Grundlos Stress oder Wohin führt dein Weg?

Es ist sehr einfach, sich in Stress zu versetzen.

Bei mir beginnt es mit dem ersten Schritt beim Gehen.

Ich kann nicht normal gehen. Das habe ich letzte Woche wieder auf dem Heimweg bemerkt. Mit jedem Schritt werde ich schneller, einfach so, als würde ich gegen etwas anlaufen. Und während ich, ohne den Grund zu kennen, schnell gehe, wirkt sich das auf meinen Körper aus. Erhöhter Puls, schnelleres Atmen, verengte Augen, zusammengezogene Augenbrauen. Ein Gesicht, das in sich zusammen gezogen ist.
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Der Gestank des Kunden

Haircut by fxhakan
Haircut

Sie nähern sich dir unsichtbar und lautlos. Penetrieren dich dann und katapultieren dich sofort durch die Zeit in die Vergangenheit oder direkt ins Hier und Jetzt: Gerüche.

Gestern. Noch bevor mein Körper den Raum betrat, hatte ich diesen markanten Geruch des türkischen Eau de Colognes Kolonya, den ich noch sehr gut aus meiner Kindheit kannte, in der Nase. Ein scharfer, zitronenartiger Duft, der auch in dezenter Form so stark roch, als könnte es als Desinfektionsmittel alles Leben auslöschen oder Tote wiederbeleben.

Als Kind fand ich diesen Geruch belebend, als Erwachsener eher unangenehm. Dieser Geruch verkroch sich nun in meine Nase und kitzelte Erinnerungen aus meinen Hirnwindungen, noch ehe ich an diesem sonnig-heiteren Tag den türkischen Friseurladen betrat.
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Peinlich oder doch nur falsche Höflichkeit

Der Frühling trägt seltene Blüte an einem Esstisch zu Mittag in einer Kantine beim Kunden. Das Grün einer Petersilie oder einer Brokkoli – so genau weiß ich es nicht mehr – schimmert die Illusion einer Lücke zwischen den beiden Vorderzähnen, während der Arbeitskollege mit seinem breitesten Grinsen uns anlächelt. Immer wieder lächelt er als wäre er stolz auf dieses zarte Pflänzchen, das dort dekorativ die einfallenden Sonnenstrahlen genießt. Irgendwann muss jeder dieses dunkle Grün auf seinen Zähnen gesehen haben. Aber jeder, mit dem er spricht oder die mit ihm sprechen, übergehen das wuchernde Grün.

Ich sitze am anderen Ende des runden Tisches, bis mir das Grün kotzend auf die Nerven geht – oder es ist diese Art, alles Störende oder nicht ins Bild passende einfach zu ignorieren, um so den Schein zu wahren. Man möchte doch nicht unhöflich sein!
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Borderline

In meinen wildesten Herbstträumen entblättern sich Menschen wie Bäume. Zurückspulen in der Zeit um einige Jahre… Abends an einem kalten Freitag. Die Sonne hat den Tag auf dieser Seite der Scheibe verlassen. Die Nacht wagt sich hinaus, während ich mit aufgedrehter Heizung alleine im Wohnzimmer sitze. Es ist trotzdem kalt. Das Telefon klingelt und ein kleiner Ruck geht durch meinen Körper – sie ist es nicht.
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