Ein Schrank voller ungelesener Bücher und ein Leben mangelnder Zeit

Jeden Abend gehe ich jetzt mit einem Buch ins Bett.
Schon seit ein paar Wochen mache ich das. Wieder.

Während meines Studiums las ich sehr viele Bücher. In einem Jahr zählte ich über 50 Bücher, darunter dicke Wälzer wie »Der Zauberberg« von Thomas Mann oder »Anna Karenina« von Tolstoi. Dazu kamen duzender Sekundärliteratur, weil ich verstehen wollte, wie die Autoren in der Lage waren, solche Bücher zu schreiben.

Heutzutage schaffe ich kaum noch die Hälfte. Daher beschloss ich, wieder mehr zu lesen. Doch wenn die Zeit fehlte, half ein Beschluss kaum. Also verlegte ich die Zeit des Lesens vermehrt auf die Schlafenszeit – meistens vor dem Einschlafen. „Ein Schrank voller ungelesener Bücher und ein Leben mangelnder Zeit“ weiterlesen


Dich entschlüsseln

Deine Nachricht öffnen. Wieder.

Lesen und leise verzweifeln.

Und das Smartphone verärgert wieder weglegen.

Und es trotzdem nicht loslassen können.

Dann wieder danach greifen, als würde es mich hinüber zu dir retten.

Wieder deine Nachricht öffnen und im hellen Schein des Displays die Worte eingehend studieren.

Zwischen deinen Textzeilen die eigenen Wünsche und Hoffnungen hineinlesen (und die Angst auslassen).

Das Smartphone wieder weglegen, aber diesmal energisch, als wollte ich dem Smartphone etwas beweisen.

Und wieder deinen Text lesen und den Worten eine neue Wendung geben (nein, das passt auch nicht).

Das Gerät weglegen, um sofort wieder danach zu greifen, als hielte es mein Herz am Leben (und doch bringst du es aus dem Takt).

Ich lese wieder deine Nachricht – eigentlich kann ich sie schon auswendig, und doch schwebt auf dem Display die vage Hoffnung, dass sich hinter deinem Text eine verborgene Botschaft verbirgt (für mich). Es ist, als enthielten die leuchtenden Buchstaben deiner Worte den Schlüssel zu einem geheimen Code, der sich unbewusst in deinen Text hineingeschlichen hat und dich entschlüsselt. Doch du bleibst mir ein Rätsel.

Das Display geht aus.

Doch ich schaue immer noch auf die Stelle, wo das Licht einst war, während die Worte auf meiner Netzhaut nachleuchten. Und dann wird es dunkel. Ich starre in die Dunkelheit. Dort lauert etwas… Als plötzlich das Display mit seinem Aufleuchten und Vibrieren mich aufschrecken lässt – eine Nachricht von dir.
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