Mr. Präsident und sein Überraschungsei

Als Trump eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in einem fremden Raum als weltgrößter Präsident wieder. Es musste ein Irrtum sein oder seine Augen täuschten ihn. Er rubbelte sich die Augen, um die Tropfen der Nacht aus seinem verklärten Blick zu wringen, als seien seine Lider zwei nasse Lappen.

Er spürte die harte Stuhllehne am Rücken, als er seinen Kopf ein wenig hob. Das grelle Licht an der Decke flimmerte hilflos. Das ging zu weit nach oben. Aber zu weit oben, das war der Ort, wo ein Mann wie er hingehörte. Nur – er blinzelte den Schlaf noch immer aus den Augen und suchte nach Antworten. Doch davor musste er sich die Fragen auf diese Antworten ausdenken. Aber bevor ihm gelang, sich zu fragen, wie zum Teufel er hierher kam und warum, fiel sein Blick auf das kleine, verspielte Ei mitten auf dem glatten, sterilen Tisch vor dem er saß.

Was für ein komisches Ei, dachte er sich, und dann noch nur ein einziges Ei und das noch zum Frühstück! Wo waren der Speck, die Cornflakes, der Big Mac oder die Pommes?

»Wir haben ein Überraschungsei für Sie.«

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Amazon Prime oder Netflix?

Mittwoch, 02.01.19. Bielefeld.

Mir wird wieder klar, warum die Weihnachtstage oder Sylvester unter Kennern auch liebevoll »all you can eat« Tage genannt werden. Bisher konnte ich mich erfolgreich diesem unkontrollierten Essen bis an die Grenzen des Körperlichen entziehen. Doch die letzten beiden Tage passierte es dann doch. Völlerei. Mein Bauch angespannt. Mehr geht nicht. Teile des Essens schmecke ich immer noch. Ich denke, ich werde NIE WIEDER etwas essen.

So ein Bauch fühlt sich nicht nur schlecht an, es sieht auch alles andere als gut aus. Ich erwäge den Gedanken mit dem Nicht-mehr-essen ernsthaft zu verfolgen statt ins Fitness-Studio zu gehen oder zu joggen – apropos Joggen! Da fällt mir ein: Die moderne Art des Abnehmens ist der Serien-Marathon. Der Plan wäre, mich mit einer Kiste erquickendem Wassers auf mein Sofa zu knallen, einen Serien-Marathon zu starten und mich nicht mehr zu bewegen bis mein Körper dieses unnötige Essen völlig aufgezehrt hat. Das wirft die Frage auf, welche Serien schaue ich und wo – auf Amazon Prime oder Netflix?

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Bad Stories

Samstag, 29.12.18. Bielefeld.

Am Grad der Zerstreutheit bemisst man das Maß an Intelligenz – und was soll ich sagen, ich bin un-glaub-lich intelligent zerstreut! Ich kann es beweisen, wozu habe ich sonst einen Blog. Da wäre mein Kampf mit der Duschkabine in einem Hotel im wunderschönen Barcelona. Oder mein widerspenstiger Wasserhahn. Oder heute, wie es der Zufall will ebenfalls im Bad, wo ich mich rasiere und den cremigen, weißen Schaum in meiner linken Hand gedankenverloren aufschlage und mir ins Gesicht schmieren möchte.

Während meine Hand im Autopilot mein Gesicht ansteuert, erreichen meine Nase unerwartete Gerüche, die meine ausschweifenden Gedanken wie aus dem Jenseits ins Hier und Jetzt holen. Phenoxyethanol, Methylparaben und Parfüm mit einem Spritzer Zitrone. Der Schaum riecht nicht nur seltsam, sondern fühlt sich falsch an. Also drehe ich mein Gesicht zu meiner sich nähernden Hand und kitzle mit meiner Nasenspitze die Schaumkrone. Es ist – Schaumfestiger!

Gut, alles halb so schlimm wie das eine Mal (nicht im Ferienlager), als ich den Rasierschaum auf meine Zahnbürste sprühte. Ein besonderes Geschmackserlebnis, dennoch nicht nachahmenswert.

Ich bin so häufig in Gedanken versunken, dass ich ständig im Automodus laufe – tatsächlich springt die Maschinerie in meinem Kopf sofort an, wenn sich meine Beine bewegen. Vielleicht langweilt mich die Welt. Daher merke ich erst spät, was wirklich passiert ist. Erst vor einigen Tagen, ich hatte es eigentlich schon vergessen, ereignete sich eine »Bad Story« außerhalb (m)eines Bads. Und sie hätte für mich schlimm ausgehen können, sodass ich jetzt nicht unversehrt hier sitzen und diesen Text hätte schreiben können.

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