Auf der Suche nach der verlorenen Wartezeit der Patienten

Patient kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: geduldig warten im Wartezimmer.

Wusste ich auch nicht, obwohl ich Latein in der Schule hatte. Aber das ist der Unterschied zwischen Theorie in der Schule und der Praxis im Leben bzw. beim Arzt.

Was ich auch nicht wusste: Zu der Arztuntersuchung gehört ebenso das unabdingbare Ritual des Wartens. Quasi das Vorspiel. Ein kontemplativer Moment des Auf-sich-Besinnens und In-sich-Kehrens.

Es ist eine Art Meditation. Das wissen nur ganz wenige.

Ich meine, mein Arzt kennt mich besser als ich mich selbst. Er weiß, dass ich im Herzen gerne länger im Wartezimmer sitze, um mich zu entspannen. Stressiger Job und so. Daher bekomme ich häufig einen Termin weit vor meiner Behandlungszeit. Wenn ich all die anderen Patienten im Wartezimmer sehe, dann sehe ich, ich bin nicht alleine. Das ist gut zu wissen. Vermutlich auch eine versteckte Kapitalismuskritik.

Es ist eine Art Therapie. Das weiß eigentlich keiner.

Natürlich ich auch nicht. Vor allem als undankbarer Mensch weiß ich diese kleine Oase der Entspannung fernab allen Alltagsstresses nicht zu schätzen. Da ich nun so ein Mensch bin, führe ich wunderliche Diskussionen mit den Angestellten des Arztes. Die eine ging so. „Auf der Suche nach der verlorenen Wartezeit der Patienten“ weiterlesen

Hunger!

Ein namenloser Vater streift mit seinem Sohn durch eine Welt, die eingehüllt ist in ein düsteres Grau. Die Sonne scheint nicht mehr, weil der Himmel durch Asche verdunkelt wird, weil die Asche als Regen fällt und weil die Asche alles auf der Erde mit einem schmutzigen Grau verdeckt. Darunter alles ausgestorben. Eine Welt verlorener Vergangenheit und ohne Zukunft. In dieser trostlosen Welt kämpft der Vater mit seinem Sohn gegen Kälte, Hunger und menschliche Bedrohungen.

Eine Welt, die ich mir kaum vorstellen kann. Nur vage, weil in meiner Vorstellung Bilder aus Welt der Serie »The Walking Dead« auftauchen. Ich lese gerade Cormac McCarthys Buch »Die Strasse« (Amazon Werbelink).

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Es ist seltsam, wenn ich mit Hungergefühl etwas sehe, höre oder auch – wie in diesem Fall – lese, das vom Essen handelt (riechen ist eine ganz andere Dimension). Wenn ich Hunger habe und länger nichts esse, dann nimmt mich der Gedanke ans Essen in Beschlag und versucht mich, die ganze Zeit mit leckeren Bildern zu verführen. Dann grollt mein Magen mürrisch, um mir zu zeigen, wie ernst es mein Körper meint.

Seitdem ich intervallfaste, hat sich meine Wahrnehmung geändert. Zuvor belanglose Nebensächlichkeiten wie Essen, die im Hintergrund verloren gingen, drängen sich jetzt nach vorne in mein Bewusstsein. Lenken meine Aufmerksamkeit auf die verführerischen Köstlichkeiten. „Hunger!“ weiterlesen

Einkaufen offline

Es gibt bestimmte Filmszenen, die vergisst man nicht so leicht, weil sie aus einem unbegreiflichen Grund sich in deinem Kopf verheddern und dort Unfug treiben. Dann, in einem unpassenden Moment, finden sie den Weg ins Freie, also in dein Leben, um sich dort über dich lustig zu machen. In meinem Fall bist du ich. Und die Szene, von der ich rede, handelt von Tyler Durden aus dem Film Fight Club (Amazon Werbelink).

Ich sehe Tyler Durden mit seinem verächtlichen Lächeln vor mir, wie er mir meine Hausaufgabe aufgibt. Doch anstatt zu sagen, beginne eine Schlägerei und verliere, sagt er: Gehe in einen Kaufladen, lasse dich zwei Stunden beraten und – jetzt schaut er mir direkt in die Augen – gehe wieder, ohne etwas zu kaufen! „Einkaufen offline“ weiterlesen