Mr. Romantik oder Was ist echt oder nur gespielt

Irgendwoher hatte der Typ aufgeschnappt, dass ich Ahnung von Frauen hatte und von Romantik – vermutlich bedingte das Eine das andere. Entweder verbreitete jemand gemeine Gerüchte über mich oder der Typ musste wirklich verzweifelt gewesen sein.

Das war damals, also zur guten, alten Zeit, als unsere Telefone nicht smarter als wir waren und das Internet nur in Form eines mechanisch kreischenden Modems konnektierbar war.

Also damals hatte der verzweifelte Typ ohne Facebook und WhatsApp mitbekommen, dass seine neue Flamme Anke voll auf Romantik stand. Vielleicht brauchte man nicht wirklich das Internet, um diese Banalität herauszufinden. Die Bedeutung von Romantik jedoch konnte er nicht googeln und in keinem Wikipedia Artikel nachlesen. Die Sendung mit der Maus beschäftigte sich auch nur mit anderen Themen, daher blieb ich als Informationsquelle übrig. Ja, schon damals nahm die eigene Realitätsblase bizarre Formen an. “Mr. Romantik oder Was ist echt oder nur gespielt” weiterlesen


Seelenreparierer

Jede Beziehung veränderte einen Menschen. Meistens waren es bereichernde und erfüllende Erfahrungen. Manchmal aber richtete sie Schaden an und hinterließ etwas nicht definierbar Kaputtes in einem zurück.

Das Kaputte reiste dann als blinder Passagier mit zur nächsten. Dort breitete es sich im menschlichen Zwischenspiel wie ein Virus von einem Menschen auf den Nächsten aus. Doch im Gegensatz zu einer ansteckenden Krankheit hoffte es auf Heilung. Fand sie diese nicht, dann suchte sie ihr Heil beim Nächsten und alles begann von vorne. “Seelenreparierer” weiterlesen

Heiraten oder Von der Zähmung wilder Hengste

Am Freitag dieser Woche lernte ich ein befremdliches Hochzeitsritual kennen: Der Braut wurde gratuliert, dem Bräutigam das Bedauern ausgesprochen. Nein, nicht direkt bei der Trauung, sondern abseits im Verborgenen, hinter ihrem Rücken.

Es war nicht das erste Mal, dass ich die scherzhaften Beileidsbekundungen für den frisch vermählten Ehemann hörte, als sei die Ehe für einen Mann das Ende einer langen Flucht, der Abschied aus einem schönen Leben, das er letztlich verloren und seine Frau gewonnen hatte. Nun drohte also die Gefangenschaft. Die Zähmung des Widerspenstigen wie in Shakespeares Stück nur umgekehrt oder ähnlich wie im Film mit Adriano Celentano und Ornella Muti, das ich als Kind so geliebt hatte.

Es klingt irgendwie lustig. Aber, verhielt es sich nicht im wirklichen Leben genau umgekehrt, wendete sich das Leben nicht für die Ehefrau zum Schlechteren? Statistisch gesehen leider schon, denn erstaunlicherweise sind Frauen in Ehen im Durchschnitt unglücklicher als unverheiratete Frauen. Liegt das am Mann?
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