Beraten vs. Verkaufen

Alfredo ist mein Klischee des italienischen Pizzabäckers: schwarz gelocktes Haar, laut und stark gestikulierend in hochgekrempelten Ärmeln. Vielleicht inszeniert er für uns eine Show, weil er denkt, dass wir dieses südländische Temperamente von ihm erwarten. Vielleicht sehen wir auch nur das, was wir sehen wollen oder können.

Er gesellt sich wieder zu uns an den Tisch. Small Talk in gebrochenem Deutsch. Kenne ich von meinen Eltern. Er fragt uns, was wir so machen, wie der Job bei unserem Kunden läuft. Während er uns unterhält, schaut er, wie uns sein Essen schmeckt, denn das zählt für ihn.

Ich bin dabei, mir ein Stück von der vorgeschnittenen Thunfisch-Pizza mit Peperoni in die Hand zu nehmen. Ich lasse mir nämlich die Pizza vorschneiden. Als ich Alfredo das erste Mal darum bat, schaute er mich entsetzt an, als hätte ich seine Pizza vergewaltigt oder sein Restaurant entweiht.

Für ihn sind wir Berater ohnehin merkwürdige Leute, von denen er nur weiß, dass wir teuer sind und schnelle Autos fahren, aber bis heute versteht er nicht (wie meine Eltern), was zum Teufel wir da machen. Beratung? Wer zahlt für Beratung!
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Das Placebo-Bier

Anhängern der Homöopathie dürfte der Effekt längst bekannt sein. Je stärker ein Mittel verdünnt wird, umso wirkungsvoller soll er sein. Jedoch im Zusammenhang mit Alkohol dürfte das nicht wie im Folgenden evaluiert worden sein. Wir waren jung. Uns schwebte damals alles andere vor als genau diesen Hauch von Nichts unfreiwillig auszuprobieren. Abgesehen davon, die Homöopathie war damals auch noch nicht in Mode.

Unberauscht

Wir liegen am Strand und bereiten uns auf den Abend vor. Trotz rauschendem Meer und knisterndem Lagerfeuer kommt irgendwie keine richtige Stimmung hoch. Nein, nicht weil wir Männer nicht solche Momente genießen könnten! Wir hatten ja alle zur Sicherheit ein kühles Sixpack dabei. Fürs Vorglühen und natürlich gegen die Hitze. Dennoch, der Funke wollte nicht so recht überspringen – oder waren wir von den Vortagen bereits ausgepowert? Wir waren schon ein paar Tage hier in Spanien. Heute wollten wir es deshalb etwas ruhiger angehen, aber so ruhig nun wieder auch nicht.

„Uahhhhh“, gluggert es plötzlich aus ihm heraus, während er wie eine Qualle ausgebreitet daliegt und wellenförmig zu zerfließen droht. „Oh man bin ich breit“, presst er noch mit letzter Kraft heraus und scheint in sich hinein zu plumpsen. Nur die Bierflasche ragt markant aus dieser gänzlich amorphen Masse heraus. Die hält er sicher in seiner rechten Hand hoch, voll umfasst und schüttelt sie immer wieder. Sein Kopf hebt sich wieder und seine zugespitzten Lippen suchen den Flaschenkopf, nur sein Körper scheint ihm nicht ganz folgen zu wollen. „Boah“, stößt er wieder aus, „bin ich besoffen!“

Jetzt fängt er aber an zu nerven. Aber – Moment mal, denke ich mir, während ich allmählich aus der Lethargie erwache. Ja, genau, das war es! Jetzt bin ich wach. Die ganze Zeit über passte hier doch etwas nicht!

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