WhatsApp und die Meta-Ebene der emotionalen Kommunikation

Gleichsam wie durch einen Kuss aus ihrem Dornröschenschlaf aufgeweckt, bemerkten einige meiner »Kontakte« auf WhatsApp einen eingebildeten bitteren Geschmack in ihrem Mund. Vielleicht hätte ich zuerst eine Zahnbürste oder gleich eine Badewanne reichen sollen (was viel zu selten in Märchen geschah – es ist doch erstaunlich, wie bezaubernd die angehenden Prinzessinnen aus ihrem langen Schlaf erwachen). Aber das hier war kein Märchen, sondern die reale Welt, wo Menschen nicht gerne aufgeweckt werden (der Wecker singt jeden Arbeitstag sein Lied davon).

Der Weckruf erreichte einen Teil meiner »Kontakte« in Form eines überraschend verschwindenden Profilbilds. Mein charismatisches Gesicht wurde durch einen grauen Kreis mit weißem Kopf ersetzt. Ich hatte meine WhatsApp Einstellungen geändert und teilweise sie gelöscht. Im ersten Moment muss das ein Schock gewesen sein, sonst hätte ich nicht emotional aufgeladene Nachrichten bekommen. „WhatsApp und die Meta-Ebene der emotionalen Kommunikation“ weiterlesen

Das Schlimmste wäre…

…, sagt er, wenn sie mir nicht zurückschreibt.

Wirklich, frage ich und muss darüber nachdenken. Irgendwie erscheint es mir nicht schlimm genug.

Am Samstag lernte er in der Disco eine – wie er sagt – umwerfende Frau kennen. Jetzt sitzen wir hier im Café draußen und genießen die Sonne. Um genauer zu sein, ich erfreue mich an den warmen Sonnenstrahlen und dem blauen Himmel, während er seine schützende Hand über sein Smartphone hält und auf das Display starrt, um den Moment nicht zu verpassen, an dem sie seine Nachricht liest. WhatsApp ist schon toll!

Ist das wirklich das Schlimmste, was du dir vorstellen kannst?

Ja, sagt er, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken. Zwei blaue Balken, die kein Paar sind und ihr Blau der Anfang einer unschönen Reise markieren kann.

Was wäre, sage ich, wenn sie dir schreibt, dass sie sich nicht an dich erinnert? Wenn sie dich einfach vergessen hat?

Er blickt hoch.

Reine Kopfsache oder eine haarige Angelegenheit

Bielefeld. Heute Morgen. Annäherungsversuch im Bett. Die Nacht hat sich zärtlich durch meine Haare gewühlt und mir einen verwegenen Look verpasst.

BedStyle - Haare vom Bett gemacht
BedStyle – Haare vom Bett gemacht

Ich war also bereit für dieses »draußen«, von der alle Welt spricht. Das kam mir sehr entgegen, denn ich musste zum Arzt, Blutabnahme. Und dort warteten gleich zwei Überraschungen auf mich. „Reine Kopfsache oder eine haarige Angelegenheit“ weiterlesen

Störende Blicke und die attraktiven Frauen

Bielefeld heute. Die Sonne lächelt in den frischen Tag hinein.

Ich blicke aus dem Fenster in den Morgen, während ich mich gerade auf einem Crosstrainer beim Fitness aufwärme. Der andere Arm zurück. Überkreuzt die Beine. Und wiederholen. Morgens bin ich so geschmeidig wie ein tiefgefrorenes Huhn. Dann muss ich mich durch Bewegung langsam auftauen und auseinanderfalten.

Am liebsten würde ich mich in eine Mikrowelle legen und mich ein paar Runden kross drehen. Leider geht das nicht, weil ich höchstwahrscheinlich dabei einschlafen würde. Also muss ich mich mit dem Crosstrainer begnügen. Laufband wäre zu hart. Ich werde halt alt. Schon die ganze Zeit. Früher fand ich diesen Satz schlimm. Jetzt halte ich daran so lange es geht fest, denn am Ende bin ich einfach nur alt.

Egal, dann dauert das Warm-Up halt länger.

Und das ist gar nicht so schlimm. Morgens gleicht das Fitnessstudio einem kleinen, geheimen Club, in das sich nur wenige Verlaufen. Daher mag ich die Ruhe, die unverbrauchte Luft und den maximalen Abstand zu den anderen Fitnessen (sagt man das so?).

Also weiter mit den Armen schwingen. Schwubb, schwubb, schwubb. Als sei dies ein Lockruf, nähern sich zwei Damen und – wie soll es anders sein – steigen auf die Geräte neben mir. Natürlich darf ich das nicht überbewerten, nur weil nahezu alle Geräte frei sind. So süß bin ich dann doch nicht. „Störende Blicke und die attraktiven Frauen“ weiterlesen

Besser als mein Lehrer

Ein paar Gedanken von gestern hängen noch ein wenig lose an meinem Hinterkopf und flattern wild um mich herum, als wollten sie mich auf etwas aufmerksam machen. Ich glaube, das ist unvermeidbar, über das Leben eines anderen nachzudenken, um dann ins eigene zu stolpern. Gestern schrieb ich über Peter Scholze und darüber, was wir für uns (oder nur ich für mich) aus seiner Biographie mitnehmen können. Meine gesamte Beschreibung konzentrierte sich auf seine Ausdauer, seine Leidenschaft, seine Art, Dinge sich anzueignen – und dann fiel mir eine Episode aus meiner Schulzeit ein und das, was ich bei Peter Scholze zu betrachten vergessen hatte. „Besser als mein Lehrer“ weiterlesen