So viel Zukunft, so viel Freude

»In jener Nacht, in der Varja geboren wurde, lag sie da und sah uns stundenlang an. Ihre Augen waren wie zwei schwarze Laternen. Ihr Körper blutverschmiert, die langen Haare klebten am Kopf, und wenn sie sich rührte, geschah es mit den bedächtigen Bewegungen eines Kriechtiers. Als sie so auf Lindas Bauch lag und uns anstarrte, sah sie aus wie etwas aus dem Wald. Wir konnten von ihr und ihrem Blick einfach nicht lassen. Aber was lag in ihm? Ruhe, Ernst, Dunkelheit. Ich streckte die Zunge heraus, es verging eine Minute, dann streckte sie ihre Zunge heraus. Nie hat es so viel Zukunft in meinem Leben gegeben wie damals, nie so viel Freude.«

Aus Karl Ove Knausgard »Sterben« (Amazon Werbelink)

Auf der Suche nach dem verlorenen Handy

Als ich heute Morgen aufwachte, da ahnte ich nicht, dass der Griff kopfüber in eine gelbe Tonne der Höhepunkt meines Tages sein würde. Meine Mutter rief mich an. Ihre Stimme klang beunruhigt und angespannt. Ging es ihr nicht gut? Mein Herz begann sofort zu klopfen und sorgenvolle Gedanken in meinen Kopf zu pumpen. „Auf der Suche nach dem verlorenen Handy“ weiterlesen

Scheiß italienischer Schiri oder wie Vorurteile entstehen

Ein beunruhigender Gedanke, dass in einen emotional hoch geladenen Moment ein achtlos dahingerotztes Wort viel Unheil anrichten kann, vor allem in Gegenwart eines Kindes.

Als die Mannschaft im Halbfinale gegen Frankreich »Scheiß Schiri!« am Verlieren war, »Der ist doch nur sauer, weil wir gegen Italien gewonnen haben!« wer von uns war da nicht stinksauer und hat das nicht gedacht oder sogar ausgesprochen…? »Jetzt rächt er sich dafür!« „Scheiß italienischer Schiri oder wie Vorurteile entstehen“ weiterlesen

Menschliche Abgründe

Unsere größte Angst gilt nicht uns selbst, sondern den Menschen, die wir zu beschützen versuchen.

Dunkle Wolken verfinstern den Himmel, und tausende Regentropfen prasseln auf die Erde nieder. Aus unbekannter Ferne dringt ein bedrohliches Dröhnen durch den dichten Regenschleier. Seit Tagen regnet es in diesem Sommer immer wieder. Während ich aus dem Fenster schaue muss ich an die Mutter denken, in dessen Gesicht sich tiefe Trauer eingegraben hatte, als sie mir von der kleinen S. erzählte, die nach dem Schulschluss alleine im Regen stand und auf ihre Mutter wartete. „Menschliche Abgründe“ weiterlesen