Buch: Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe

»Ich arbeite gerne in der Notaufnahme – jedenfalls lernt man dort Männer kennen.«

Buch Lucia Berlin - Was ich sonst noch verpasst habe
Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe (Amazon Werbelink)

Ich las den Einstiegssatz und musste sofort lachen. Es stammt von der Geschichte »Mein Jockey« aus Lucia Berlins Buch »Was ich sonst noch verpasst habe« (Amazon Werbelink).

Ich fand ihn aktuell, bissig, vielleicht sogar sarkastisch. Zudem steckte in ihm der Charme, mit den Gegebenheiten des Lebens pragmatisch und humorvoll umzugehen. Und vielleicht versteckte sich noch etwas Verzweiflung zwischen den Worten. In allem war der Satz geistreich, ehrlich und direkt, ohne Allüren. Er hätte sich auf Twitter bestimmt großartig gemacht.

Mein Lachen hatte mich kurzweilig vom Text ablenkt, aber es reichte, um in mir das Gefühl zu wecken, das in dem Satz etwas viel Tiefergehendes, Grundlegendes steckt. „Buch: Lucia Berlin – Was ich sonst noch verpasst habe“ weiterlesen

Buch: John Strelecky – Das Café am Rande der Welt

Was ist es, das ein gutes Leben ausmacht?

Café am Rande der Welt von John Strelecky
Café am Rande der Welt von John Strelecky (Amazon Werbelink)

Jeden Morgen wachen wir auf und gehen zur Arbeit. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat um Monat.

Wir arbeiten acht oder mehr Stunden, um irgendwann befördert zu werden, um mehr zu verdienen, um dann noch mehr zu arbeiten, weil das erkaufte Glück schnell aufgebraucht ist und die Dosis erhöht werden muss. Dann arbeiten wir noch mehr, denn nach oben hin gibt es keine Grenze.

Und so rennen wir immer schneller, um voranzukommen und sind wie ein Hamster im Hamsterrad gefangen – oder ist es lediglich ein verzweifelter Versuch, zu entkommen? Denn manchmal fragen wir uns: Soll es das gewesen sein? Ist das alles, was das Leben zu bieten hat? Bekommen wir immer nur ein Stückchen Mehr von etwas, das auf Dauer nicht ausreicht.

Das ist doch Wahnsinn! Oder besteht der Wahnsinn nicht darin, alles so zu belassen und trotzdem auf Besseres zu hoffen?

Aber, etwas anderes haben wir nicht gelernt – und so schlecht geht es uns nun auch nicht. Niemand zeigt uns, wie wir ein besseres Leben führen können; nirgends lehrt man uns einen alternativen Lebensentwurf, sondern nur besser, schneller, effizienter und produktiver zu sein – als die anderen. Denn wir haben kein Miteinander, sondern nur Konkurrenten, die uns den Weg nach oben streitig machen.

Hoffen oder warten wir daher nicht mehr oder weniger auf den einen, besonderen Moment, der unser Leben verändert und sich alles zum Besseren wendet?

Jener erhoffte Moment beginnt bei dem gestressten Manager John, der sich die Frage nach dem Sinn und Unsinn seines Lebens stellt, in dem Augenblick, als er in einem Stau auf der Autobahn steht – eine Metapher für den eigenen Stillstand und das Nicht-Vorankommen. Er beschließt, nicht mehr wie die anderen auf die Auflösung zu warten, sondern schert heraus indem er eine 180 Grad Wendung macht – quasi gegen den Strom schwimmt. Aber sein vermeintlicher Befreiungsschlag führt nur zum stundenlangen Herumirren auf unbekannten Straßen, um kurz vor der Verzweiflung an einem ungewöhnlichen Ort wie in dem Café am Rande der Welt zu landen. Und hier beginnt die eigentliche Geschichte des Buches »Das Café am Rande der Welt« (Amazon Werbelink) von John Strelecky. „Buch: John Strelecky – Das Café am Rande der Welt“ weiterlesen

Autobahnjudo oder Mut im Windschatten

Judo, das klang für mich alles andere als cool. Als ich mich als Jugendlicher dafür einschrieb, wusste ich nicht einmal, dass es sich um eine Kampfsportart handelt. Damals begeisterte ich mich für Kung Fu, angeregt durch Bruce Lee und Shaolin Filme. Judo hingegen war „der sanfte Weg“. Keine Schläge, Tritte oder beeindruckenden Bewegungen. Die Kunst bestand vielmehr darin, durch Nachgeben einen Sieg über seinen Gegner zu erringen. Man nutzt die Kraft des manchmal viel kräftigeren Gegners aus. Vielleicht gibt man ihm einen kleinen Schubs, um ihn in die richtige Richtung zu lenken. Besiegt ihn mit minimalstem Aufwand und maximalstem Effekt. Im Grunde etwas wie die Kunst, den Gegner sich selbst besiegen zu lassen ohne ihn dabei zu verletzten!

Es dauert seine Zeit, bis ich Judo und die in ihm innewohnende Haltung zu verstehen und zu schätzen verstand. Nur dass sie mir kürzlich auf der Autobahn helfen würde, damit hätte ich nie gerechnet! Nun, im Autoverkehr von Gegnern und Kampf zu sprechen klingt nicht ganz richtig, aber so falsch fühlt es sich dennoch nicht an.

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