Angst, die Aufmerksamkeit erzeugt, die Angst erzeugt, die Aufmerksamkeit erzeugt…

Das Leben ist Asymmetrie. Ich erinnere mich diesen oder einen ähnlichen Satz von Thomas Mann gelesen zu haben. Stiglitz hätte ein »ebenso Informationen« hinzugefügt. Der Satz faszinierte mich sofort, denn es drückt für mich einen fortwährenden Kampf gegen das Gleichgewicht aus. Gleichgewicht bedeutet Stillstand und somit Tod.

Es gibt aber auch schlechte Formen des Ungleichgewichts, wie die der Verteilung des Vermögens oder eines, das von den bestimmten Akteuren wie ein Hamsterrad immer wieder am Laufen gehalten wird. Manchmal ungewollt und manchmal gewollt.
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Die Banalisierung der Blöden oder »Einfach krank!«

Der Winter ist plötzlich dem April gewichen und treibt seltsame Blüten. Es raschelt im Gebüsch. Ein Echo hallt dumpf durch den Blätterwald nach und verbreitet Empörungswellen. Das Gansta-Rapper-Duo Kollegah und Farid Bang vollbrachte das schäbige Kunststück, den Körper der Holocaust-Opfer auf ein banales Fitness Attribut zu reduzieren (der Link führt zum gesamten Text des Lieds »0815«, den man gelesen haben sollte), um sich selbst groß hervor zu tun.

Seitdem schlägt das Ereignis Wellen. Sorgt für Proteststürme. Spült täglich irgendwelche Meldungen von Künstlern, die kritisieren, und manche gaben sogar ihre Echos zurück. Noch nie habe ich mich so viel mit einem Preis beschäftigt, der mich so wenig interessierte.

Bevor ich missverstanden werde: Der Vergleich war abgeschmackt. Die Proteste und die Distanzierung der Künstler und der Medien richtig und wichtig – nur stelle ich mir die Frage: Was hat es gebracht?
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Pokémon Go oder Auf der Jagd nach fiktiven Monstern

Kennt Ihr »Homo Faber« (Amazon Werbelink) von Max Frisch? Darin »erlebt« der Ingenieur Walter Faber die Welt indirekt durch seine Kamera, eine Art Mittel zur Objektivierung und Distanzierung von seinen Gefühlen und der Welt. Daran dachte ich, als ich neulich über Pokémon Go las oder sah. Ein Spiel, das die reale Welt zum Hintergrund degradiert und als Bühne für eine Fiktive dient. Pokémon Go zu übersehen bzw. überlesen ist auch gar nicht möglich. Wohin ich auch schaue, überall sehe und lese ich etwas über die Erfolgs-App Pokémon Go. Anscheinend ist das der Megatrend in diesem Sommer, der wie ein Fieber um sich greift und viele Menschen ansteckt – zum Glück bin ich geimpft. „Pokémon Go oder Auf der Jagd nach fiktiven Monstern“ weiterlesen

Die Entführung der Madame H.

Madame Hoch von Oben-Herab war von edlem Gestüt und hatte eine unglaublich große Nase – und jeder weiß, was man über Frauen mit großen Nasen sagt. In der Gesellschaft nannte man sie respektvoll »Madame Grandessa«, was französisch klang, aber in Wirklichkeit italienisch war und »Übergroßer Zinken« bedeutete.

Und jedes Jahr, wenn sie im Sommer am Strand auf dem Rücken schwamm, löste sie einen panischen Hai-Alarm aus. Man hätte annehmen können, dass sie ausgestattet mit dieser grandiosen Nase hätte riechen können, dass etwas an den beiden Männern, die ihr überraschend über den Weg liefen, faul sein müsste. „Die Entführung der Madame H.“ weiterlesen