Angst, die Aufmerksamkeit erzeugt, die Angst erzeugt, die Aufmerksamkeit erzeugt…


Das Leben ist Asymmetrie. Ich erinnere mich diesen oder einen ähnlichen Satz von Thomas Mann gelesen zu haben. Stiglitz hätte ein »ebenso Informationen« hinzugefügt. Der Satz faszinierte mich sofort, denn es drückt für mich einen fortwährenden Kampf gegen das Gleichgewicht aus. Gleichgewicht bedeutet Stillstand und somit Tod.

Es gibt aber auch schlechte Formen des Ungleichgewichts, wie die der Verteilung des Vermögens oder eines, das von den bestimmten Akteuren wie ein Hamsterrad immer wieder am Laufen gehalten wird. Manchmal ungewollt und manchmal gewollt.
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Dich entschlüsseln

Deine Nachricht öffnen. Wieder.

Lesen und leise verzweifeln.

Und das Smartphone verärgert wieder weglegen.

Und es trotzdem nicht loslassen können.

Dann wieder danach greifen, als würde es mich hinüber zu dir retten.

Wieder deine Nachricht öffnen und im hellen Schein des Displays die Worte eingehend studieren.

Zwischen deinen Textzeilen die eigenen Wünsche und Hoffnungen hineinlesen (und die Angst auslassen).

Das Smartphone wieder weglegen, aber diesmal energisch, als wollte ich dem Smartphone etwas beweisen.

Und wieder deinen Text lesen und den Worten eine neue Wendung geben (nein, das passt auch nicht).

Das Gerät weglegen, um sofort wieder danach zu greifen, als hielte es mein Herz am Leben (und doch bringst du es aus dem Takt).

Ich lese wieder deine Nachricht – eigentlich kann ich sie schon auswendig, und doch schwebt auf dem Display die vage Hoffnung, dass sich hinter deinem Text eine verborgene Botschaft verbirgt (für mich). Es ist, als enthielten die leuchtenden Buchstaben deiner Worte den Schlüssel zu einem geheimen Code, der sich unbewusst in deinen Text hineingeschlichen hat und dich entschlüsselt. Doch du bleibst mir ein Rätsel.

Das Display geht aus.

Doch ich schaue immer noch auf die Stelle, wo das Licht einst war, während die Worte auf meiner Netzhaut nachleuchten. Und dann wird es dunkel. Ich starre in die Dunkelheit. Dort lauert etwas… Als plötzlich das Display mit seinem Aufleuchten und Vibrieren mich aufschrecken lässt – eine Nachricht von dir.
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Das Prickeln und mein Unterwasserflirt

Meine Erinnerung ist eine undankbare Schlampe. Nie merkt sie sich das, was ich will und erinnert sich in den unmöglichsten Momenten an Ereignisse in den unpassendsten Situationen.

Heute Morgen weckte der Regen mich unsanft mit seinen lauten und stetigen Tropfen gegen meine Fensterscheibe. Haben wir nicht Sommer? Ok, die Witze über den Sommer sind so ausgelutscht wie der Sommer selbst. Doch ärgert es mich schon, dass ich an meinen Ausschlaftagen früher und leichter aufwache, als an meinen Arbeitstagen. Vielleicht versucht mein Körper mir unbewusst etwas mitzuteilen, etwas wie: Arbeit ist ungesund und widernatürlich oder arbeite nur an Wochenenden und nie in der Woche. Also eine reine und sehr vernünftige Schutzfunktion meines Körpers, tief verankert und daher leicht zu überhören.

Ich reiße die Gardinen auf und blicke hinaus durch eine mit Hunderten von Tropfen verwässerte Fensterscheibe in eine von Wellen verwirbelte Welt. Dann fällt mir die ältere Dame mit seltsam schwungvollem Gang und Haaren ein, die vor mir lief auf meinem Weg zur Arbeit diesen Montag.
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SPON: »Terrorverdacht im Flugzeug«

Vor Tagen las ich einen Artikel auf SPON »Terrorverdacht im Flugzeug: Professor muss wegen Mathegleichungen aussteigen«, den ich immer noch beunruhigend und verstörend finde:

»Guido Menzio lehrt Ökonomie an der University of Pennsylvania. […] Komplizierte Differenzialgleichungen gehören da zu seinem Tagwerk.

Die wurden dem Professor mit den wilden schwarzen Locken auf einem American-Airlines-Flug von Philadelphia nach Syracuse am Donnerstagabend fast zum Verhängnis. […]

Seine Sitznachbarin hielt die Schriftzeichen, in denen Ökonomen ihre Funktionen ausdrücken, offenbar für eine fremde Sprache und Menzio für einen Terroristen.«

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Das angeborene Herzleiden einer Mutter

Das angeborene Herzleiden einer Mutter
(Beruht auf einer wahren Begebenheit)

Aus der Dunkelheit drang Kälte, und ein Laut bohrte sich seinen Weg zu ihr. Sie drehte ihren Kopf in die Richtung. Da war es wieder. Doch sie konnte nichts sehen. Sie spürte eine große Leere hinter dem Dunkel und doch war da etwas, das sich in Wellen seinen Weg zu ihr bahnte.
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