Störende Blicke und die attraktiven Frauen

Bielefeld heute. Die Sonne lächelt in den frischen Tag hinein.

Ich blicke aus dem Fenster in den Morgen, während ich mich gerade auf einem Crosstrainer beim Fitness aufwärme. Der andere Arm zurück. Überkreuzt die Beine. Und wiederholen. Morgens bin ich so geschmeidig wie ein tiefgefrorenes Huhn. Dann muss ich mich durch Bewegung langsam auftauen und auseinanderfalten.

Am liebsten würde ich mich in eine Mikrowelle legen und mich ein paar Runden kross drehen. Leider geht das nicht, weil ich höchstwahrscheinlich dabei einschlafen würde. Also muss ich mich mit dem Crosstrainer begnügen. Laufband wäre zu hart. Ich werde halt alt. Schon die ganze Zeit. Früher fand ich diesen Satz schlimm. Jetzt halte ich daran so lange es geht fest, denn am Ende bin ich einfach nur alt.

Egal, dann dauert das Warm-Up halt länger.

Und das ist gar nicht so schlimm. Morgens gleicht das Fitnessstudio einem kleinen, geheimen Club, in das sich nur wenige Verlaufen. Daher mag ich die Ruhe, die unverbrauchte Luft und den maximalen Abstand zu den anderen Fitnessen (sagt man das so?).

Also weiter mit den Armen schwingen. Schwubb, schwubb, schwubb. Als sei dies ein Lockruf, nähern sich zwei Damen und – wie soll es anders sein – steigen auf die Geräte neben mir. Natürlich darf ich das nicht überbewerten, nur weil nahezu alle Geräte frei sind. So süß bin ich dann doch nicht. „Störende Blicke und die attraktiven Frauen“ weiterlesen

Kann man anhand der Augenfarbe des Kindes die Vaterschaft ausschließen?

Als Kind wollte ich immer Detektiv werden und Fälle lösen, so wie Die drei ???. Dann, beeindruckt von Dr. Hannibal Lecters Fähigkeiten, andere Menschen wie offene Bücher zu lesen, ein Psychiater. Später träumte ich davon, ein Profiler zu sein und mittendrin auch mal ein Shaolin Mönch wegen des Kung Fus.

Von alledem ist die Faszination geblieben, aus simplen sichtbaren Information etwas über einen Menschen herauszufinden. Äußere Merkmale, die etwas über sie oder ihre Beziehung zu anderen Menschen verraten. Eines dieser Merkmale kreuzt immer wieder meinen Weg, wie auch kürzlich in der Folge 7 »Mittel und Wege« der ersten Staffel von »Elementary«: Die Augenfarbe.

In dieser Folge schließt Sherlock die leibliche Vaterschaft aus, weil das Kind blaue Augen hat und seine Eltern braune.

Damit die Frage: Kann man anhand der Augenfarbe des Kindes die Vaterschaft ausschließen? „Kann man anhand der Augenfarbe des Kindes die Vaterschaft ausschließen?“ weiterlesen

Auf der Suche nach der verlorenen Wartezeit der Patienten

Patient kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: geduldig warten im Wartezimmer.

Wusste ich auch nicht, obwohl ich Latein in der Schule hatte. Aber das ist der Unterschied zwischen Theorie in der Schule und der Praxis im Leben bzw. beim Arzt.

Was ich auch nicht wusste: Zu der Arztuntersuchung gehört ebenso das unabdingbare Ritual des Wartens. Quasi das Vorspiel. Ein kontemplativer Moment des Auf-sich-Besinnens und In-sich-Kehrens.

Es ist eine Art Meditation. Das wissen nur ganz wenige.

Ich meine, mein Arzt kennt mich besser als ich mich selbst. Er weiß, dass ich im Herzen gerne länger im Wartezimmer sitze, um mich zu entspannen. Stressiger Job und so. Daher bekomme ich häufig einen Termin weit vor meiner Behandlungszeit. Wenn ich all die anderen Patienten im Wartezimmer sehe, dann sehe ich, ich bin nicht alleine. Das ist gut zu wissen. Vermutlich auch eine versteckte Kapitalismuskritik.

Es ist eine Art Therapie. Das weiß eigentlich keiner.

Natürlich ich auch nicht. Vor allem als undankbarer Mensch weiß ich diese kleine Oase der Entspannung fernab allen Alltagsstresses nicht zu schätzen. Da ich nun so ein Mensch bin, führe ich wunderliche Diskussionen mit den Angestellten des Arztes. Die eine ging so. „Auf der Suche nach der verlorenen Wartezeit der Patienten“ weiterlesen

Hunger!

Ein namenloser Vater streift mit seinem Sohn durch eine Welt, die eingehüllt ist in ein düsteres Grau. Die Sonne scheint nicht mehr, weil der Himmel durch Asche verdunkelt wird, weil die Asche als Regen fällt und weil die Asche alles auf der Erde mit einem schmutzigen Grau verdeckt. Darunter alles ausgestorben. Eine Welt verlorener Vergangenheit und ohne Zukunft. In dieser trostlosen Welt kämpft der Vater mit seinem Sohn gegen Kälte, Hunger und menschliche Bedrohungen.

Eine Welt, die ich mir kaum vorstellen kann. Nur vage, weil in meiner Vorstellung Bilder aus Welt der Serie »The Walking Dead« auftauchen. Ich lese gerade Cormac McCarthys Buch »Die Strasse« (Amazon Werbelink).

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Es ist seltsam, wenn ich mit Hungergefühl etwas sehe, höre oder auch – wie in diesem Fall – lese, das vom Essen handelt (riechen ist eine ganz andere Dimension). Wenn ich Hunger habe und länger nichts esse, dann nimmt mich der Gedanke ans Essen in Beschlag und versucht mich, die ganze Zeit mit leckeren Bildern zu verführen. Dann grollt mein Magen mürrisch, um mir zu zeigen, wie ernst es mein Körper meint.

Seitdem ich intervallfaste, hat sich meine Wahrnehmung geändert. Zuvor belanglose Nebensächlichkeiten wie Essen, die im Hintergrund verloren gingen, drängen sich jetzt nach vorne in mein Bewusstsein. Lenken meine Aufmerksamkeit auf die verführerischen Köstlichkeiten. „Hunger!“ weiterlesen