf das Display starrt, um den Moment nicht zu verpassen, an dem sie seine Nachricht liest. WhatsApp ist schon toll!

Ist das wirklich das Schlimmste, was du dir vorstellen kannst?

Ja, sagt er, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken. Zwei blaue Balken, die kein Paar sind und ihr Blau der Anfang einer unschönen Reise markieren kann.

Was wäre, sage ich, wenn sie dir schreibt, dass sie sich nicht an dich erinnert? Wenn sie dich einfach vergessen hat?

Er blickt hoch.

Sei responsive!

Aus der Dunkelheit zwischen dem pulsierenden Licht leuchten zwei pechschwarze Augen auf und zaubern das Versprechen einer heißen Nacht. Diese Vorstellung prickelt lüstern und unbehaglich in meinem Kopf. Eine Nacht mit dieser Wildkatze und ich brauche drei Tage Erholung!

Blickt sie mich an?

Irgendwo zwischen meinen Gedanken und den Menschen auf der Tanzfläche flackert ein Lächeln auf ihren Lippen auf.

Meint sie mich?

Dann fallen ein paar verwirrte Haare ihr ins Gesicht, die sie mit der Hand, begleitet von einer Aufwärtsbewegung ihres Kopfes, lässig zur Seite wirft, als wäre es ein Teil ihres Tanzes. Während all dieser wohlchoreografierten Bewegungen schaut sie mir für einen kurzen, endlosen Moment direkt in die Augen und blickt dann weg. Verschwindet in der Menge, im Licht, in der laut dröhnenden Musik. „Sei responsive!“ weiterlesen

Ü30 oder die differenzierte Sicht auf das Alter

Umwege, heißt es, erhöhen die Ortskenntnis. Etwas Ähnliches gilt vermutlich auch für Streiks.

Der Streik dauerte schon eine Weile. Die junge Frau – sie war höchstens 25 Jahre alt – erzählte mir von ihrem Erlebnis mit alternativen Fortbewegungsmitteln: Einem Trip mit einem Fahrer über die Mitfahrzentrale. An sich war das nichts Erwähnenswertes oder Aufregendes, und trotzdem verwirrten mich ihre Ausführungen, dass ich immer noch darüber nachdenke, ob es an meinem Alter liegt oder dass ich das andere Geschlecht noch immer nicht verstehe. Denn was sie tat überraschte und verwirrte mich zugleich. „Ü30 oder die differenzierte Sicht auf das Alter“ weiterlesen

Eine Mutter mit Söhnen im Weihnachtsgetümmel

Ich war eben in der Bielefelder Innenstadt. Meine Güte, wie voll das ist! Mildes Wetter gepaart mit Weihnachtseinkaufsstress. Überall drängende Menschenmassen. Kam nirgends durch. Musste mich in den Menschenstrom einreihen. Wurde entschleunigt. Und trotzdem suchte ich nach einer Lücke, um mich durchzuwurschteln, als plötzlich ein bestimmender und maßregelnder Ton mich ablenkte und meinen Blick auf eine Mutter lenkte. „Eine Mutter mit Söhnen im Weihnachtsgetümmel“ weiterlesen