Andere Seiten oder »Woanders ist es auch schön«

Nach meiner großmündigen – besser großmäuligen – Ankündigung, dass ich mehr schreiben muss, also mindestens 2x die Woche, verdränge ich das Schreiben so weit wie möglich nach hinten. Samstage und Sonntage, die beiden letzten Tage der Woche.

Es ist wie mit dem vollen Kleiderschrank: Ich habe genug Schreibmaterial im Kopf, aber nichts Wirkliches zum Schreiben. Das eine passt jetzt nicht. Das andere gefällt mir nicht… Die Liste füllt sich schnell und wird langweilig lang.

So paradox es klingen mag, wenn ich schreibe gleicht es manchmal eher einer Flucht vor dem Schreiben. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Die Begrenztheit meiner Sprache oder Unklarheit meiner Gedanken. Nur ein diffuses Gefühl oder eine selbstgefällige Illusion, dass etwas Wahres meiner Formulierung anhaftet. Dann schließe ich frustriert das Word-Dokument, denn darin schreibe ich, und begebe mich auf andere Seiten, um mich dort von anderen Bloggern inspirieren zu lassen und die Aussicht zu genießen.
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Dich entschlüsseln

Deine Nachricht öffnen. Wieder.

Lesen und leise verzweifeln.

Und das Smartphone verärgert wieder weglegen.

Und es trotzdem nicht loslassen können.

Dann wieder danach greifen, als würde es mich hinüber zu dir retten.

Wieder deine Nachricht öffnen und im hellen Schein des Displays die Worte eingehend studieren.

Zwischen deinen Textzeilen die eigenen Wünsche und Hoffnungen hineinlesen (und die Angst auslassen).

Das Smartphone wieder weglegen, aber diesmal energisch, als wollte ich dem Smartphone etwas beweisen.

Und wieder deinen Text lesen und den Worten eine neue Wendung geben (nein, das passt auch nicht).

Das Gerät weglegen, um sofort wieder danach zu greifen, als hielte es mein Herz am Leben (und doch bringst du es aus dem Takt).

Ich lese wieder deine Nachricht – eigentlich kann ich sie schon auswendig, und doch schwebt auf dem Display die vage Hoffnung, dass sich hinter deinem Text eine verborgene Botschaft verbirgt (für mich). Es ist, als enthielten die leuchtenden Buchstaben deiner Worte den Schlüssel zu einem geheimen Code, der sich unbewusst in deinen Text hineingeschlichen hat und dich entschlüsselt. Doch du bleibst mir ein Rätsel.

Das Display geht aus.

Doch ich schaue immer noch auf die Stelle, wo das Licht einst war, während die Worte auf meiner Netzhaut nachleuchten. Und dann wird es dunkel. Ich starre in die Dunkelheit. Dort lauert etwas… Als plötzlich das Display mit seinem Aufleuchten und Vibrieren mich aufschrecken lässt – eine Nachricht von dir.
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